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Büchereien und Corona: was (nicht) in die Tüte kommt | BR24

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Bildrechte: dpa

Büchereibesucherin mit Schutzmaske: Ein Bild aus Sachsen-Anhalt

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    Büchereien und Corona: was (nicht) in die Tüte kommt

    Staatliche Bibliotheken sind in Bayern wieder geöffnet, städtische Büchereien noch nicht: ein Widerspruch, den manche kommunale Einrichtungen nicht akzeptieren wollen. Die Bücherei Penzberg wehrt sich mit einer cleveren Idee - und einem Helfer.

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    Von
    • David Friedman

    Die staatlichen Bibliotheken sind – mit Einschränkungen - schon geöffnet. Weil sie mit ihrer wissenschaftlichen Literatur "systemrelevant" sind. Also wichtig für Studierende und Forscher. Das gilt aber nicht für die städtischen und kommunalen Büchereien. Die bayerische Regierung versteht sie als Freizeiteinrichtungen – und somit als "nicht systemrelevant". Dieser Einschätzung widersetzten sich allerdings einige kommunale Büchereien. So zum Beispiel in Penzberg im Landkreis Weilheim-Schongau.

    Bürokratische Spitzfindigkeiten legen Stadtbibliothek lahm

    Ganz legal und ohne Hindernisse konnten die Penzberger noch bis vor kurzem in ihrer Bücherei die gewünschte Medien bestellen. Per Online oder per Telefon. Die Mitarbeiter haben die Filme, Spiele und Bücher dann in Papiertüten gepackt und auf die Kundschaft gewartet, bis sie vorbeikommt- ohne persönlichen Kontakt, wie Fügener betont.

    "Natürlich nur dann, wenn die Leute sowieso zum Einkaufen und zum Arzt unterwegs waren. Darauf haben wir auch immer drauf hingewiesen." Bibliothekleiterin Katrin Fügener

    Und dann lässt die Regierung von Oberbayern zusperren

    Das ging solange gut, bis die Regierung von Oberbayern drauf gekommen ist, dass das nicht geht. Weil ja nicht-staatliche Bibliotheken gar nicht aufhaben dürfen. Und – Achtung, Spitzfindigkeit - "Bücher in Tüten packen und vor die Tür stellen" sei ja doch so gut wie "offen haben". Das wäre das Aus gewesen für die kontaktlose Ausleihe der Stadtbibliothek.

    Klamotten anprobieren ja - Buchtüten abholen nein

    Fügener fehlt dafür das Verständnis:

    "Vor allen Dingen dann letzte Woche, als wir gesehen haben, dass hier genau gegenüber im Bekleidungsgeschäft die Menschen Pullover anprobieren und dann keine Tüte mitnehmen dürfen, die bei uns vor der Tür stehen. Das war für mich schwer nachvollziehbar. Wir hatten wirklich entsetzte Leser am Telefon, per Mail, und dann auch Kinder, die geweint haben, weil die sich gefreut auf neue Sachen hatten."

    Auftritt eines Retters

    Der Geschäftsführer des benachbarten Kaufhauses Rid eilte zu Hilfe. Florian Lipp bietet an, die Bücher-Tüten aus der Bibliothek in seinem Kaufhaus bereit zu stellen. Seine Beweggründe?

    "Also ehrlich gesagt, weil ich nicht verstehe, was diese Regelung soll. Es wäre wahnsinns-wichtig für wahnsinns-viele Leute, dass sie Bücher abholen dürfen. Es hat nicht jeder so viel Geld, dass er sich es leisten kann, dass er immer die Bücher bei uns kauft. Darum find ich es fair, dass man anbietet, dass man diese ausleihen kann.“ Rid-Geschäftsführer Florian Lipp

    Das Kaufhaus Rid darf "geöffnet" sein - und somit auch als Depot für bestellte Bibliotheksbücher genutzt werden. Da wird eine bürokratische Spitzfindigkeit mit einer wirtschaftlichen Spitzfindigkeit außer Kraft gesetzt.

    Rückkehr zur Normalität

    In der kommenden Woche wird wieder dann wieder alles ganz anders. Ab Montag dürfen wieder alle Stadtbüchereien öffnen. Mit den üblichen Einschränkungen hygienischer Art. Also, mit den Abstandsregeln, den Plexiglasscheiben, den Selbst-Einbuchungen der Medien und mit dem obligatorischen Mundschutz. Trotz aller Einschränkungen freut sich Bibliotheksmitarbeiter Jan Heinemeyer "unbandig" auf die Kundschaft:

    "Sechs Wochen ohne Kundenverkehr. Es fehlt, das merkt man ganz stark auch in der Arbeit. Es ist einfach ruhig. In die Bücherei gehört Leben.“ Bibliotheksmitarbeiter Jan Heinemeyer