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Bürger bangen um Krankenhäuser auf dem Land | BR24

© picture alliance/dpa/Nicolas Armer

Hersbruck: Blick auf das geschlossene Krankenhaus.

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    Bürger bangen um Krankenhäuser auf dem Land

    Kleine Kliniken auf dem Land schließen - auch in Bayern. Ist die medizinische Versorgung in Gefahr? Eine fränkische Initiative kämpft mit einer Petition um den Erhalt kleiner Krankenhäuser. Ihr Ziel, 50.000 Unterstützer zu finden, hat sie erreicht.

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    Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes ist die Zahl der Krankenhäuser in Bayern zwischen den Jahren 2000 und 2017 um rund ein Achtel gesunken, von 406 auf 354. Auch die Zahl der Betten ist geschrumpft: von 83.484 auf 76.265.

    Gleichzeitig behandeln die Kliniken mehr Fälle: Deren Zahl stieg von rund 2,7 Millionen im Jahr 2000 auf knapp drei Millionen im Jahr 2017.

    Verschiedene Zählweisen

    Das bayerische Gesundheitsministerium hat allerdings eine andere Zählweise als das Landesamt für Statistik. Nach den Daten des Ministeriums ist die Zahl der Krankenhäuser in Bayern von 2010 bis 2019 spürbar gestiegen: von 389 auf 414.

    Der Unterschied zur Auflistung des Statistischen Landesamtes lässt sich unter anderem damit erklären, dass das Ministerium in seiner Zählung Krankenhäuser aus dem psychiatrischen und psychosomatischen Bereich stärker berücksichtigt. Dort sei die Versorgung "deutlich ausgebaut" worden, heißt es aus dem Ministerium. Die Kapazitäten bei der Versorgung rein körperlicher Krankheiten sei hingegen "moderat abgebaut" worden. Aus dem Ministerium heißt es deshalb: Unterm Strich sei es "nicht gerechtfertigt, von einem Krankenhaussterben zu sprechen".

    "Bayern steht für eine flächendeckende und qualitativ hochwertige stationäre Versorgung – von der wohnortnahen Grundversorgung bis zur Spitzenmedizin in größeren Zentren. Wir haben in Bayern mit 414 zugelassenen Krankenhäusern eine dichte Krankenhausstruktur." Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU)

    Sorgen im ländlichen Raum

    Die Einschätzungen des Ministeriums zerstreuen aber nicht die Sorgen von Initiativen quer durch Bayern, die davor warnen, dass die Versorgung in Gefahr sei - wie etwa die Online-Petition "Stoppt das Krankenhaussterben im ländlichen Raum". Die Initiative, die im mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber gestartet wurde, hat ihr Ziel erreicht, 50.000 Unterstützer zu finden.

    In den nächsten zwei bis drei Wochen werde man die Petition beim Petitionsausschuss des deutschen Bundestages einreichen, erklärte Initiator Rainer Hoffmann. "Außerdem wollen wir uns um einen Termin beim Gesundheitsminister bemühen", sagte Hoffmann weiter.

    Auch Klaus Emmerich, Klinik-Manager aus Amberg-Sulzbach, sieht die Versorgung in etlichen Teilen Bayerns in Gefahr. Es gebe geradezu eine Welle von Schließungen, beklagt er.

    "Aktuell scheint die Lage zu kollabieren: Hersbruck, Waldsassen, Vohenstrauß, Parsberg – das ist alles relativ nahe beieinander." Klaus Emmerich, Vorstand Kommunalunternehmen Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach

    Qualität durch Größe?

    Gleichzeitig halten viele Gesundheitsökonomen die Krankenhaus-Struktur in Deutschland - und auch in Bayern - für ineffizient. Vor allem in Ballungsräumen gebe es zum Teil weit mehr Klinik-Standorte als für die Versorgung der Bevölkerung sinnvoll sei, heißt es in einer Studie, die die Bertelsmann-Stiftung im Sommer veröffentlicht hat.

    Auch aus dem Lager der gesetzlichen Krankenkassen kommt die Forderung, Krankenhäuser sollten sich auf bestimmte Eingriffe stärker spezialisieren. Es gehe zwar nicht darum, "wahllos Krankenhäuser zu schließen", sagt etwa die Vorständin des bayerischen Landesverbands der Betriebskrankenkassen, Sigrid König. Es gebe aber bundesweit "tausende vermeidbare Todesfälle und Fehlbehandlungen", weil Kliniken Eingriffe vornehmen, bei denen sie keine ausreichende Erfahrung haben.

    "Durch Erfahrungsmangel oder weil aus Kapazitäts- und anderen Gründen die von den Fachgesellschaften empfohlenen Mindestmengen, etwa bei der Behandlung eines Herzinfarktes, nicht eingehalten werden können, sterben unnötig Menschen." Sigrid König, Vorständin BKK-Landesverband Bayern

    Förderung für ländliche Kliniken

    Gesundheitspolitiker auf Bundes- und Landesebene betonen dabei, sie wollten eine wohnortnahe Versorgung aufrechterhalten, auch durch Fördergelder. So fließt durch eine Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums kommendes Jahr ein sogenannter Sicherstellungszuschlag von jeweils 400.000 Euro an bundesweit 120 Krankenhäuser, 15 davon in Bayern.

    "Ziel ist, einen nachhaltig tragfähigen Kompromiss zu finden zwischen höchstmöglicher medizinischer Leistungsfähigkeit einerseits und größtmöglicher Wohnortnähe andererseits." Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU)