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Bundesanwaltschaft: IS-Anhängerin ließ Kind verdursten | BR24

© BR/Herbert Ebner

Oberlandesgericht

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    Bundesanwaltschaft: IS-Anhängerin ließ Kind verdursten

    Die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Jennifer W. wurde im Juni in Schwaben auf der Durchreise verhaftet. Die Bundesanwaltschaft hat gegen die 27-Jährige Anklage vor dem Oberlandesgericht München erhoben - wegen Beteiligung am Tod eines kleinen Mädchens.

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    Der Generalbundesanwalt hat Anklage gegen eine deutsche IS-Anhängerin wegen eines Kriegsverbrechens im Irak erhoben. Die Terrorermittler werfen der 27 Jahre alten Jennifer W. vor, gemeinsam mit ihrem Mann ein fünf Jahre altes Mädchen im Irak als Sklavin gehalten und getötet zu haben. Die Frau sei "hinreichend verdächtig", als IS-Mitglied aus niedrigen Beweggründen einen Menschen grausam getötet und hierdurch ein Kriegsverbrechen begangen zu haben.

    In der sengenden Sonne verdurstet

    Dem Inhalt der Anklage nach, die jetzt vom Oberlandesgericht München geprüft wird, hielt sich die junge Frau ab September 2014 im Irak auf. Im Sommer 2015 sollen sie und ihr Mann das kleine Mädchen gekauft und als Sklavin gehalten haben. Als das Kind krank wurde und deswegen ins Bett machte, kettete der Mann das Mädchen laut Anklage draußen an und ließ es unter sengender Sonne verdursten. "Die Angeschuldigte ließ ihren Mann gewähren und unternahm nichts zur Rettung des Mädchens", heißt es in der Mitteilung der Ermittler.

    Sittenpolizistin im Auftrag des IS

    Außerdem soll die Frau von Juni bis September 2015 als "Sittenpolizistin" des IS mit Kalaschnikow, Pistole und Sprengstoffweste in den Parks von Falludscha und Mossul patrouilliert haben. Ihre Aufgabe für einen Monatslohn zwischen 70 und 100 US-Dollar: die Überwachung der rigiden Verhaltens- und Bekleidungsvorschriften für Frauen.

    Nach Rückkehr in der salafistischen Gefangenenhilfe aktiv

    Der Mann der Angeklagten sei kein deutscher Staatsangehöriger, sagte eine Sprecherin des Generalbundesanwalts. Er hält sich nicht in Deutschland auf. Jennifer W. jedoch war Ende Januar 2016 von türkischen Sicherheitskräften in Ankara festgenommen und wenig später nach Deutschland abgeschoben worden - dies nach einem Besuch der deutschen Botschaft, bei dem sie neue Ausweispapiere beantragt hatte. Nach Informationen von Deutschlandfunk Kultur und Bayerischer Rundfunk war Jennifer W. nach ihrer Rückkehr nach Deutschland in der sogenannten salafistischen Gefangenenhilfe aktiv.

    Die Frau wohnte zuletzt in Niedersachsen. Laut Ermittlungen wollte sie Ende Juni 2018 erneut nach Syrien ausreisen. Auf dem Weg dorthin kam sie nicht weit, sondern wurde in Schwaben festgenommen. Drei Tage später erwirkte der Generalbundesanwalt den Haftbefehl.