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Bürgermeister: Ehrenamt oder Hauptberuf? | BR24

© BR/Doris Bimmer

Bürgermeister: Ehrenamt oder Hauptberuf?

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Bürgermeister: Ehrenamt oder Hauptberuf?

Auch in kleinen Orten ist das Amt des Bürgermeisters oft ein Vollzeit-Job, der viel Zeit erfordert. Sollten Bürgermeister besser hauptberuflich arbeiten, oder doch ehrenamtlich? Eine Frage, die viele Gemeinden vor der Kommunalwahl 2020 bewegt.

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Immer öfter legen Amtsinhaber ihr Amt als Bürgermeister nieder, immer öfter haben Kommunen Probleme, geeignete Kandidaten zu finden. Denn nicht viele sind offenbar gewillt und in der Lage, die Bürden des Ehrenamts auf sich zu nehmen. Bei der Frage, ob die Rathauschefs schon haupt- oder noch ehrenamtlich arbeiten, lässt der Gesetzgeber den Kommunen einen großen Spielraum. Deshalb gibt es kleine Gemeinden mit einem Bürgermeister in Vollzeit, und größere, die von ehrenamtlichen Bürgermeistern geführt werden. Beides hat Vor- und Nachteile.

Hauptamtlicher Bürgermeister im kleinen Dorf

Gerhard Fuchs zum Beispiel ist seit elf Jahren hauptamtlicher Bürgermeister in Oberschönegg. Die Gemeinde im Unterallgäu hat nicht einmal 1.000 Einwohner. Sie hat aber eine große Molkerei am Ort und die bislang noch größte Kläranlage im Unterallgäu. Früher übernahmen meist Landwirte das Amt des Bürgermeisters. Doch bereits der Vor-Vorgänger musste seine Landwirtschaft aufgeben, um das Arbeitsvolumen im Oberschönegger Rathaus bewältigen zu können.

Bürgermeister als Manager - und das ehrenamtlich?

Vor allem die Ansprüche an die Bürgermeister seien gewachsen, sagt Gerhard Fuchs. Das Amt so nebenher zu erledigen, das gehe nicht mehr, findet er. Nicht wenige Kommunen in Bayern setzen aber noch immer auf ehrenamtliche Bürgermeister. In Stetten im Unterallgäu hat der Gemeinderat erst vor kurzem wieder erklärt, keinen hauptamtlichen Bürgermeister anstellen zu wollen. Dabei sind die Aufgaben umfangreich, sagt Bürgermeister Uwe Gelhardt. Sitzungen mit dem Schulverband, dem Gewerbeverband, Besuche bei Bürgern und Vereinen, Notartermine und viele mehr.

Am Feierabend im Rathaus schuften

Uwe Gelhardt leitet zur Zeit die Geschäfte im Rathaus kommissarisch. Bis vor kurzem war er dort der Stellvertreter, dann starb der Bürgermeister überraschend an einem Schlaganfall. Gelhardts Arbeitspensum hat sich schlagartig von bisher 10 Stunden auf rund 30 Stunden im Monat gesteigert. Seine Aufgaben im Amt erledigt er vor allem abends, denn tagsüber geht er zur Arbeit. Er hat also eine Doppelbelastung. Dennoch hält der Gemeinderat in Stetten am Ehrenamt fest, wie viele andere Kommunen auch.

Ohne Verständnis von Chef und Familie geht es nicht

Einen Vollzeit-Bürgermeister kann sich eben nicht jede Gemeinde leisten. Vor allem wegen der Folgekosten, etwa mit Pensionsansprüchen, die in vielen Jahren entstehen. Uwe Gelhardt könnte seinen Job im Rathaus ohne einen verständnisvollen Chef und eine noch verständnisvollere Familie derzeit nicht machen, sagt er. Die Arbeit als Bürgermeister gefällt ihm eigentlich, hier könne man etwas voranbringen, Ideen verwirklichen und Lösungen finden. Aber dauerhaft ins Rathaus einziehen will er nicht, da sind ihm sein Beruf und seine Familie dann doch wichtiger. Und damit bleibt offen, wie lange sich Gemeinden wie Stetten einen ehrenamtlichen Bürgermeister leisten können ...