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IT-Experten gesucht: Firmen gehen ungewöhnliche Wege | BR24

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Die Produktion in bayerischen Fabriken wird immer mehr digitalisiert. Neben den Maschinenbauern und Schraubern braucht man also IT-Fachleute. Aber genau die fehlen. Und zwar mittlerweile um die 50.000 Experten alleine im Freistaat Bayern.

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IT-Experten gesucht: Firmen gehen ungewöhnliche Wege

Der Autozulieferer Dräxlmaier mit Sitz in Vilsbiburg eröffnet in München neue Büros für IT-Experten. Denn aufs Land wollen die Fachleute nicht. Auch andere Unternehmen haben Probleme, hochqualifiziertes Personal zu finden - und werden kreativ.

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Vilsbiburg ist eine Kleinstadt im niederbayerischen Landkreis Landshut mit rund 12.000 Einwohnern. Doch für IT-Experten scheint das Städtchen wenig attraktiv zu sein. Jedenfalls gelingt es dem größten Arbeitgeber vor Ort bisher nicht, hier ausreichend Informatiker einzustellen.

"Vilsbiburg ist eine wunderschöne Gegend, wo man gut leben kann, wo man vernünftige Lebenshaltungskosten hat. Aber es ist einfach nun mal Tatsache, dass viele Experten einfach lieber in der Stadt arbeiten." Konrad Wiethaler, Leiter SAP-Projekt bei Dräxlmaier

Die Lösung: IT-Experten in die Stadt locken

In Garching bei München hat das Unternehmen bereits Büros in direkter Nachbarschaft zur Technischen Universität angemietet. Rund 60 junge IT-Experten arbeiten hier und entwickeln unter anderem Software für Elektrofahrzeuge. Viele von ihnen haben an der TU München studiert und wollen die Stadt nicht gegen einen Arbeitsplatz auf dem Land eintauschen.

"Für mich ist es sehr schwierig vorstellbar, raus aufs Land zu ziehen. Ich brauche einfach die Großstadt um mich herum." Tobias Müller, IT-Experte am Dräxlmaier Campus

Um kurzfristig mehr Informatiker und Spezialisten für Software beschäftigen zu können, will Dräxlmaier in einigen Monaten auch Büros in einem der Türme der Münchner Highlight-Towers beziehen.

Die Alternative: Eigene Mitarbeiter jahrelang weiterbilden

Während in München und anderen Großstädten IT-Experten von Firmen gelockt und umworben werden, fehlen in strukturschwächeren Gegenden Bayerns ausreichend geeignete Kandidaten. Erfolgreiche Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, müssen sich häufig in Geduld üben. Viele junge Talente würden ihre ersten beruflichen Karriereschritte in Großkonzernen wie BMW oder Siemens gehen, erklärt Sebastian Guggenmos vom Mittelständler Kern Microtechnik mit Sitz in Murnau und Eschenlohe.

"Wir erreichen solche Experten meist erst in einer späteren Lebensphase. Wenn sie Familie gründen oder aufs Land ziehen wollen, um ihre Kinder da aufwachsen zu sehen." Sebastian Guggenmos, Geschäftsführer der Kern Microtechnik GmbH

Um im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter mithalten zu können, setzt das Werkzeugbauunternehmen Kern Microtechnik unter anderem auf die interne Weiterbildung seiner Mitarbeiter zu IT-Experten. Dieser Weg beginnt zunächst mit einer Ausbildung und führt bei entsprechendem Talent und Interesse bis zu einem IT-Fachstudium. Nach Angaben von Geschäftsführer Sebastian Guggenmos finanziert und begleitet das Unternehmen diese Weiterqualifizierung. Dafür braucht es jedoch einen langen Atem. Kern Microtechnik investiert zwischen drei und vier Jahre lang in seine Mitarbeiter.

Aber: IT-Experten nicht um jeden Preis

Im Wettbewerb um IT-Experten haben vor allem mittelständische Unternehmen auf dem Land das Nachsehen. Finden sich keine geeigneten Experten, kann es zu Engpässen bei der Umsetzung von Projekten kommen - oder zu einer unverhältnismäßig steigenden Arbeitsbelastung für das bestehende Personal. Und wenn sich geeignete Kandidaten finden lassen, sind deren Gehaltsvorstellungen manchmal so hoch, dass die Firmen sie sich nicht leisten können.

"In manchen IT-Bereichen wie bei SAP-Experten überbieten sich die Unternehmen gegenseitig, um überhaupt noch Fachleute zu bekommen. Wenn unser Gehaltsgefüge aus dem Lot käme, dann müssten wir auch auf eine Zusammenarbeit verzichten. Es gibt immer andere Unternehmen, die mehr zahlen können und werden." Markus Rauch, Leiter IT der Netzsch Group

Markus Rauch, der die IT des Maschinenbauunternehmens Netzsch in Selb leitet, bleibt trotzdem zuversichtlich. Unternehmen wie Siemens, Allianz oder BMW seien im Wettbewerb um Talente zwar fast immer einen Schritt voraus. Doch von Zeit zu Zeit gelinge es, Mitarbeiter von anderen Unternehmen abzuwerben.

© Walter Kittel/BR

Der Autozulieferer Dräxlmaier mit Sitz in Vilsbiburg eröffnet in München neue Büros für IT-Experten. Denn aufs Land wollen die Fachleute nicht. Auch andere Unternehmen haben Probleme, hochqualifiziertes Personal zu finden. Und werden kreativ.