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Der Braunkohleabbau hat rund um Wackersdorf Spuren hinterlassen. Am sogenannten Westfeld wurde die Grube des Tagebaus mit Abraum und Asche des Kohlekraftwerks Schwandorf aufgefüllt. Nun wird aus der Mondlandschaft langsam ein Biotop.

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Braunkohle-Altlasten: Aus Tagebau wird Naturlandschaft

Der Braunkohleabbau hat rund um Wackersdorf Spuren hinterlassen. Am sogenannten Westfeld wurde die Grube des Tagebaus mit Abraum und Asche des Kohlekraftwerks Schwandorf aufgefüllt. Nun wird aus der Mondlandschaft langsam ein Biotop.

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Von
  • Andreas Wenleder

Da, wo die Planierraupen und Kipper gerade noch arbeiten, erinnert noch nichts an blühende Landschaften. Die Erde im südlichen Teil des Westfelds bei Wackersdorf ist dunkel, fast schwarz. Dass hier einmal Braunkohle abgebaut wurde und tausende Kubikmeter Kraftwerksasche lagern, ist noch deutlich zu sehen.

Neuer Lebensraum mit menschlicher Hilfe

Einige hundert Meter weiter ein ganz anderes Bild: Grünes Gras wächst, wo einst das große Tagebauloch im Boden klaffte. Rehe laufen über die sanfte Hügellandschaft. Ein Hase ist zu sehen, Vögel steigen auf, wenn man sich den Flächen nähert.

Dieser Teil des etwa 80 Hektar großen Westfelds gehört bereits wieder der Natur. Selbst konnte sie die Landschaft aber nicht zurückerobern. Menschliche Helfer sind notwendig, damit hier ein neuer Lebensraum entstehen kann.

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Bereits gestaltetes Gelände im Bereich des Westfelds

Rekultivierung - die letzte große Aufgabe

Für die sogenannte "Rekultivierung" des Geländes ist die Firma Uniper verantwortlich, das Nachfolger-Unternehmen der einstigen Kraftwerks- und Bergbaubetreiber. Uniper muss jetzt Millionen ausgeben, damit die Wunden des Bergbaus beseitigt werden.

Die Rekultivierung sei die letzte Aufgabe des Bergmanns, sagt Andreas Stake, Projektleiter bei Uniper für das Westfeld und das Oberpfälzer Seenland. Zuerst werde die Kohle gefördert, dann werde der Tagebau verfüllt oder geflutet und dann rekultiviert.

Magerwiesen als Zuhause für Vögel

Im Westfeld wurde entschieden, dass hier kein Wald entstehen soll, sondern Magerwiesen. Diese Form der Landschaft ist selten geworden, genau wie die Tiere, die sie bevorzugen und zum Überleben brauchen. Dort, wo das Magergras bereits wächst, ist für diese Tiere neuer Lebensraum entstanden.

Vögel – vor allem sogenannte "Bodenbrüter" wie die Feldlerche – haben sich hier bereits niedergelassen. Ihre kleinen Eier sind in den Wiesen bereits wieder zu finden. Selbst die seltene Haselmaus ist hier wieder gesichtet worden.

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Großflächige Erdarbeiten im Westfeld.

Besonders im Fokus: der Wasserschutz

Wird das Westfeld am Ende also ein reines Natur-Idyll? Nicht ganz, denn natürlich schlummern unter der obersten Erdschicht noch immer die belasteten Reste der Kohlezeit in Wackersdorf.

Bei der Rekultivierung spielt deshalb das Wasser eine wichtige Rolle. Das Grundwasser unter der Abraum-Ascheschicht wird durch hartes Gestein natürlich geschützt. Der Regen, der oben auf die Magerwiesen fällt, wird durch künstliche Hügel zur Seite abgeleitet und dort gesammelt. Eine extra verdichtete Erdschicht unter den Wiesen verhindert, dass das Wasser in die belastete Ascheschicht gelangt. Das Wasser in dieser Schicht wird wiederum an einer tiefen Stelle separat gesammelt und zu einer Wiederaufbereitungsanlage gepumpt. So soll kein belastetes Wasser in die Umwelt gelangen können. Über 50 Millionen Euro muss Uniper für all diese Maßnahmen im Projekt insgesamt ausgeben.

Zukünftige Nutzung des Geländes ist noch offen

Ende 2022 sollen die Rekultivierungsmaßnahmen abgeschlossen werden. Neben den Bereichen für die Natur ist ein Teil als Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz vorgesehen. Doch die restliche Fläche könnte Platz für Naherholungsangebote, eine kulturelle Nutzung oder einen Erneuerbare-Energien-Park bieten, sagt Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter (CSU). "Wichtig ist, dass es von der Bevölkerung angenommen wird."

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