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Corona in Tirschenreuth: "So etwas will ich nie wieder erleben" | BR24

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Wie ist die Lage im ersten bayerischen Corona-Hotspot Tirschenreuth? Ein Ortsbesuch.

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Corona in Tirschenreuth: "So etwas will ich nie wieder erleben"

130 Todesfälle, viele Infizierte und eine Ausgangssperre - im Landkreis Tirschenreuth sind die Erinnerungen an den Corona-Frühling noch immer bedrückend. Mit Sorge schaut man auf die steigenden Infektionszahlen. Der Respekt vor dem Virus ist groß.

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Maskenpflicht, Abstand halten, Hände waschen - obwohl die Zahlen in Bayern gerade wieder steigen, fühlen sich viele Menschen von den Corona-Maßnahmen eingeschränkt. Im Landkreis Tirschenreuth, im Frühjahr der erste Hotspot Bayerns, blicken die Menschen besorgt auf die aktuelle Entwicklung. Rollt die zweite Welle bereits? Wie schlimm wird es?

Zwar liegt im Landkreis der 7-Tage-Inzidenz-Wert mit 29 noch unter der Frühwarnstufe. Im Sommer war der Wert wochenlang bei null - aktuell steigen die Fallzahlen aber auch hier wieder an. In Tirschenreuth sind die Erinnerungen an den Frühling 2020 mit mehr als 130 Todesfällen noch sehr präsent.

Corona war Katastrophe für Landkreis Tirschenreuth

Man spürt, dass hier tatsächlich fast alle auf unterschiedliche Art und Weise mit Corona in Berührung gekommen sind. In Tirschenreuth herrscht daher großer Respekt vor dem Virus.

"Es war eine Katastrophe - gespenstisch. So etwas will ich nie wieder erleben." Passant in Tirschenreuth

Die Schwiegertochter habe Corona von der Arbeit mitgebracht, erzählt eine Frau. "Dann war die ganze Familie vier Wochen in Quarantäne. Wir durften die Kinder nicht besuchen." Aber es sei glimpflich ausgegangen.

"Abstand und Maske ist das Einzige was hilft - Abstand und Maske." Mann in Tirschenreuth

Landrat: "Die Menschen haben daraus gelernt"

Es ist jetzt ein halbes Jahr her, dass über die Nachbar-Stadt Mitterteich eine strenge Ausgangssperre verhängt wurde. Es war die erste in ganz Deutschland, der Lockdown folgte ein paar Tage darauf. Für Landrat Roland Grillmeier (CSU) haben die Menschen daraus gelernt, weil sie viele Corona-Fälle unter den eigenen Verwandten und Bekannten hatten.

"Wenn man jemanden kennt, der infiziert ist oder vielleicht sogar verstorben ist, dann ist man einfach vorsichtig, dann hält man sich mehr an Regeln." Landrat Roland Grillmeier (CSU)

Mehr Ärzte und mehr Personal fürs Gesundheitsamt

Der Landkreis habe aber auch profitiert, sagt Grillmeier. So wurde das Gesundheitsamt mit 15 Leuten aufgestockt und es wurden drei neue Ärzte eingestellt. Die Erfahrungen der Tirschenreuther vom Frühjahr helfen jetzt bei der Bewältigung der momentanen Lage. Trotzdem schaut der Landrat mit Sorge auf die wieder steigenden Zahlen und appelliert an die Menschen, sich an die Abstand–Hygiene-Alltagsmaske-Regeln zu halten.

Unter den Einwohnern von Tirschenreuth stößt er damit auf Verständnis. "Maske und Abstand - es hilft ja nichts. Anders geht’s nicht", sagt eine Frau: "Wir denken immer, alle sind gesund. Aber das ist nicht so. Es ist vielleicht auch mal einer dabei, der gar nicht weiß, dass er krank ist."

Die Menschen in Tirschenreuth sind vorsichtig. Sie meiden Ansammlungen und halten Abstand. "Wir gehen dann halt lieber in die Natur", sagt eine Frau auf dem Marktplatz. Einkaufen sei auch schwierig, was schade sei für die Geschäfte: "Aber lieber so und gesund."

Neue mobile Teststation für Pendler aus Tschechien

Die Infektionsherde schnell aufspüren und Infektionsketten schnell unterbrechen, das hat der Landkreis aus dem ersten Lockdown gelernt. Es wird viel getestet. Nachdem Tschechien Risikogebiet geworden ist, nutzt der Landkreis seit dieser Woche eine mobile Teststation, um die 2.500 Arbeitspendler aus Tschechien zu testen, die täglich in die Oberpfalz zum Arbeiten kommen.

"Wir sind ein gebranntes Kind und wollen alles tun, damit es nicht wieder zu einer Situation wie im März/April kommt", sagt David Runschke, der das mobile Testzentrum für den Landkreis koordiniert. Knapp 250 Menschen haben sich in dieser Woche schon an der mobilen Station testen lassen. Bis Mitte Oktober soll sie im Landkreis bleiben. 

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