BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Bürgerfragen an Söder: "Warum fährt der ÖPNV noch?" | BR24

© BR

Was kann der Staat, was kann jeder einzelne tun, damit wir in der Corona-Krise bestehen? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Huml haben sich den Fragen der BAYERN 1 Hörer gestellt. Hier der erste Teil des Gesprächs.

39
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bürgerfragen an Söder: "Warum fährt der ÖPNV noch?"

Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus steht das öffentliche Leben in Bayern kurz vor dem Stillstand. Auf Bayern1 haben sich Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml den Sorgen der Zuhörer gestellt.

39
Per Mail sharen

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bleibt dabei: "Es gibt keinen Anlass zur Panik. Aber zu hoher Besorgnis." Der für den Freistaat ausgerufene Katastrophenfall und die damit verbundenen Einschnitte ins öffentliche Leben, mit denen die bayerische Staatsregierung dem Bund am Montagmorgen vorausgegangen ist, seien das einzige Mittel, um das Schlimmste zu verhindern: "Dass wir entscheiden, wer lebensfähig sein soll und wer nicht. Wer hat mehr Perspektiven zu leben?", sagte Söder im Gespräch mit Bayern1-Moderator Marcus Fahn am Dienstagmorgen.

Der CSU-Vorsitzende bezog sich damit auf die Situation in Italien. Dort hat sich das Coronavirus so rasant verbreitet, dass nicht jeder Infizierte in den Krankenhäusern gerettet werden kann. "Die einzige Chance, dem Ganzen zu begegnen, ist die Verbreitung zu verlangsamen", betonte Söder. Daher müsse das öffentliche Leben bis auf Weiteres auf Sparflamme laufen.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

30.000 Euro Soforthilfe kann noch diese Woche beantragt werden

Es gebe aber keinen Grund zu Hamsterkäufen: Die öffentliche Versorgung bleibe weiterhin gewahrt, dafür blieben auch die Grenzen zu den Nachbarländern für Waren- und Güterlieferungen offen. "Wir verlängern auch die Öffnungszeiten, um zu entzerren", sagte Söder. So wolle man Stoßzeiten und Massenansammlungen in Supermärkten vermeiden. Die Mitarbeiter in Lebensmittelbetrieben gehören zu den sogenannten "systemrelevanten Berufen", die nun Konjunktur haben. "Natürlich müssen wir jetzt auch überlegen, wie man die im Supermarkt besser schützen kann", sagte der Ministerpräsident.

Auf die Sorge vieler Selbstständiger und Freiberufler verwies Söder derweil auf die beschlossene Soforthilfe, die bislang nur Bayern gewähre. Noch im Laufe dieser Woche könnten sich Kleinunternehmer, Kulturschaffende oder Gastronomen mit einem "einfachen Formular" an die Behörden wenden, um bis zu 30.000 Euro Soforthilfe zu beantragen. "Geschenk ist es nicht, es ist Unterstützung", sagte Söder. Es sei vergleichbar mit den Soforthilfen, die Bayern bei den Flut- und Hochwasserschäden gewährte. Betroffene, denen die Pleite drohe, müssten nun lediglich nachweisen, "dass es wegen Corona ist".

Corona-Tests vorerst nur für Menschen mit Symptomen

Angesichts der Sorge vieler Menschen, die sich zur Absicherung gerne prophylaktisch auf Corona testen lassen wollen, bat Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) um Zurückhaltung. "Wenn wir unsere Laborkapazitäten für Menschen nutzen, die vielleicht aus verständlichen Gründen verunsichert sind, haben wir keine Möglichkeit, die zu testen, die symptomatisch sind." Gleichzeitig arbeite man daran, die Laborkapazitäten auszubauen. Auch die Ausstattung der Krankenhäuser wolle man weiter mit Masken und Atemgeräten aufrüsten und Reha- oder gar Schönheitskliniken für mögliche Coronabehandlungen umrüsten.

Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

Gleichzeitig kritisierte Söder einen medizinischen Konkurrenzkampf der Staaten untereinander. Manche arbeiteten "mit unglaublich unfairen Mitteln"; etwa, dass die Amerikaner "Forscher wegkaufen" wollten. "Das werden wir unterbinden. Wir brauchen jetzt unsere eigenen Kapazitäten", sagte der Ministerpräsident. Innerhalb von Europa warnte er vor einem eigennützigen Run auf medizinische Hilfsmittel. "Wenn wir da Hamsterstrukturen zwischen den Ländern entwickeln, dann hat die europäische Idee einen großen Schaden erlitten." Da sei auch der Bund gefragt, den medizinischen Warenverkehr innerhalb von Europa zu organisieren.

"Das öffentliche Leben muss funktionieren"

Für den Freistaat seien vorerst keine weiteren Einschnitte geplant. Post- und Paketdienste könnten weiter ausliefern, auch der öffentliche Nahverkehr müsse nicht zum Erliegen kommen - auch wenn es für viele unverständlich sei, dass selbst kleinere Versammlungen verboten werden, Menschenansammlungen im Nahverkehr aber weiter stattfinden könnten. "Das öffentliche Leben muss funktionieren, sonst wird die Bereitschaft mitzumachen, zusammenbrechen", erklärte Söder.

An Ausgangssperren denke er aktuell nicht, weil er die Hoffnung habe, dass die aktuellen Einschränkungen ausreichen, um die Corona-Infektionen einzudämmen. Aber: "Wenn sie nicht wirken, kann keiner ausschließen, dass es nicht weitere Maßnahmen geben wird."

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!