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Bürgermeister im Ehrenamt: "So eine Art Hetzjagd" | BR24

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Ehrenamtliche Bürgermeisterin will nicht mehr

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Bürgermeister im Ehrenamt: "So eine Art Hetzjagd"

Nächstes Jahr im März ist Kommunalwahl in Bayern. Einige Kommunen stehen vor einem Problem: Viele ehrenamtliche Bürgermeister wollen nicht erneut antreten, denn die Belastung ist hoch und die Arbeit oft frustrierend. Ein Beispiel aus Nordschwaben.

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Aufwändige Sanierungen der Kanalisation oder die Mittagsbetreuung in der Grundschule: Caroline Zehnpfennig-Doleczik ist stolz auf das, was sie als Bürgermeisterin von Ederheim im Landkreis Donau-Ries in fast zwölf Jahren zusammen mit ihrem Gemeinderat geschafft hat. Doch ein gutes Team sei man nur in der ersten Amtszeit gewesen.

"So eine Art Hetzjagd"

Dann habe sich das Klima negativ verändert, berichtet Zehnpfennig-Doleczik, "weil es da zwei gibt, die meinen, sie müssen immer irgendwas finden, was Negatives, weil es ihnen nicht schnell genug geht. Und das ist natürlich immer schwierig dann, so eine Art Hetzjagd und im Endeffekt steht man immer alleine da." Sie wisse nicht, was sie falsch gemacht habe. Doch es habe einfach nicht mehr funktioniert.

Deshalb zieht die Bürgermeisterin des 1.200-Einwohner-Ortes die Konsequenzen und tritt kein drittes Mal für das Ehrenamt an. "Die Motivation an sich war schon noch da, weil wir auch in der zweiten Periode noch viel bewegt haben, aber es lähmt schon, wenn man ständig so negativ belastet ist im Hintergrund."

Bürgermeister ist ein Full-Time-Job

Der Job als ehrenamtliche Bürgermeisterin ist zudem anstrengend: Viele Wochenendtermine, jederzeit ansprechbar sein für die Dorfbewohner und "nebenbei" ja auch noch der Hauptberuf. Hinzu komme, dass sich die Gesellschaft extrem verändert habe: "Dieser grenzenlose Egoismus! Ich sage immer: Team – Toll ein anderer macht's!" Ihr bleibt nur der Galgenhumor, wenn andere nicht bereit sind, sich einzubringen und es stattdessen nur Kritik an ihr gibt. Nun will sich Zehnpfennig-Doleczik wieder ganz ihrem Hauptberuf widmen – als Außendienstmitarbeiterin eines Arzneimittelherstellers.

"Das Herabwürdigen der Person"

Hans-Peter Mayer vom Bayerischen Gemeindetag kann es nachvollziehen: "Das Empfinden, selbst wenn Entscheidungen in einem demokratischen Prozess zustande gekommen sind, dass sie nicht mehr akzeptiert werden und insbesondere die Auseinandersetzungen, dass es viel stärker ins Persönliche geht, nicht um die sachliche Auseinandersetzung, um das Ringen um die beste Lösung, sondern das Herabwürdigen einer Person, das Verletzen einer Person."

Sede vacante in Ederheim

Normalerweise trete im Schnitt ein Drittel der Bürgermeister bei Kommunalwahlen nicht erneut an, so Mayer. Der Wert könne diesmal höher sein, im schlimmsten Fall werde es die Hälfte sein, fürchtet Mayer. Wer in Ederheim die Amtsgeschäfte künftig führen wird, ist noch unklar. Die Kritiker der Bürgermeisterin aus dem Gemeinderat haben aber schon erklärt, dass sie bei der Wahl nicht antreten wollen ...