Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Brennpunkt Freibad: Gewalt beim Baden | BR24

© BR / Kontrovers 2019

War die Randale im Münchner Michaelibad nur eine Ausnahme oder ein Anzeichen für einen umsichgreifenden Sittenverfall. Muss die Polizei mehr Präsenz zeigen oder sind die Bäder in der Pflicht? Unterwegs im Freibad mit dem Sicherheitsdienst.

39
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Brennpunkt Freibad: Gewalt beim Baden

War die Randale im Münchner Michaelibad nur eine Ausnahme oder ein Anzeichen für Sittenverfall? Meldungen von Schlägereien häufen sich. Bademeister berichten von Respektlosigkeit. Was ist los in Bayerns Schwimmbädern?

39
Per Mail sharen
Teilen

Schlägereien in Bayerns Freibädern: Im Münchner Michaelibad gab es Mitte Juni eine Massenschlägerei mit 50 bis 100 Leuten. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung und Landfriedensbruch. Ähnliche Vorfälle gab es im Norden von München im Ungererbad. Auch in Abensberg eskalierte ein verbaler Streit in einer Schlägerei, einem 16-Jährigen wurde die Nase gebrochen. Sind Freibäder die neuen sozialen Brennpunkte?

"Beängstigend für Familien mit Kind"

Das Michaelibad in München. Vor wenigen Wochen prügelten sich hier dutzende junge Männer. Die Reporter sind an einem Dienstagnachmittag vor Ort - und schon nach 20 Minuten findet der erste Polizeieinsatz statt. Es stellt sich heraus, dass einige Jugendliche über den Zaun geklettert sind. Ein junger Mann wird zum Einsatzwagen gebracht, er hatte eigentlich Hausverbot. Der Abgeführte selbst erzählt, dass er wegen einer Schlägerei Hausverbot hatte. Er gibt zu:

"Ich habe einen gefotzt. Das ganze Becken war voller Blut. Der hat meine Freundin angemacht." Abgeführter Jugendlicher mit Hausverbot

Ein Fall von vielen. Badegäste äußern sich entsetzt über die Gewalt. Eine Frau findet: "Es ist schon beängstigend, vor allem für Familien mit kleinen Kindern, wenn man Schlägereien mitansehen muss." Ein älterer Mann ist der Meinung: "Das ist eigentlich schlimm. Da ist auch das Elternhaus schuld, wenn die sich so daneben benehmen."

Polizei kann nicht überall sein

Auch in Großstädten wie München kann aber die Polizei nicht überall sein. Peter Schall von der Gewerkschaft der Polizei Bayern erklärt gegenüber dem BR-Politikmagazin Kontrovers:

"Das ist nicht leistbar, das ist auch ein Massenproblem, dann haben wir plötzlich 30 gegen 40 unterschiedliche Landsleute, die sich da kloppen und das ist eigentlich unser Problem, weil dann eben geballte Heerscharen im Streit liegen." Peter Schall, Gewerkschaft der Polizei Bayern

Nürnberg, Westbad: An den Kassen sitzen viele Mitarbeiter, die in Sicherheitsfragen geschult sind und angetrunkene oder aggressive Besucher nicht reinlassen. Die Rundgänge von Security Mitarbeitern gibt es hier schon länger. Wer sich nicht an Regeln hält, bekommt Hausverbot. Aber selbst das beeindruckt nicht alle, so Bademeister Percy Kernchen:

"Wenn dann die Polizei da ist, ist es denen auch zum Teil egal. Die denken sich vermutlich: 'Die Polizei kann mir auch nichts.' Die sind dann auch der Polizei gegenüber respektlos." Bademeister Percy Kernchen, Westbad Nürnberg

Hausverbot für Jugendliche

Bis zu 8.000 Menschen sind in dem Nürnberger Bad. Leute, die Ärger machen, kann Kernchen nicht gebrauchen. "Wenn die nur auf Stress aus sind, nur um uns zu ärgern und die Laune zu vermiesen, dann haben wir das nicht gerne. Wir wollen auch Spaß bei der Arbeit."

Eine Gruppe von Jugendlichen taucht auf - sie ist dem Bademeister schon bekannt: Sie haben schon mehrfach Hausverbote bekommen. Einer von ihnen gibt zu: "Ich habe jemanden reingekickt. Haben Hausverbot bekommen. Wir wurden rausgeschmissen, weil wir ins Wasser gesprungen sind, also vom Beckenrand gesprungen sind, durften wir aber nicht. Und dann haben die uns rausgeschmissen und dann sind wir nochmal siebenmal hintereinander reingesprungen. Und danach haben wir halt Hausverbot für ein paar Tage bekommen. Ist halt lustig, mein Gott."

In Würzburg ist es eher friedlich

Dallenbergbad in Würzburg. Bademeister Andreas Oehrlein zeigt sich froh, sowas nur aus den Medien zu kennen. Bisher ist es in seinem Bad friedlich - mit ein paar Ausnahmen: "Okay dann gibt es halt einfach mal Rangeleien, vielleicht auch eine kleine Schlägerei - zwischen jungen Leuten in erster Linie - und da wird die Polizei gerufen, die regelt das ganze Gewehr bei Fuß."

Forscher: "Nicht nur an kulturellen Unterschieden festmachen"

Metropolenforscher Prof. Wolfgang Kaschuba von der Humboldt Universität Berlin mahnt im BR-Politikmagazin Kontrovers insgesamt klare Ansagen und Konsequenzen bei Fehlverhalten an. Einzelne, spezielle Nationalitäten als alleinige Problemgruppe anzusehen, hält er für unzureichend: "Wir haben die Situation in Großstädten, wo manchmal migrantische Gruppen Auslöser solcher Verunsicherungen und Ängste sind. Wir haben das aber auch an Dorfbadeseen. Also es wäre falsch, das an kulturellen Unterschieden fest zu machen. Das handelt sich in der Tat mehr um Rudelbildungen von jungen Männern - und die passieren eben, egal welcher Herkunft, doch relativ selten."

Doch wo Ordnungskräfte nicht mehr ernst genommen werden, wird es schwierig. Zurück am Münchner Michaelibad. Die Polizei setzt den jungen Mann, den sie wegen Hausverbotes nach draußen geführt und seine Personalien aufgenommen hatten, wieder auf freien Fuß. Dieser ruft den Beamten hinterher: "Das sind Hunde, Hurensöhne, die man abknallen soll."

Für Bademeister und Sicherheitsdienste wird es in den nächsten Wochen noch viel zu tun geben.