In Oberfahlheim sprechen sich viele für einen Erhalt der Grundschule aus (Protestaktion im Juli 2021).

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Bürgerentscheid über Schule: Drogeriekönig verspricht Million

Bürgerentscheid über Schule: Drogeriekönig verspricht Million

Noch hat der Nersinger Gemeindeteil Oberfahlheim eine eigene Grundschule. In der Ortschaft wünschen sich viele, dass sich daran nichts ändert. Unterstützung dafür kommt auch vom "Drogeriekönig" Erwin Müller. Heute findet ein Bürgerentscheid statt.

Seit eineinhalb Jahren gibt es in Nersingen eine Debatte darüber, wie es mit der Grundschule in Oberfahlheim weitergehen soll. Denn das Schulhaus müsste für viel Geld saniert werden. Die Schulleitung selbst setzt sich für ein anderes Konzept ein. Die Schüler müssten dafür aber in die Grundschule im Hauptort wechseln.

Bürgerinitiative kritisiert längeren Schulweg nach Nersingen

Mit Transparenten sind die die Befürworter der Grundschule in Oberfahlheim vor rund einem Jahr durch den Ort gezogen, um eine Schließung zu verhindern. Sie gründeten eine Bürgerinitiative und argumentieren unter anderem mit dem Schulweg, der deutlich länger ausfallen würde: zur Grundschule in den Hauptort Nersingen wären es rund drei Kilometer. Die Initiative befürchtet zudem, dass das Dorf ohne die Grundschule an Attraktivität verlieren könnte und dass gerade auch junge Familien nicht mehr in den Ort ziehen werden.

Drogeriekönig Müller verspricht Millionenspende für Schule

Mit dem Drogerieunternehmer Erwin Müller haben die Befürworter der Schule einen namhaften Unterstützer. Er war selbst Schüler im Nachbardorf Unterfahlheim und eröffnete dort 1953 sein erstes Friseurgeschäft. Diese Heimatverbundenheit will sich Müller etwas kosten lassen. Er sagte zunächst eine Spende von 700.000 Euro zu, sollte die Schule erhalten bleiben und erhöhte die Summe kürzlich auf eine Million Euro. "Das Dorfleben würde mit Sicherheit darunter leiden, wenn die Schule schließt", sagt der Unternehmer.

Schulleitung befürwortet Schließung

Die Schulleitung in Oberfahlheim dagegen befürwortet die Auflösung der eigenen Schule und einer Erweiterung der Grundschule in Nersingen. Die Rektorin plant moderne pädagogische Konzepte und will Schüler klassenübergreifend in Gruppen mit stärkeren und schwächeren Kindern gezielt fördern. Diejenigen, die für eine Schließung der Grundschule in Oberfahlheim und für eine Zusammenlegung plädieren, warnen zudem vor den hohen Kosten der Sanierung. Sie könnten sich trotz der Spende von Erwin Müller auf zwei bis drei Millionen Euro für die Gemeinde belaufen, hinzu kommen die Kosten für den laufenden Betrieb. Gemeinderäte der SPD und der CSU haben vor kurzem eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Im Hinblick auf andere Haushaltsposten wie Feuerwehr oder Kindergärten seien hohe Ausgaben in finanziell klammen Zeiten nicht vertretbar, so die Argumentation.

Mehrere Jahre bis zur Erweiterung der Grundschule in Nersingen

Der Streit um die Schule hat die Gemeinde ein Stück weit gespalten. Gegner und Befürworter hatten sich zuletzt vorgeworfen, mit falschen Fakten zu argumentieren. Während die Bürgerinitiative sich von der Gemeinde schlecht informiert fühlt, spricht die Gegenseite von "Einschüchterungsversuchen". Ein möglicher Umzug der Schule würde in rund fünf bis sieben Jahren anstehen – so lange würde es dauern, bis die Erweiterung in Nersingen fertig wäre. Am Sonntag können die rund 7.000 Wahlberechtigten der Gemeinde abstimmen. Noch am Abend soll das Ergebnis des Bürgerentscheids feststehen. Mindestens 20 Prozent müssen ihre Stimme abgeben, sonst ist der Bürgerentscheid ungültig.

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