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Anträge ausfüllen, Gelder anweisen und ganz viel telefonieren: Die Corona-Krise fordert von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit viel Flexibilität und Einsatz. Und alle haben Fragen zur Kurzarbeit.

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Bundesagentur für Arbeit: Alle haben Fragen zur Kurzarbeit

Anträge ausfüllen, Gelder anweisen und ganz viel telefonieren: Die Corona-Krise fordert von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit viel Flexibilität und Einsatz. Und alle haben Fragen zur Kurzarbeit.

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Von
  • Wolfram Weltzer
  • Julia Hofmann

Fahrschulen, Tierfutterhersteller, Blumenhändler – aus allen Bereichen kamen die Anrufe. Viele der kleinen Betriebe hatten vorher noch nie von sich aus den Kontakt zur Bundesagentur für Arbeit gesucht. Und manche haben aus Scham den Anruf möglichst lange hinausgezögert.

Per Online-Schulung zur Fachkraft für Kurzarbeit

Seit dem 16. März hat Anette Hanf fast nichts anderes getan als Kurzarbeitsanträge zu bearbeiten und an der Hotline Fragen dazu zu beantworten. Dabei gehört sie weder zu einem der Call-Center der Bundesagentur für Arbeit noch zur sogenannten Leistungsabteilung, die normalerweise für Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld zuständig ist. Die 47-Jährige ist Berufsberaterin. Aber damit war wegen Corona erst einmal Schluss. Per Online-Schulung wurde sie im Schnelldurchgang zur Fachkraft für Kurzarbeit.

Allein mit vielen Fragen

Eine riesige Umstellung für Anette Hanf und ihre Kollegen. Vor allem, weil alle alleine im Büro oder zuhause sitzen und sich nicht von erfahrenen Kolleg*innen über die Schulter schauen lassen können. Anette Hanf sitzt im Einzelbüro, die meisten BA-Angestellten arbeiten aber derzeit von zuhause aus. Im Agenturbezirk Nürnberg sind jetzt einige hundert mit der Kurzarbeit beschäftigt, bundesweit sind es 11.000 – das sind etwa zehnmal so viele wie normal. Und diese Menschen haben teilweise völlig andere Arbeitszeiten als bisher. Manche fangen früh um 6 an, betreuen tagsüber ihre Kinder und setzen sich abends wieder an den Rechner.

Home-Office mit Einwahlzeiten

Robert Buhse, Hauptpersonalratsvorsitzender der BA, hat dem zugestimmt, auch wenn er die Gefahr entgrenzter Arbeitszeiten sieht. "Die Flexibilität mussten wir aber auch schaffen. Wir hatten am Anfang große Probleme mit der IT, was aber normal ist in der Größenordnung, das hatten alle. Weil eben nicht alle parallel arbeiten können. Deshalb mussten wir etwas entzerren, damit wir mehr Leuten die Möglichkeiten geben konnten, auch im Home-Office zu arbeiten. Wir können nicht die gesamte BA gleichzeitig in unserer IT arbeiten lassen." Es seien auch Einwahlzeiten festgelegt worden, damit sich die Mitarbeiter nicht alle gleichzeitig anmelden und dadurch die IT abstürzt.

Viele Überstunden und schwierige Arbeitsbedingungen

Neue Aufgaben, schwierige Arbeitsbedingungen, dazu teilweise massiv Überstunden, weil bei den Kurzarbeitsanzeigen auch Fristen einzuhalten sind, das sei ein ungewohnter, belastender Druck, sagt Anette Hanf.

"Wir waren getrieben von dem Wunsch, es schaffen zu wollen. Uns wurde gesagt, tut alles – die Leute brauchen das Geld – und mit diesem Flow haben wir gearbeitet. Ich weiß nicht, wie soll ich sagen: Ich bewundere das im Nachhinein, dass wir des geschafft haben." Anette Hanf, Mitarbeiterin in der Bundesagentur für Arbeit

Freundliche und dankbare Kunden

Und geholfen hat wohl auch, dass die BA-Beschäftigten erstaunlich wenig aggressive Kunden hatten – womit sie in der Krisensituation eigentlich gerechnet hätten. Am Telefon wie auch an den Notfallschaltern, die es in allen Arbeitsagenturen und Jobcentern gibt, erleben die BA-Leute eher Dankbarkeit und zwar dafür, dass sich die Arbeitsagenturen für ihre Kunden einsetzten.

Positives Image für die Arbeitsagenturen

Personalrat Robert Buhse hofft nun, dass das positive Feedback auf das Image der Arbeitsagentur abfärbt, auch auf lange Sicht. Außerdem kämpft er für mehr Personal für die Arbeitsagenturen. Denn er rechnet fest damit, dass man in den nächsten zwei Jahren noch mit den Corona-Folgen zu tun haben werde.