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Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger in der "Münchner Runde" im BR Fernsehen.
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Christine Memminger
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Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger in der "Münchner Runde" im BR Fernsehen.

Die Zeit bis zum geplanten Brexit-Termin am 29. März läuft und bayerische Unternehmen versuchen, sich bestmöglich vorzubereiten. Für Bayerns Wirtschaft ist Großbritannien einer der wichtigsten Handelspartner, vor allem für die Automobilindustrie und deren Zulieferer. Die Schäden seien schon jetzt greifbar, sagt der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in der „Münchner Runde“. Die Politik Großbritanniens sei eine "Hängepartie" und verunsichere Investoren. "Bayerns Wirtschaft hat Gottseidank einen sehr starken Mittelstand, der Krisen gewohnt und krisenerprobt ist. (…) Die bayerische Industrie wird das überleben, aber sie wird Schrammen davontragen."

Er selbst würde derzeit als Unternehmer nicht in Großbritannien investieren, so Aiwanger. Allerdings hofften viele auf Steuersenkungen nach dem Brexit, das könnte den britischen Standort wieder attraktiver machen. "Darunter leidet ja Deutschland. Dass wir Hochsteuerland sind mittlerweile. Wenn die mit Niedrigsteuerland winken, kann es durchaus sein, dass sie sich damit einen Vorteil herausholen."

Worst-Case-Szenario: 1,4 Milliarden Euro Schaden

Ein harter Brexit würde die Wirtschaftsleistung Bayerns langfristig um etwa 1,4 Milliarden Euro pro Jahr mindern. Das hat eine Studie des Münchner ifo Instituts im Auftrag der IHK München und Oberbayern ergeben. Gabriel Felbermayr ist einer der Autoren der Studie und sagt in der "Münchner Runde", dass bei diesem Szenario der "Faktor Unsicherheit" noch gar nicht mit eingerechnet ist. "Keiner weiß, was ein harter Brexit sein soll am Ende. Bedeutet das, dass neue Zölle zu zahlen sein werden, Produktzulassungen, Schikanen an den Grenzen? Das kann man ja fast nicht glauben. In einem solchen Worst-Case-Szenario käme es zu 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro Schaden für die Bayerische Wirtschaft."

Mittelstand fürchtet hohen Bürokratieaufwand

Vor allem kleinere Unternehmen, die auf den Handel innerhalb der EU spezialisiert sind, bekämen die Folgen zu spüren. Es gebe im Moment "keine schlaflosen Nächte", sei aber "schwierig", meint Eberhard Sasse, Präsident der IHK München und Oberbayern. "Bayerische Familienunternehmen, Mittelständler sind einiges gewohnt, die werden das auch aushalten. Aber das kostet einen Haufen Geld. Das kostet Personalkapazität. Da müssen Millionen von Zollanmeldungen gemacht werden, Millionen von Ursprungszeugnissen ausgestellt werden." Er rechnet an einem Beispiel vor, was das bedeutet: Wenn ein Unternehmen 100 Sendungen nach Großbritannien verkauft, müsste allein für die Formalitäten eine 40-Stunden-Kraft angestellt werden. Auch die Wirtschaftsjournalistin Carolin Roth sieht die kleinen Unternehmen im Nachteil. "Die großen Dax-Unternehmen in Bayern haben natürlich Kapazitäten, sich auch auf einen harten Brexit vorzubereiten. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen haben gar nicht die Ressourcen und die Zeit dafür."

Aiwanger hofft auf Einigung und zweites Referendum

Im Falle eines harten Brexit würden die kleineren Unternehmen individuell betreut werden, verspricht Wirtschaftsminister Aiwanger in der Sendung. Allerdings geht er davon aus, dass die Briten "nicht so verrückt sind", es so weit kommen zu lassen. Er hofft auf eine Einigung in letzter Minute, bei der auch ein zweites Referendum möglich ist. Denn es gehe jetzt darum, die Briten "wieder zur Vernunft zu bringen", indem die EU auch Zugeständnisse macht. "Wir sollten in Vorleistung gehen. Wir sollten über unseren Schatten springen als Europäer und sagen: Liebe Briten, probieren wir es nochmal. Früher hätten solche Situationen zu Krieg geführt. (…) Diese Konfrontation ist in meinen Augen Gift. Wir müssen doch gemeinsam den Wirtschaftsraum und die EU zusammenhalten."

Auch Unternehmer Eberhard Sasse hofft auf eine Einigung. Er hat eine Firma mit neun Standorten und rund 1300 Mitarbeitern in Großbritannien. Die Briten seien eine "Spielernation", sagt er. Da sei eine Einigung in letzter Minute nach hartem Kampf sehr wahrscheinlich.