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Britische Corona-Mutante im Großraum Nürnberg auf dem Vormarsch | BR24

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Im Großraum Nürnberg breitet sich die britische Variante des Coronavirus immer stärker aus.

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    Britische Corona-Mutante im Großraum Nürnberg auf dem Vormarsch

    Seit Tagen steigt im Großraum Nürnberg die Zahl der Infektionen. Vor allem die britische Variante des Coronavirus breitet sich immer schneller aus. Die Kliniken rechnen deshalb bald mit mehr Covid-19-Patienten.

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    Von
    • Karin Goeckel

    Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Region steigt. In Fürth ist sie schon seit bald einer Woche über 100, Nürnberg folgte am Freitag (12.03.21). Beide Städte mussten die Corona-Regeln wieder verschärfen. Auch in den Städten und Landkreisen um Nürnberg und Fürth herum nimmt die Zahl der Neuinfektionen zu.

    Schuld daran ist vor allem die britische Variante des Coronavirus, die Mutante B.1.1.7. Sie breitet sich rasant aus. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) hat Nürnberg heute (15.03.21) eine Sieben-Tage-Inzidenz von 116,1, Fürth meldet eine Inzidenz von 119,1. Das RKI stellte schon Anfang März fest, dass die britische Variante in 46 Prozent aller positiven Proben bundesweit nachgewiesen werden konnte.

    Nürnberg: Immer mehr Infektionen mit britischer Mutation

    In Nürnberg haben sich aktuell 35 Prozent der Menschen in Quarantäne mit einer Corona-Mutation angesteckt, die meisten mit der britischen Variante. Seit dem Auftreten von Mutationen in Franken seien das insgesamt 900 Fälle gewesen, sagt Nürnbergs Gesundheitsreferentin Britta Walthelm (Grüne). "Es war in den letzten Wochen und Tagen eine steigende Tendenz", so Walthelm.

    Auch für die nächste Zeit rechnet sie mit mehr Ansteckungen durch die britische Variante. "Die Fallzahlen werden steigen, da sind wir ganz im Bayern- und Bundestrend". Darauf, dass in Nürnberg mehr Tests durchgeführt werden, sei die Ausbreitung von B.1.1.7 nicht zurückzuführen, meint die Gesundheitsreferentin. Zwar werde mehr getestet, es gebe aber auch mehr Menschen mit eindeutigen Symptomen.

    Auch im Klinikum Nürnberg steigt Zahl der Infizierten

    Das Klinikum Nürnberg testet seit mehreren Wochen alle Patientinnen und Patienten mit positivem Corona-Test auch auf Virusvarianten. Der Befund ist eindeutig: Die britische Mutante breitet sich immer weiter aus. Derzeit seien 83 Patienten mit Covid-19 am Klinikum in Behandlung, erklärt Jörg Steinmann, Chefarzt des Instituts für Klinikhygiene am Klinikum Nürnberg. Bei knapp 30 Prozent sei eine Virusvariante festgestellt worden, fast immer handele es sich um die britische Variante. Der Anteil sei vor allem in der vergangenen Woche stetig angestiegen, so Steinmann.

    Klinikum Fürth rechnet mit steigenden Patientenzahlen

    Am Klinikum Fürth sind derzeit lediglich 17 Covid-19-Patienten in Behandlung – noch, sagt Pressesprecherin Carmen Brückner. Sie rechnet damit, dass die steigenden Infektionszahlen in Stadt und Landkreis Fürth bald im Klinikum ankommen. "Wir spüren das immer mit etwa zwei Wochen Verzögerung", so Brückner. Von den 17 Patienten seien 13 mit der britischen Variante des Coronavirus infiziert. In der Stadt Fürth steigt der Anteil seit Tagen. Aktuell sind nach Angaben des Landratsamtes Fürth, das die Zahlen für die Stadt und den Landkreis erhebt, 103 Menschen in Fürth mit B.1.1.7 infiziert, das sind 36 Prozent der Neuinfektionen.

    Virologe: Britische Mutation wird sich durchsetzen

    Auch am Universitätsklinikum Erlangen ist B.1.1.7 auf dem Vormarsch. Aktuell würden 14 Covid-19-Patienten auf Normalstation und 13 auf der Intensivstation behandelt, erklärt Virologe Armin Enßer. Knapp die Hälfte hätten sich mit der britischen Variante des Coronavirus infiziert. Der Mediziner rechnet damit, dass sich die Mutation durchsetzt und sich bald alle Covid-19-Patienten mit dem britischen Virus infizieren, einfach, weil diese Mutante ansteckender ist. Wenn ein Infizierter durchschnittlich drei andere Menschen anstecke, sei das Verhältnis bei der britischen Variante bei 1:4.

    Hygiene und Abstand bei britischer Variante noch wichtiger

    Leider gebe es auch Berichte darüber, dass Menschen, die sich mit der britischen Variante angesteckt haben, sehr schwere Krankheitsverläufe hätten, berichtet Virologe Enßer. Deshalb sei es wichtig, dass die Menschen weiterhin die Hygiene- und Abstandsregeln einhielten. Und sein Kollege vom Nürnberger Klinikum, Jörg Steinmann, ergänzt: "Und es gilt auch weiterhin: Ungeschützte Kontakte müssen auf ein Minimum reduziert werden.“

    Deutschlands Intensivärzte fordern Rückkehr in den Lockdown

    Deutschlands Intensivärzte gehen einen Schritt weiter. Der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, forderte heute angesichts steigender Infektionen eine sofortige Rückkehr in den Lockdown. Ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin macht vor allem die Ausbreitung der britischen Variante große Sorgen.

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