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Premierministerin Theresa May bei ihrer Rede vor dem britischen Parlament
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Anne-Lena Schug
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Premierministerin Theresa May bei ihrer Rede vor dem britischen Parlament

Nach der gestrigen Brexit-Abstimmung fordern die ostbayerischen IHKs in Regensburg und Passau endlich Klarheit. "Das Kernproblem ist, dass man nicht weiß, was das Unterhaus will. Dabei brauchen die hiesigen Firmen endlich Planungssicherheit. Das ist ein großes Problem. Es herrscht eine große Unsicherheit bei den Unternehmen", so Peter Sonnleitner, Bereichsleiter International bei der IHK Niederbayern.

Chance auf Verbleib Großbritanniens in der EU?

Das Unterhaus in London hatte zuerst den Brexit-Deal und dann einen EU-Austritt ohne Abkommen abgelehnt. Aus der Sicht von Peter Sonnleitner zeige die Ablehnung des derzeitigen Brexit-Deals, dass das Unterhaus sich bessere Bedingungen gewünscht hätte und dass ein Brexit noch nicht in Stein gemeißelt sei. Es bestünde immer noch die Chance auf ein neuerliches Referendum und damit auf den Verbleib Großbritanniens in der EU. Das würden sich die meisten Firmen in der Region wünschen. Denn die Auswirkungen eines Brexits würden viele hiesige Betriebe treffen, fürchtet Sonnleitner. Kaum ein Wirtschaftsbereich bliebe ausgeklammert. Schon jetzt werden Investments in Großbritannien überdacht, stellt er fest.

Auswirkungen eines Brexit für rund 500 niederbayerische Betriebe

Sonnleitner begrüßt, dass sich das Unterhaus immerhin gegen einen Austritt ohne Abkommen ausgesprochen hat. Ohne ein Austrittsabkommen zwischen der EU und Großbritannien drohten das Ende des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs und weitere Zölle. Etwa 500 niederbayerische Betriebe stehen in Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien, 60 haben dort sogar eine eigene Niederlassung.

Alle Branchen wären betroffen

Als starker Automobilstandort ist Niederbayern besonders betroffen: Der deutschen Automobilindustrie insgesamt drohen pro Jahr zwei Milliarden Euro an zusätzlichen Zöllen bei einem hartem Brexit. Aber auch aus anderen Branchen kommen viele kleine und mittelständische Unternehmen, die bisher in Großbritannien aktiv sind.

Oberpfälzer Unternehmen fordern Klarheit

Nach jeder Abstimmung im britischen Unterhaus müsse man feststellen, dass immer noch nichts sicher sei. Von Abstimmung zu Abstimmung bleibe die Unsicherheit, so Markus Huber, Außenwirtschaftsexperte der IHK Regensburg. Immerhin wissen die ostbayerischen Unternehmen jetzt, dass die britischen Abgeordneten einen harten Brexit ablehnen. Trotzdem bliebe das Dilemma, dass sie sich nicht auf einen Deal einigen könnten. Bei den Betrieben in der Oberpfalz würde deswegen zwar keine Panik ausbrechen, dennoch würden sie sich auf verschiedene Szenarien einstellen und Investitionen in Großbritannien erstmal zurückhalten, so Huber.

Am Abend: Abstimmung über Fristverlängerung für den Brexit

Heute Abend sollen die Abgeordneten über eine Fristverlängerung abstimmen. Voraussetzung dafür ist aber, dass alle 27 übrigen Mitgliedstaaten dem zustimmen. Großbritannien will die Europäische Union eigentlich am 29. März verlassen.