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Brenner-Nordzulauf: "Planungen nicht an Menschen vorbei" | BR24

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Bundesverkehrsminister Scheuer und die Deutsche Bahn haben fünf bevorzugte Grobtrassen für den Brenner-Nordzulauf vorgestellt. Laut DB sind drei mögliche Bahnstrecken westlich von Rosenheim und zwei Bahnstrecken östlich von Rosenheim im Rennen.

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Brenner-Nordzulauf: "Planungen nicht an Menschen vorbei"

Nach Präsentation der Trassenkonzepte für den Brenner-Nordzulauf gibt es Reaktionen aus der Politik und vom Bund Naturschutz. Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Inge Aures, fordert einen Ausbau der Zulaufstrecken.

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Die Deutsche Bahn hat am Montag in Sachen Brenner-Nordzulauf ihre reduzierte Trassenauswahl vorgestellt. Nun wird klarer, wo ungefähr eine neue Zugstrecke für den Eisenbahntransitverkehr gebaut werden könnte.

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Inge Aures, fordert einen Ausbau der Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel. Auch im Zuge einer Mobilitätswende müssten die Straßen entlastet und der Zugverkehr aufgewertet werden, so Aures. Besonderen Wert legt Inge Aures auf eine enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.

"Der Verkehrsminister darf seine Planungen nicht an den Menschen vorbei umsetzen." Inge Aures, verkehrspolitische Sprecherin SPD-Landtagsfraktion

Insbesondere die Bürgerinitiativen müssten in die Planungen einbezogen werden. Wichtig sei hierbei, bestmöglichen Lärmschutz zu berücksichtigen, so Aures.

Markus Büchler: "Scheuer fehlt der Mumm für klare Zusagen"

Die Landtags-Grünen haben von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer ein klares Konzept für den Brenner-Nordzulauf gefordert.

"Die CSU-Verkehrsminister haben viele Jahre vertrödelt und Deutschland beim Zulauf zum Brenner-Basistunnel mit ihrem Zaudern und Zögern gewaltig ins Hintertreffen gebracht", sagt Markus Büchler, verkehrspolitischer Sprecher der Landtags-Grünen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mangele es an "Mumm mit klaren Zusagen den Bürgerinnen und Bürgern entgegen zu kommen".

Die Landtags-Grünen verlangen insbesondere ein solides Gesamtkonzept für die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, für maximalen Lärmschutz, für großzügige Untertunnelung und einen Quantensprung im Schienennahverkehr für die Region Rosenheim.

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Wo verläuft die künftige Bahntrasse durch das bayerische Inntal? Verkehrsminister Andreas Scheuer will heute in Rosenheim fünf mögliche Trassenverläufe vorstellen.

BUND Naturschutz will weiterhin keine Neubautrasse

Der Bund Naturschutz hat erneut die Ablehnung einer Neubautrasse am Brennernordzulauf betont. Dafür gebe es keinen Bedarf. Vordringliches Ziel müsse sein, die bestehende zweigleisige Trasse höher auszulasten, sagte Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz.

"Bisher sehen wir auf der Bestandstrasse genügend Kapazitäten für eine Verkehrsverlagerung vom LKW auf die Schiene. Erst wenn ein tatsächlicher Bedarf nach einem zusätzlichen dritten und vierten Gleis nachgewiesen ist, kann über einen Neubau befunden werden." Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz

Der Landesvorstand des Bund Naturschutz hatte bereits im Vorjahr einen Beschluss verabschiedet, in dem er sich kritisch zur Alpentransitpolitik äußert und wirksame Maßnahmen hin zu einer verbindlichen Verkehrsvermeidungs- und Verkehrsverlagerungspolitik im Alpenraum fordert. Dazu zählen laut Bund Naturschutz auch die Einführung einer höheren Korridor-Maut an der Brenner-Achse sowie einer Alpentransitbörse, mit klaren Obergrenzen, um Mensch und Natur vor Lärm und Schadstoffen zu entlasten.

Das sind die möglichen Trassenverläufe des sogenannten Brenner-Nordzulaufs:

Laut DB-Pressemitteilung sind drei mögliche Bahnstrecken westlich von Rosenheim und zwei mögliche Bahnstrecken östlich von Rosenheim weiterhin im Rennen. Aufatmen können die Bürger im Rosenheimer Süden, da die Variante über die Panger Felder gestrichen wurde. Die zwei Varianten östlich von Rosenheim knüpfen bei Niederaudorf an die bestehende Strecke im Inntal an. Im Norden verbinden sich beide Trassen entweder bei Großkarolinenfeld oder bei Aubenhausen. Im Süden unterscheiden sich die möglichen Trassen durch die Tunnelanteile. Bei den drei Varianten westlich von Rosenheim gibt es südlich und nördlich jeweils mehrere Möglichkeiten für Verknüpfungsstellen mit der bestehenden Strecke.

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Mögliche Trassenverläufe des sogenannten Brenner-Nordzulaufs

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Mögliche Trassenverläufe des sogenannten Brenner-Nordzulaufs

Proteste in Rosenheim

Bundesverkehrsminister Scheuer sagte, es müsse den Anliegen in der Region Rechnung getragen werden. Die Kapazität der bestehenden Strecke reiche aber nach den Prognosen langfristig nicht aus. Es gehe auch darum, zur Erreichung von Klimazielen Güterverkehr auf die Schiene zu bringen und internationale Verpflichtungen zu erfüllen. Der Güterverkehr zwischen Nord und Süd sei nun einmal vorhanden. Und andernorts freuten sich Bürger über moderne Neubaustrecken.

In Rosenheim begrüßten hingegen Mitglieder der 17 Bürgerinitiativen den Minister in roten Warnwesten und mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert aus Trillerpfeifen. "Bestand modernisieren statt Heimat zerstören", war auf Transparenten zu lesen. Sie fürchten mehr Lärm und Naturzerstörung im engen Inntal und sprechen von einem Milliardengrab. Betroffen seien auch nicht nur Anwohner, sondern auch Bauern und Tourismus.

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Während Österreich schon baut, plant Deutschland noch. Sehr spät habe die Bundesregierung Geld für die Planung des Brenner-Zulaufs zur Verfügung gestellt, mein BR-Verkehrsexperte Storch. Österreich legt einfach mehr Wert auf einen Schienenausbau.