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Ates Gürpinar und Eva Bulling- Schröter
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Boris Berg
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Ates Gürpinar und Eva Bulling- Schröter

Er ist ein Zugereister - und er steht dazu. Ates Gürpinar, geboren in Darmstadt, die einen Großeltern aus Pommern, die anderen aus der Türkei. "Wenn ich auf Türkisch einen Döner bestelle, antworten mir die meisten auf Deutsch", sagt er und lacht. Sein Türkisch sei eben nicht so gut, zu Hause hätten alle Deutsch gesprochen.

Gürpinar bildet zusammen mit Eva Bulling-Schröter das Spitzenduo der Linken im bayerischen Landtagswahlkampf. Der 34-Jährige sucht im Wahlkampf gerne kleine Gesprächsrunden. Kamingespräche statt Klinkenputzen, so möchte er Unentschlossene aus dem linken Milieu mobilisieren.

Debatte um Wagenknechts Sammlungsbewegung

Viele sind derzeit verunsichert, wegen der Strategiedebatte von Sarah Wagenknecht. "Wie viel Wagenknecht steckt in Gürpinar? Das heißt, wieviel wähle ich davon mit, wenn ich mich für die Linke entscheide?", will ein Teilnehmer des Kamingesprächs wissen. "Aufstehen", die linken Sammlungsbewegung über Parteigrenzen hinweg, ist umstritten, auch weil Sahra Wagenknecht für eine Begrenzung des Flüchtlingszuzugs eintritt.

So kurz vor der Landtagswahl in Bayern kommt das nicht unbedingt gelegen. Gürpinar betont, dass er sich zwar parteiintern sehr kritisch zu Wagenknecht äußere, es aber eine innterparteiliche Debatte bleiben solle. Nach außen hin, so fordert der Spitzenkandidat, solle unbedingt die soziale Frage im Vordergrund stehen. Als Wahlkampflokomotive ist Sahra Wagenknecht bei den bayerische Linken aber durchaus willkommen.

Bulling-Schröter will es noch einmal wissen

Als Wahlkampf-Lokomotive ist Sahra Wagenknecht aber durchaus willkommen - auch bei Eva Bulling-Schröter, der zweiten im Spitzenduo der bayerischen Linken. Die 62-Jährige möchte es nach 40 Jahren in der Politik und 20 Jahren im Bundestag noch einmal wissen.

Die Ingolstädterin ist eine Urlinke, war ab 1990 in der PDS und zuvor in der DKP aktiv. Jetzt sei die Zeit auch in Bayern reif für linke Akzente, betont sie. Die bayerische Verfassung "könnte ja eigentlich von den Linken geschrieben sein, dann da steht schon ganz viel drin zur Bodenspekulation, dass hier keine Profite gemacht werden dürfen - das ist doch heutzutage schon revolutionär".

Einzug in den Landtag in Lederhose und Dirndl

Mehr für die Mehrheit - das heißt Umverteilung, zum Beispiel für bessere Pflege, für bessere Bildungschancen und für höhere Renten. Das alles sei finanzierbar, sagen die Linken, zum Beispiel indem Bayern endlich mehr Steuerprüfer einsetze.

Die Linke stehe im Gegensatz zu allen anderen Parteien dafür, grundlegende Veränderungen anzustreben, nicht nur Kleinigkeiten, sagt Gürpinar, "und das ist irgendwo entscheidend". Falls es die Partei tatsächlich in den Landtag schaffen sollte, wollen die beiden Spitzenkandidaten in Lederhose und Dirndl ins Plenum einziehen.