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21. Januar: Beim Besuch von Bundesverkehrsminister Scheuer in Rosenheim demonstrieren Gegner des Brenner-Nordzulaufs.
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Nathalie Stüben
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21. Januar: Beim Besuch von Bundesverkehrsminister Scheuer in Rosenheim demonstrieren Gegner des Brenner-Nordzulaufs.

Seit Monaten gehen die Gegner des Brenner-Nordzulaufs gegen die neue Bahnstrecke auf die Barrikaden. Vor allem ihretwegen kam im Januar Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach Rosenheim. Er sollte die Wogen glätten. Wirklich gelungen ist das nicht. Ganz im Gegenteil: Nun machen sich auch noch die Befürworter der Neubaustrecke Sorgen. Grund ist ein Ergebnis dieses Besuchs, die sogenannte 5+1-Lösung. BR-Reporterin Nathalie Stüben beantwortet die wichtigsten Fragen:

Was bedeutet "5+1"?

In Sachen 5: Momentan steht noch überhaupt nicht fest, wo diese neue Zugtrasse irgendwann einmal entlangführen könnte. Es gibt von der Bahn eine Karte mit dem dem aktuellen Stand. Diese Karte umfasst grob den Bereich zwischen Rosenheim und Kufstein. Dazwischen verlaufen rund 100 (!) mögliche Streckenvarianten. 5 bedeutet, dass die Bahn bis 1. Juli aus diesen über 100 Varianten fünf auswählt.

Für was steht "+1" bei der "5+1-Lösung"?

+1 bedeutet, dass die Deutsche Bahn noch einmal überprüft, wie viel Verkehr die Bestandsstrecke bewältigen kann. Da geht es also um die Frage, inwieweit man die bestehende 150 Jahre alte Bahnstrecke modernisieren kann. In diesem Zusammenhang überprüft die Bahn eben auch, ob man eventuell entlang der Bestandsstrecke ein drittes Gleis baut. Das ist ein Punkt, der die Menschen, die an dieser Bahnstrecke wohnen, nun aufwühlt. Metzgermeister Magnus Waller aus Oberaudorf beispielsweise wohnt nur 150 Meter von der Bestandsstrecke entfernt, ist alarmiert:

"Die Horrorvorstellung wäre ganz klar ein drittes Gleis oberirdisch. Das wäre ein absolutes No-Go. Das wäre das Schlechteste, was uns passieren könnte." Metzgermeister Magnus Waller aus Oberaudorf

Bislang waren vor allem die Bürger sehr präsent, die den Bau der Neubaustrecke unter allen Umständen verhindern wollen. Was sagt die Politik?

Die Gegner der Neubaustrecke sind der Ansicht, die Bestandsstrecke könne den zusätzlichen Zugverkehr bewältigen, der nach Eröffnung des Brenner-Basistunnels erwartet wird. Die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig erteilt solchen Hoffnungen jedoch jetzt schon einen Dämpfer.

Im Interview mit dem BR sagte sie: Dass die Bestandsstrecke nochmal genau unter die Lupe genommen werde, habe andere Gründe: Zum einen werde geschaut, wie der wachsende Verkehr auf der Bestandsstrecke abgewickelt werden könne, bis die neue Strecke gebaut ist. Das wird noch rund 20 Jahre dauern.

Zum anderen will sich die Politik hinterher nicht vorwerfen lassen, nicht alles genau untersucht zu haben. Da geht es dann natürlich auch darum, Material zu sammeln, das vor Gericht Bestand hat. Denn die Gegner werden vor Gericht ziehen. Davon können wir jetzt schon ausgehen.