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Bildrechte: BR/Birgitt Roßhirt

In Nürnberg-Altenfurt sorgen sich Bürger um die 900 Jahre alte Rundkapelle, einen der ältesten Sakralbauten in der Metropolregion. Der katholische Pfarrer denkt über einen Verkauf nach. Manche nennen das einen "Skandal".

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Bürger wittern Skandal: Altenfurter Rundkapelle bald verkauft?

In Nürnberg-Altenfurt sorgen sich Bürger um die 900 Jahre alte Rundkapelle, einen der ältesten Sakralbauten in der Metropolregion. Der katholische Pfarrer denkt über einen Verkauf der historischen Kapelle nach. Für die Altenfurter ein Skandal.

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Von
  • Birgitt Rosshirt

Die romanische Rundkapelle an einer viel befahrenen Altenfurter Kreuzung ist ein historisches Kleinod und wird von den Altenfurtern in hohem Maße geschätzt. Ein möglicher Verkauf des Geländes hat deshalb für Aufruhr in der Bevölkerung gesorgt. Heute Nachmittag soll nun eine Mahnwache für den Erhalt der Rundkapelle abgehalten werden.

Rundkapelle als Gemeindemittelpunkt

Viele Bürger in Nürnberg-Altenfurt fürchten um ein 900 Jahre altes Baudenkmal mit Seltenheitswert. Etliche haben in der romanischen Rundkapelle ihre Kinder taufen lassen und fühlen sich persönlich zutiefst mit dem Sandsteinbau verbunden. Auf dem Gelände finden zudem verschiedene Veranstaltungen wie das Kapellenfest, abendliche Konzerte und das jährliche Johannisfeuer statt. Auch die jährliche Sebaldus-Wallfahrt wurde wiederbelebt. So entstand auf dem Grundstück rund um die Kapelle ein konfessionsübergreifender kultureller Treffpunkt für alle Gemeindemitglieder. Bürger haben vor etlichen Jahren sogar einen Verein gegründet, um den kleinen, aber historisch bedeutsamen Sakralbau und seine Kunstwerke zu erhalten: die "Freunde der Altenfurter Rundkapelle e.V."

Knapp zwei Millionen Euro für Sanierung fällig

Auf dem Rundkapellen-Gelände steht auch ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert. "Schlösschen" nennen es die Altenfurter liebevoll. Vorwiegend dient es heute als Wohnhaus. In einem Rokoko-Saal finden Zusammenkünfte und Feiern statt. Doch das Gebäude müsste saniert werden. Die erste grobe Kostenschätzung liegt nach Angaben des Kirchenpflegers Helmut Gierse bei bei 1,7 Millionen Euro. Geld, das die katholische Kirchenstiftung, der das Areal gehört, nicht ausgeben kann – oder will.

Aufschrei in der Bevölkerung

Für die Altenfurter Kirchenverwaltung war somit klar, dass das Herrenhaus nebst Grundstück verkauft werden soll. Es wurde mit einem Makler gesprochen und tatsächlich soll bereits ein Privatmann sein Kaufinteresse bekundet haben. Als der Pfarrer nach einem Gottesdienst diese Neuigkeit bekannt gibt, rollt eine Welle der Entrüstung los. Heute Nachmittag soll deswegen eine Mahnwache rund um das Grundstück abgehalten werden. Ein Verkauf mit unklarer Zukunft für die weitere Nutzung der Kapelle und des Grundstücks, kommt für viele Altenfurter nicht in Frage.

Schwieriges Ringen um Konfliktlösung

Um die Wogen zu glätten, hat der Pfarrgemeinderat Altenfurt nun einen Sachausschuss einberufen. Hier sollen alle Varianten für die Zukunft des Areals ausgelotet werden. Nach einem Dringlichkeitsantrag der CSU ist man auch im Nürnberger Rathaus auf das Problem aufmerksam geworden.

"Wir wollen vor Ort für mehr Klarheit sorgen. Die Stadt möchte, dass das Areal für die Bevölkerung und örtlichen Vereine erhalten bleibt. Das Bürgeramt-Ost in Fischbach hat nun den Auftrag, die Möglichkeiten zu klären." Andreas Krieglstein, CSU Fraktionsvorsitzender

Aber auch die Finanzmittel der Stadt sind klamm. Eine einfache Lösung ist deshalb nicht in Sicht. Beruhigen kann die Altenfurter momentan nur der Hinweis von Kirchenpfleger Helmut Gierse, der auch im Sachausschuss sitzt: "Noch ist nichts entschieden."

Eine wechselvolle Geschichte

Die kleine Kapelle ist ein Rundbau mit einem Durchmesser von nicht einmal sechs Metern. Der Bau stammt etwa aus dem Jahr 1150 und ist damit eine der ältesten Sakralbauten der Metropolregion. Es geht sogar die Legende, der romanische Rundbau ginge auf Karl den Großen zurück. Belegen lässt sich das jedoch nicht. Ab 1264 war das Nürnberger Egidienkloster der Eigentümer der Rundkapelle. Nach der Reformation diente das Gebäude auch als Lager und Stall, erlebte in Privatbesitz eine wechselvolle Geschichte. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Kapelle von der katholischen Kirchenstiftung übernommen und neu geweiht. Heute ist das Gebäude mit bauhistorischem Seltenheitswert der Stolz der Bürger im Stadtteil Altenfurt.

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