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Bürger und Bauern im Dialog: Sachliche Diskussion um Tierschutz | BR24

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Sind Nutztierhaltung und Tierschutz ein Widerspruch? Um diese Frage ging es bei einer Podiumsdiskussion in Kempten, zu der der Bauernverband nach den Schlagzeilen um den Tierschutzskandal von Bad Grönenbach eingeladen hat.

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Bürger und Bauern im Dialog: Sachliche Diskussion um Tierschutz

Widersprechen sich Nutztierhaltung und Tierschutz ? Das war Thema einer Podiumsdiskussion in Kempten. Eingeladen hatte der Bauernverband. Das Ziel: Eine Versachlichung der aufgeheizten Debatte, vor allem nach dem Tierskandal von Bad Grönenbach.

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Am Dienstagabend hatte der Bauernverband in Kempten Bürger und Landwirte zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Nutztierhaltung und Tierschutz: Widerspruch oder Selbstverständlichkeit?" geladen. Nach dem Tierskandal von Bad Grönenbach sollte die aufgeheizte Debatte rund um den Tierschutz beruhigt werden. Und tatsächlich: Ruhig, sachlich und nur wenig kontrovers war die Diskussion.

Sind Tierschutz und Nutztierhaltung eine Selbstverständlichkeit?

Das lag sicher auch daran, dass von den rund 200 Zuhörern der größte Teil Landwirte waren. Aber auch auf dem Podium mit Vertretern von Landwirtschaft, Molkereien, Tiermedizin und Tierschutz waren sich alle schnell einig: Tierschutz muss in der Nutztierhaltung eine Selbstverständlichkeit sein.

Deutscher Tierschutzbund: Kleine Betriebe fördern

Johanna Ecker-Schotte vom Deutschen Tierschutzbund fordert angesichts des Tierskandals von Bad Grönebach: Man müsse wegkommen von den Großbetrieben in der Tierhaltung. "Wir müssen das System wieder runterfahren und kleine und mittlere Betriebe fördern und halten. Wenn die Höfe alle sterben, haben wir nur noch große Höfe und das kann es nicht das Ziel sein. Für den Tierschutz sowieso nicht."

Bauernverband sieht Landwirte als Buhmänner

Alfred Enderle, schwäbischer Bezirkspräsident beim Bauernverband, sieht die Bauern in der laufenden Diskussion als Buhmänner. Vieles werde vereinfacht dargestellt und die Bauern für viele Probleme allein verantwortlich gemacht. "Das nagt an unseren Bauernfamilien und da besteht wirklich Redebedarf", sagte Enderle.

Viele Verbraucher wüssten heute viel zu wenig über die Landwirtschaft und deshalb müssten die Bauern selbst auch Aufklärungsarbeit leisten: "Wir haben die Aufgabe, die wahren Verhältnisse darzustellen, damit da wieder eine sachliche Diskussion in Gang kommen kann", erklärte Enderle.

Tierärzte bemängeln Kontrollsystem

Siegfried Moder, Präsident des Bundesverbands praktizierender Tierärzte, sagte, er würde der Tierhaltung in Bayern grundsätzlich ein gutes Zeugnis ausstellen. Allerdings gebe es immer noch viele Tiere, bei denen die Gesundheit nicht in Ordnung sei. Für den Tierarzt ist klar: Das Kontrollsystem funktioniert nicht. Statt Momentaufnahmen fordert er, die Entwicklung auf den Höfen kontinuierlich zu beobachten.

Landwirtschaft steht weiterhin vor Problemen

Die gut zweistündige Diskussion in Kempten zeigte auch die Vielschichtigkeit der Probleme in der Landwirtschaft: Neben Tierschutz, fehlenden Kontrollen und schwierigen gesetzlichen Rahmenbedingungen kamen auch immer wieder die niedrigen Milchpreise, das Kaufverhalten der Verbraucher und ein fehlendes Verständnis für die Landwirtschaft zur Sprache.

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Widersprechen sich Nutztierhaltung und Tierschutz? Das war Thema einer Podiumsdiskussion in Kempten. Eingeladen hatte der Bauernverband. Das Ziel: Eine Versachlichung der aufgeheizten Debatte, vor allem nach dem Tierskandal von Bad Grönenbach.