Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen: Abriss oder Sanierung? | BR24

© Martin Breitkopf

Bagger vor dem Kongresshaus

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen: Abriss oder Sanierung?

Das Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen war Dreh- und Angelpunkt für die Olympischen Winterspiele 1936 und viele Weltmeisterschaften. Es ist Treffpunkt für Konzerte und Ausstellungen. Jetzt entscheiden die Bürger, ob es abgerissen werden soll.

Per Mail sharen

Das Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen war Dreh- und Angelpunkt für die Olympischen Winterspiele 1936 oder die Skiweltmeisterschaften, aber auch Treffpunkt von weltweiten Kongressen und Konzerthighlights. Jahrelang schon wird über die Zukunft des Hauses gestritten. Am Sonntag (26.05.) entscheiden die Bürger, ob das altehrwürdige Gebäude saniert oder doch lieber abgerissen und neugebaut werden soll.

"Wir haben den Bagger als Symbol für den Abriss auf unserem Flyer drauf. Als ich heute morgen hierher fuhr, habe ich gedacht, es geht schon los." Christoph Elschenbroich von der Bürgerinitiative - Rettet das Kongresshaus

Bagger steht, weil eine Fluchttreppe eingebaut werden muss

Kein Abriss vor dem Bürgerentscheid, sondern eine bauliche Maßnahme ist der Grund. Denn eine Fluchttreppe muss kurzfristig gebaut werden, sonst hätten die Behörden einen Teil vom Kongresshaus geschlossen. Im gesamten Gebäude ist der Brandschutz ein großes Problem, auch im Richard-Strauß-Konzertsaal. Eigentlich hätten hier 500 Menschen Platz, doch aus Brandschutzgründen dürfen deutlich weniger Besucher hinein. Der Grund ist eine viel zu kleine Fluchttür, erklärt Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer:

"Solange die so klein ist, so schmal ist, dürfen hier nur 200 Leute rein. Wenn es mehr sein sollen, dann brauchen wir die Feuerwehr mit einem Löschzug. Die steht dann draußen auf dem Parkplatz mit sechs Mann." Sigrid Meierhofer, Bürgermeisterin Garmisch-Partenkirchen (SPD)

Größtes Kongresshaus im bayerischen Alpenraum

Das Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen ist verschachtelt und groß. Es ist das größte im bayerischen Alpenraum. Doch an allen Ecken und Enden gibt es Probleme: nicht energieeffizient, zu viele Treppen, über eine Million Euro Defizit pro Jahr.

Als dann auch noch für die Sanierungskosten über 32 Millionen einkalkuliert wurden, stimmte der Marktgemeinderat lieber für einen Neubau. Auch die Bürgermeisterin überzeugt mittlerweile der Neubau mehr.

"Wenn wir so viel Geld ausgeben müssen für einen Kompromiss, der uns nicht wahnsinnig weiterhilft, dann sollten wir doch darüber nachdenken, ob wir nicht besser neu bauen, kleiner bauen, dafür effizienter und mit flexibler Raumaufteilung." Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer

Neubau des Kongresshauses soll kleiner ausfallen

Doch ein kleinerer Neubau bedeutet auch: Kleines Theater und Kunstbühne U1 fallen weg, und aus zwei Konzertsälen wird ein Multifunktionssaal. Für die Gegner wie Christoph Elschenbroich ist diese Planung ein Rückschritt:

"Den Kulturbetrieb schädigt sie wegen des eingeschränkten Betriebs. Den Kongressbetrieb schädigt es wegen der geringeren Ausstellungsfläche. Das ist für mich absolut hirnrissig, eine Verkleinerung der Ausstellungsfläche anzupeilen." Christoph Elschenbroich – Bürgerinitiative "Rettet das Kongresshaus"

Bürgerinitiative verweist auf gute Bausubstanz

Eigentlich ist die Bausubstanz ja noch gut, darum ist ein Abriss für die Bürgerinitiative ein Umwelt-Frevel.

"Mit ein Vorteil der Sanierung ist der Erhalt von Substanz und Material. Die sogenannte graue Energie, die darin besteht, dass verbautes Material in seiner Herstellung sehr viel Energie verbraucht, für Transport und Herstellung. Die wird beim Sanierungsmodell stark zurückgefahren." Christoph Elschenbroich

Sanierung und Neubau - beides soll um die 30 Millionen Euro kosten – darum wird der Bürgerentscheid am Sonntag zur Grundsatz-Entscheidung – soll der Bagger das alte Kongresshaus platt machen oder nicht?

© BR / Martin Breitkopf

Das Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen ist Thema eines Bürgerentscheids am Sonntag, den 26. Mai 2019