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Bürgerinitiative gegen Bauer: Protest gegen Schweinestall | BR24

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Im Stall des Landwirts Robert Schweiger können die Schweine auf Stroh laufen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

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    Bürgerinitiative gegen Bauer: Protest gegen Schweinestall

    Wenn Landwirte ihren Tieren mehr Platz bieten wollen, müssen sie größere Ställe bauen. Im oberbayerischen Isen führt das zu einem Konflikt zwischen dem Landwirt Robert Schweiger und den Anwohnern.

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    Von
    • Astrid Uhr

    Das Fleisch auf dem Teller soll fair und nachhaltig produziert sein. Das wünschen sich immer mehr Verbraucher. Die Forderung nach mehr "Tierwohl“ verlangt ein Umdenken. Dazu gehört auch, den Tieren mehr Platz zu bieten. Viele Ställe müssen daher erweitert oder zusätzlich gebaut werden. Doch im eigenen Ort wollen das viele Anwohner nicht haben wie im oberbayerischen Isen im Landkreis Erding. Der Landwirt Robert Schweiger würde hier gerne einen neuen "Tierwohl“-Stall am Ortsrand bauen. Dagegen hat jedoch die Bürgerinitiative Unterschriften gesammelt.

    Schweinehaltung auf Stroh

    Der 43-jährige Nebenerwerbslandwirt Robert Schweiger hält seine 50 Schweine auf Stroh: So bekommen die Tiere mehr Wärme von unten, ihre Gelenke entzünden sich weniger, sie sind beschäftigt beim Spielen im Stroh und weniger aggressiv, sagt Schweiger. Außerdem bekommen seine Tiere mehr Zeit zum Wachsen und werden nicht intensiv gemästet. Nach seiner Beobachtung schätzt der Verbraucher das. Sein Fleisch ist gefragt und er setzt dabei auf regionale Vermarktung. Das verhindert auch längere Viehtransporte.

    Bürgerinitiative will keinen Schweinegestank

    Der Landwirt aus St. Wolfang im Landkreis Erding versteht die Welt nicht mehr: "Das ist doch die Landwirtschaft, die jeder haben will - trotzdem werden meine Baupläne kritisiert.“ Schweiger möchte seinen Tierbestand vergrößern - von 50 auf 220 Schweine. Dazu braucht er eine größere Fläche. Am Ortsrand von Isen wäre dafür Platz. Doch gegen den Neubau hat eine Bürgerinitiative knapp 300 Unterschriften gesammelt und dem Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer übergeben. Anwohnerin Bettina Meindl aus Isen kritisiert vor allem den Standort: "Man muss nicht unbedingt einen Schweinestall am schönsten, höchsten Ort von Isen bauen.“

    Die Bürger sehen ihr Naherholungsziel um die Hubertus-Kapelle bedroht, die in der Nähe des geplanten Stalles liegt. Die Anhöhe bietet einen hervorragenden Blick bis in die Chiemgauer Alpen. Zudem fürchten die Bürger den Gestank. Ursula Schmidt-Hoensdorf von der Isener Bürgerinitiative gegen Schweinemastbetrieb: "Die Geruchsbelästigung wäre für den halben Ort enorm.“

    Bauer gibt auf und pachtet Stall mit weniger Platzangebot

    "Ich packe das nervlich nicht mehr“, erzählt Schweiger. Ein Rechtsanwalt, der viele Landwirte mit ähnlichen Problemen vor Gericht vertritt, habe ihn gewarnt: Selbst wenn er den Neubau gerichtlich durchsetzen könne – der Streit mit den Anwohnern würde bleiben. Diese dauerhafte Belastung möchte er sich, seiner Frau und seinen zwei Kindern ersparen. Jetzt hat er neue Pläne: Er pachtet einen schon bestehenden Stall im Nachbardorf und baut diesen um. Dort bekommen die Schweine zwar weniger Platz als im angedachten "Tierwohl-Stall“ am Stadtrand von Isen, sagt Schweiger, aber die Anwohner kämen besser mit der Situation zurecht.

    Mehr zum Thema "Der Streit um das Wohl der Tiere" erfahren sie in STATIONEN am Mittwoch, den 11. November um 19 Uhr, im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.

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