BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Bundeskriminalamt will Dunkelfeld von Straftaten erforschen | BR24

© picture alliance / blickwinkel/McPHOTO

Handschellen

Per Mail sharen

    Bundeskriminalamt will Dunkelfeld von Straftaten erforschen

    Wie viele Verbrechen werden nicht entdeckt oder nicht angezeigt? Wie hoch ist die Dunkelziffer etwa bei Betrug oder häuslicher Gewalt? Das möchte das Bundeskriminalamt (BKA) nun mit einer Umfrage herausfinden.

    Per Mail sharen
    Von
    • Frank Jordan

    Post vom Bundeskriminalamt (BKA) bekommen ab dem 13. November, 4.500 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger in Bayern. Bundesweit sind es 120.000 Menschen. Die Empfänger werden gebeten, einen 24-seitigen Fragebogen zum Thema Sicherheit und Kriminalität zu beantworten.

    Mit der Studie wollen das BKA und die Polizei in den Bundesländern, wie etwa das Bayerische Landeskriminalamt, erstmals das sogenannte Dunkelfeld von nicht angezeigten Straftaten erhellen.

    Polizei unterscheidet zwischen "Hell"- und "Dunkelfeld"

    Als "Hellfeld" werden die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten bezeichnet, die regelmäßig in der Polizeikriminalstatistik erfasst werden. Diese einmal im Jahr veröffentlichten Zahlen gehen auf Anzeigen Betroffener und eigene Polizeiermittlungen zurück.

    Das "Dunkelfeld" sind dagegen Straftaten, von denen die Polizei bislang nichts erfahren hatte. "Die Dunkelziffer bei Mord dürfte sehr gering sein, aber bei ganz anderen Straftaten, denken wir an häusliche Gewalt, denken wir an Sexualdelikte, denken wir aber auch an Betrugsstraftaten, wo sich Leute schämen, Anzeige zu erstatten, weil sie dann vielleicht meinen, sie haben was falsch gemacht, da müssen wir angreifen können", sagt Ludwig Waldinger vom Bayerischen Landeskriminalamt. "Und da wäre es natürlich ganz wichtig [zu wissen], wie viele Straftaten gibt es denn tatsächlich?"

    Ziel: Verbesserung der Präventionsarbeit

    Außerdem interessieren sich die Kriminalämter für das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger sowie das Verhältnis zur Polizei und deren Ansehen. Zudem will das BKA beispielsweise wissen, für wie wahrscheinlich es die Befragten halten, dass bei ihnen in den kommenden zwölf Monaten eingebrochen wird. Eine weitere Frage lautet, wie zufrieden die Menschen bei einem Kontakt mit der Polizei mit dem Verhalten der Beamten waren.

    Mit den Informationen, die gegenwärtig noch in keiner Statistik erfasst werden, soll die Präventionsarbeit der Polizei verbessert werden. "Im Augenblick kann die Polizei ja nur präventiv versuchen, die Bürger vor Straftaten zu schützen, die sie selber auch kennt", sagt Johannes Luff, Leiter der Kriminologischen Forschung vom Bayerischen Landeskriminalamt. "Das Ziel der Polizei muss aber auch sein, den Bürger nicht nur vor bekannten Straftaten, sondern vor allen Straftaten zu schützen."

    Umfrage ist freiwillig und anonym

    Durchgeführt wird die Umfrage vom infas-Institut für angewandte Sozialwissenschaft in Bonn. Dorthin sollen die Befragten ihre Antworten auch schicken. Infas verarbeitet die Informationen und leitet dann anonymisierte Gesamtdatensätze an das Bundeskriminalamt weiter. Die Ermittler dort erfahren also gegebenenfalls nur, dass die Umfrage ergeben hat, dass häusliche Gewalt häufiger vorkommt als bislang bekannt, aber keine konkreten Einzelfälle.

    Die Teilnahme ist freiwillig, die Initiatoren hoffen jedoch, dass möglichst viele den Fragebogen ausfüllen, um statistisch belastbare Informationen zu erhalten.

    Ergebnisse erst im kommenden Sommer 2021

    Ergebnisse aus der Umfrage sind auf Bundesebene erst im Laufe des nächsten Jahres zu erwarten. In anderen europäischen Staaten, wie zum Beispiel Schweden und Frankreich, ergänzen Dunkelfeldstudien bereits seit Jahren die bekannten Kriminalitätsstatistiken, in Deutschland ist es eine Premiere. Die Befragungen soll es künftig alle zwei Jahre geben.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!