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Bürgerinitiative gegen Nachverdichtung in Augsburg gegründet | BR24

© BR/Veronika Scheidl

Wohnraum in Städten ist Mangelware, doch der Zuzug in Großstädte ist ungebrochen. Dort wird deshalb versucht, freie Flächen zu bebauen. Klingt nach einer guten Idee, doch mit der Umsetzung sind die Anwohner oft unzufrieden.

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Bürgerinitiative gegen Nachverdichtung in Augsburg gegründet

Immer mehr Menschen wollen in Städten wohnen. Doch Wohnraum ist knapp. Die meisten Städte versuchen das Problem mit Nachverdichtung in bestehenden Wohngebieten zu lösen. Doch in Augsburg regt sich inzwischen Widerstand.

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Es wird eng in den Städten: Wohnungen sind Mangelware, der Immobilienmarkt ist angespannt – und trotzdem bleibt der Zuzug ungebrochen. Dieser Herausforderung begegnen Stadtplaner mit dem Versuch, freie Flächen innerhalb bestehender Wohngebiete nachträglich zu bebauen. An sich klingt das nach einer guten Idee, doch mit der Umsetzung sind die Anwohner oft unzufrieden. In Augsburg regt sich jetzt Widerstand.

Wilder Garten gegen Mähroboter

Angeführt wird der unter anderem von Klaus Wiegand. Sein Reihenhaus im Augsburger Stadtteil Hochzoll umgibt ein kleines Paradies für Vögel und Bienen. Dichtes Gehölz wechselt sich mit blühenden Büschen ab, überall summt und piept es. Wenn er über den Zaun blickt, bietet sich ihm ein anderer Anblick. Dort surrt ein Mähroboter über den raspelkurzen Rasen rund um das neue Mehrfamilienhaus, kein Strauch und keine Blume ist zu sehen. Tatsächlich könnten sie auf dem Nachbargrundstück auch nicht wachsen: Wenige Zentimeter unter dem Rasen liegt die Tiefgarage, für Wurzeln ist da kein Platz.

Nachverdichtung führt zu mehr Flächenversiegelung

Gärten wie seinen eigenen sieht Klaus Wiegand durch die Nachverdichtung in Gefahr. Die neu entstehenden Häuser seien viel zu groß, das Verhältnis von Gebäude zu umliegendem Grundstück stimmt seiner Meinung nach nicht mehr. Seine Sorge: Die Flächenversiegelung führe dazu, dass auch Insekten und Vögel aus den Siedlungen verschwinden.

Anwohner fühlen sich von der Stadt Augsburg allein gelassen

Was das bedeutet, zeigt sich auch zwei Grundstücke weiter. Vor kurzem stand dort noch ein Einfamilienhaus, an dessen Stelle liegt nun eine große Grube. Der Bauträger will dort ein Acht-Parteien-Haus bauen. Wegen solcher Projekte sehen Klaus Wiegand und viele seiner Nachbarn das Idyll in der Hochzoller Gartensiedlung in Gefahr. Von der Stadt Augsburg fühlen sie sich dabei im Stich gelassen.

"Da steht schon ein Haus. Und wenn da schon eines steht, dann wird man die Baugenehmigung für das zweite Haus nicht verweigern dürfen. Und dann das nächste Haus auch noch mal daneben und noch größer und noch größer. Und nach und nach verändert sich der Siedlungscharakter total und man hat nur noch diese großen Gebäude." Klaus Wiegand, Anwohner in Augsburg-Hochzoll

Bürgerinitiative sammelt Unterschriften

Die Angst vor weiteren massiven Bauten ist so groß, dass Wiegand und seine Nachbarn eine Bürgerinitiative gestartet haben. Sie sammeln nun Unterschriften und beschweren sich bei der Stadt. Die teilt auf Anfrage schriftlich mit, dass es in Augsburg einen erheblichen Siedlungs- und damit Nachverdichtungsdruck gebe. Die große Herausforderung bestehe darin, einerseits die Identität der Siedlungsgebiete zu erhalten und andererseits, den dort lebenden Familien Entwicklungsmöglichkeiten einzuräumen.

Anwohner finden Siedlungen nicht mehr lebenswert

Dass die Stadt nach Meinung vieler Anwohner dieser Herausforderung nicht gerecht wird, zeigt das Beispiel von Erich Kottnauer. Jahrzehntelang lebte er in seinem kleinen Einfamilienhaus in Augsburg-Hochzoll. Jetzt hat er es verkauft, noch diesen Sommer zieht er aus. Der Grund: Durch die Nachverdichtung fühlt er sich umzingelt und bedrängt, seine Nachbarschaft findet er nicht mehr lebenswert.

Gut möglich, dass weitere Anwohner seinem Beispiel folgen werden. Klaus Wiegand fordert deshalb eine sanftere Nachverdichtung: kleinere Häuser, weniger Parteien und damit mehr Chancen für Gärten. Derzeit befürchten Wiegand und seine Mitstreiter aber, dass die Stadt die neuen Bauvorhaben genehmigen wird. Und dass damit ein weiteres Stück Gartenidyll verloren geht.

© BR / Veronika Scheidl

Der Zuzug in die Städte ist ungebrochen, Wohnraum dementsprechend Mangelware. Viele Städte setzen vermehrt auf Nachverdichtung - womit Bürger aber oft unzufrieden sind und sich vernachlässigt oder bisweilen sogar vertrieben fühlen.