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Brüssel: Erlanger EU-Abgeordnete erlebt Rassismus durch Polizei | BR24

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Die Erlanger EU-Abgeordnete Pierrette Herzberger-Fofana wirft belgischen Polizeibeamten einen rassistischen Übergriff vor. Im EU-Parlament machte den Vorfall öffentlich. Im Interview erzählt sie von der Kontrolle in Brüssel.

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Brüssel: Erlanger EU-Abgeordnete erlebt Rassismus durch Polizei

Die Erlanger EU-Abgeordnete Herzberger-Fofana wirft belgischen Polizeibeamten einen rassistischen Übergriff vor. Im EU-Parlament machte sie den Vorfall öffentlich. Im Interview mit der Bayern 2-regionalZeit erzählt sie von der Kontrolle in Brüssel.

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Im EU-Parlament standen am Mittwochnachmittag die Themen Diskriminierung und Rassismus auf der Tagesordnung. In der Sitzung prangerte die aus Erlangen stammende EU-Abgeordnete der Grünen, Pierrette Herzberger-Fofana, dann einen rassistischen Übergriff durch belgische Polizeibeamte an.

Die 71-Jährige, die an der Uni Erlangen-Nürnberg promoviert hat, saß 15 Jahre für die Grünen im Erlanger Stadtrat. Im Gespräch mit der Bayern 2-regionalZeit sprach sie über den Vorfall in Brüssel.

Frau Herzberger-Fofana, was haben Sie in Brüssel erlebt?

Ich kam Dienstagnachmittag mit dem Zug aus Erlangen in Brüssel an. Am Bahnhof sah ich neun Polizisten, die zwei junge schwarze Männer belästigten. Ich schoss ein Foto, was legal ist. Die Beamten haben das gesehen, kamen dann zu neunt auf mich zu und entwendeten sofort mein Handy. Daraufhin verlangten sie meine Ausweisdokumente. Ich zeigte Ihnen vier verschiedene, inklusive meinen Abgeordnetenausweis. Aber sie glaubten mir trotz meinem Abgeordnetenausweises nicht, dass ich Europaabgeordnete bin und befahlen mir, die Arme zu heben und drückten mich dann zu viert an die Wand. Und erst als der Fahrer des Parlaments kam und intervenierte, ließen sie von mir ab.

Wie hat sich denn die Polizei nach Ihrer Rede dazu verhalten?

Also die Polizei leugnet ihr Vorgehen. Sie behauptet beispielsweise, ich habe mich geweigert, meine Ausweisdokumente zu zeigen, was ich nicht der Wahrheit entspricht. Ich habe doch vier Dokumente gezeigt. Diese Strategie der Polizei ist einfach inakzeptabel, Fehlverhalten irgendwie zu rechtfertigen, anstatt sich zu entschuldigen.

Wie haben Ihre Kolleginnen und Kollegen im Parlament reagiert, als Sie das gestern angesprochen haben?

Ich habe sehr, sehr viel Unterstützung und Zuspruch von allen Kollegen parteiübergreifend bekommen. Das hat mich auch sehr gerührt.

Wie ist das in Ihrem Alltag im EU-Parlament, fühlen Sie sich da akzeptiert als schwarze Abgeordnete?

Ja, ohne Wenn und Aber. Ich bin von meinen Kollegen und Kolleginnen voll akzeptiert. Ich habe Ihre Unterstützung. Ich kann mich auf sie auch hundert Prozent verlassen. Ich muss aber leider sagen, dass ich Rassismus auch im Europaparlament erlebe. Ich werde beispielsweise sehr oft für eine Reinigungskraft gehalten. Einmal wurde mir gesagt, da wollte ich ins Restaurant gehen, da wurde mir gesagt, ich hätte keinen Zutritt zum Abgeordneten-Restaurant, weil ich mir das doch eh nicht leisten könne.

Wie sind denn ihre diesbezüglichen Erfahrungen eigentlich in Erlangen, wo sie Stadträtin waren? Haben Sie da ähnliche Erfahrungen gemacht?

Leider ja, ich habe auch in Erlangen rassistische Erfahrungen gemacht. Aber Erlangen ist erstmal eine offene Stadt, offen aus Tradition. Ich habe in Erlangen sehr viel Positives erlebt. Zum Beispiel haben wir dort die internationalen Wochen gegen Rassismus. Ich habe in Erlangen die Möglichkeit gehabt, aus meiner Schule eine Schule ohne Rassismus zu machen.

Derzeit wird nicht nur im EU-Parlament über Rassismus diskutiert. Was meinen Sie, wo sollte die Politik am dringendsten ansetzen?

Polizeischulungen sind beispielsweise ein Anfang, aber das ist nicht die Antwort. Die EU und ihre nationalen Regierungen müssen endlich Rassismus und Polizeigewalt als Problem anerkennen und nicht als Einzelfälle abtun. Und dann muss vor allem die Kolonialgeschichte Europas ehrlich aufgearbeitet werden, um zu verstehen, dass struktureller Rassismus ein Erbe dieser Zeit ist.

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