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Brückenbauer und CSU-Vordenker - Alois Glück wird 80 | BR24

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Der frühere CSU-Politiker Alois Glück wird heute 80 Jahre alt.

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Brückenbauer und CSU-Vordenker - Alois Glück wird 80

Vom bayerischen CSU-Politiker zum Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken - heute feiert Alois Glück seinen 80. Geburtstag. 38 Jahre lang saß er im Bayerischen Landtag und moderierte zuletzt den Runden Tisch Artenschutz. Ein Porträt.

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Alois Glück stammt aus einem kleinen oberbayerischen Bauernhof in Hörzing im Landkreis Traunstein. Geprägt von der reformorientierten katholischen Landjugendbewegung der 60er-Jahre schaffte er es 1970 für die CSU in den Bayerischen Landtag. Sein Motto: ein Leben lang neugierig sein, und mit der Bereitschaft zum Lernen höhere Bildungsabschlüsse auszugleichen.

Soziale Prägung durch behinderte Familienmitglieder

Der gelernte Landwirt und Agrarjournalist kümmerte sich im Landtag Anfangs ums Soziale - schließlich saß seine Schwester, nachdem sie an Kinderlähmung erkrankt war, im Rollstuhl, sein Sohn Thomas ist schwerstbehindert. Gerade das habe ihn "stark geprägt und gegen das Vordergründige des öffentlichen Lebens immunisiert", so Glück im Bayerischen Rundfunk. Durch diese Erfahrungen bekomme "das Leben eine andere Balance".

Andere Meinungen respektieren und Lösungen suchen

Sein familiärer Hintergrund erklärt, warum Alois Glück trotz aller Durchsetzungsfähigkeit und seinen Karrieren in CSU, Landtag und katholischer Laienbewegung nie als skrupellos oder machtgierig galt. Der jetzige CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner war 18 Jahre lang Glücks engster Mitarbeiter als Büroleiter in der CSU-Fraktion und im Landtagspräsidium. Für Steiner zeichne Glück vor allem aus, dass er andere Meinungen respektiere, auf Menschen zugehe und als "Brückenbauer" immer Lösungen gefunden habe. Nicht umsonst habe er auf Wunsch von Ministerpräsident Markus Söder 2019 den Runden Tisch zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" moderiert.

CSU-Generalsekretär Blume: Glück ist "zeitloser Vordenker"

Dort vertrauten ihm Bauernverband und Grüne gleichermaßen – schließlich war Glück einst Vorsitzender des Umweltausschusses und Umweltstaatssekretär. Sein Appell: man müsse die Natur und ihre Zusammenhänge verstehen und lernen sie nicht mehr nur zu konsumieren.

CSU-Generalsekretär Markus Blume weiß deshalb genau, was CSU und Staatsregierung Alois Glück verdanken – wie etwa im Sommer 2019, bei der relativ reibungslosen Annahme der Artenschutzgesetze durch den Bayerischen Landtag. Für Blume ist Glück auch mit 80 immer noch "ein zeitloser Vordenker". Die CSU sei froh, ihn in ihren Reihen zu haben.

Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner würdigte Glück als "moralische Instanz". Er habe insbesondere die Umwelt- und Sozialpolitik im Freistaat über Jahrzehnte geprägt. Nie sei es ihm darum gegangen, sich als Person in die erste Reihe zu drängen. Glücks "große Stärke" sei es, den besten Kompromiss zu erzielen.

Sein Geheimnis als Vermittler? "Bevor man sich in Verhandlungen begibt, sollte man sich in Gedanken auf den Stuhl des anderen setzen", fasst Glück seine Strategie zusammen. Zudem sei es wichtig, auch Andersdenkenden in Gesprächen Raum zu geben und ihnen zuzuhören. "Ich stelle fest, dass alle wesentlichen Einsichten und Entscheidungen in meinem Leben mit anderen Menschen zu tun haben", betont er.

Machtpolitiker und guter Zuhörer

Neben seiner Rolle als sozialer Reformer und Brückenbauer war Alois Glück aber auch immer Machtpolitiker. Als langjähriger Vorsitzender des größten CSU-Bezirksverbandes Oberbayern und Fraktionschef verhalf er etwa Edmund Stoiber gegen Theo Waigel ins Ministerpräsidentenamt. Im Landtag organisierte er die absolute CSU-Mehrheit. Margarete Bause, seine damalige Gegenspielerin von den Grünen, sieht in Glück deshalb "eine spannende Mischung aus bayerischer Hinterfotzigkeit, Einsichtsfähigkeit und Vordenken." Wenn es nötig gewesen sei, habe er sehr wohl alle Register gezogen, um sein Ziel zu erreichen – abseits der Bühne des Landtagsplenums sei Glück aber immer ansprechbar gewesen und zudem ein guter Zuhörer.

Statt Ruhestand: Präsident der katholischen Laien

2003 wechselte Glück vom Amt des CSU-Fraktionschefs bis 2008 auf den Sessel des Bayerischen Landtagspräsidenten. Aber schon ein Jahr später war sein Vorruhestand vorbei. Der gelernte Landwirt ließ sich 2009 zum Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) wählen. Dem Laiengremium hatte er bereits seit 1983 angehört. Sechs Jahr lang beschäftigte er sich dort bis 2015 mit der zunehmend kritischen Kirchenbasis und dem Missbrauchsskandal. Der Politiker habe es verstanden, "der krisengeschüttelten Kirche eine glaubwürdige Stimme zu geben, ohne je unangemessen zuzuspitzen oder zu polarisieren," so ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Auch für andere Organisationen setzte sich Glück ein: Etwa für die bayerische Bergwacht, die ihm ein modernes Trainingszentrum in Bad Tölz verdankt. Aber Daumen drehen sei eben einfach nicht seine Welt, hatte Glück einmal im BR gesagt. Davon würde er eher krank und nur in die Berge gehen, könne man auch nicht. Deshalb habe auch dieses Ehrenamt für ihn "gepasst". "Ich schaue mit großer Dankbarkeit zurück", hatte Glück vor wenigen Tagen anlässlich seines bevorstehenden 80. Geburtstags gesagt. "Ich trauere nichts nach und habe immer das mir mögliche getan."

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