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Bürger demonstrieren gegen Overtourism am Walchensee | BR24

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Vielen Menschen am Walchensee reicht es mit dem sogenannten "Overtourism". An schönen Tagen kommen bis zu 20.000 Erholungssuchende in den kleinen Ort. Zur Veranstaltung kamen erheblich mehr Bürgerinnen und Bürger als erwartet.

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Bürger demonstrieren gegen Overtourism am Walchensee

Die Bewohner der Gemeinde Walchensee fordern Konzepte gegen den starken Straßenverkehr und den Massentourismus in der Gegend. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben am Sonntag etwa 150 Menschen demonstriert.

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Viele Orte in Oberbayern klagen über eine hohe Verkehrsbelastung durch Autos. Nirgends ist sie statistisch höher als in der Ortschaft Walchensee am gleichnamigen See. Am Sonntag ist ein Großteil der Einwohner deshalb mit Transparenten zum Demonstrieren über die Durchgangsstraße, die Bundesstraße 11 gezogen.

"Walchensee ich kann nicht mehr"

250 Einwohner, 600 Parkplätze im Ort und 400 Wildparker im Gemeindebereich – an einem durchschnittlichen Wochenendtag. Das sind die nackten Zahlen, die zur ersten Demo geführt haben, die knapp 150 Einwohner von Walchensee auf die Straße gebracht haben.

„Walchensee, ich kann nicht mehr – viel zu viel Verkehr“ skandierten die Demonstranten durch alle Altersgruppen. Die meisten von Ihnen waren noch nie vorher auf einer Demo. Ihnen stinkt die Verkehrsbelastung, der Lärm der Motorräder, der Müll durch die Tagesgäste und fehlende Toiletten. Die Demonstranten wollen aufrütteln, bevor der Ort im November nach der Bade- und Wander-Saison wieder in den Winterschlaf verfällt.

Forderung: Mehr Respekt gegenüber den Einheimischen und besseren öffentlichen Nahverkehr

Bürgermeister Thomas Holz fordert einen besseren öffentlichen Nahverkehr an den Wochenenden, zum Beispiel durch Verstärkerbusse in den Sommermonaten. Die Initiatoren der Demonstration wollen die öffentliche Diskussion wach halten und fordern mehr Respekt gegenüber den Einheimischen der 250 Einwohner-Gemeinde.

Ab tausend Fahrzeugen soll die Mautstraße gesperrt werden

Mit Blick auf die Situation am Südufer des Walchensees fordert Frank Sommerschuh, ein Sprecher der Initiative, eine Sperrung der Mautstraße ab 1.000 Fahrzeugen. Eine offizielle Verkehrszählung wird derzeit vom Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen auf den Weg gebracht. Nach Schätzungen besuchen an einem sonnigen Herbsttag bis zu 20.000 Touristen mit über 6.000 Fahrzeugen die Wander- und Freizeitregion Walchensee.

Innenstaatssekretär Eck hat sich die Sorgen angehört

Diese Woche haben der Landrat und die Bürgermeister von Kochel und der Jachenau gemeinsam mit Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) Ideen ausgetauscht. Der Ort und die Erholungsregionen am See bräuchten mehr Parkplätze und öffentliche Toiletten. Die Rettungswege würden zugeparkt und der Ort leide unter einem zunehmenden Müll-Problem durch die Tagesgäste.

Walchensee-Anwohner verweisen auf Tirol als Vorbild

Tiroler Gemeinden machen vor, wie es geht – sagen die Initiatoren der Demo. In Leutasch beispielsweise gäbe es vernünftige Parkgebühren und genügend öffentliche Toiletten.