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Die Klausensaison im Allgäu hat begonnen.
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Anna Klein
Katharina Reichart
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Die Klausensaison im Allgäu hat begonnen.

Es sind heidnische Bräuche, die im Allgäu noch gepflegt werden: Bärbele-Laufen und Klausentreiben. Am Barbaratag, also am 4. Dezember, sind Frauen verkleidet als „alte Weiber“ unterwegs, in den Folgetagen dann als die furchterregenden Klausen.

Schellen und Rutenhiebe

Alle haben laute Schellen um und verteilen Rutenhiebe, um böse Geister und Dämonen auszutreiben. Nicht selten gibt das schmerzhafte Striemen für die Zuschauer. In letzter Zeit wurden deshalb immer wieder Bärbele, aber vor allem Klausen wegen Körperverletzung angezeigt.

Brauchtumsvereine bereiten sich vor

Deshalb müssen sich die Brauchtumsvereine inzwischen auf besondere Art und Weise auf die Traditionsveranstaltung vorbereiten. Jedes Jahr Anfang Dezember sind gut hundert Bärbele und Klausen in Immenstadt unterwegs. Die jungen Leute halten fest an dem uralten Brauch. Mit furchteinflößenden Gesichtsmasken, zotteligem Fellgewand und langen Weidenruten treiben sie die Dämonen aus. Vor allem beim Gebrauch der Rute lassen sie jedoch im Vergleich zu früher wesentlich mehr Vorsicht walten, sagen die Verantwortlichen vom Bärbele- und Klausenverein in Immenstadt:

„Man muss schon mit Bedacht überlegen: Wie schlag ich, wie hol ich aus? Oder man muss auch wirklich schauen: Hat der Zuschauer einen Glühwein in der Hand oder so was? Man muss da wirklich gut überlegen, ob man zuschlägt oder nicht.“ Alexandra Prinzing.

Seit sieben Jahren ist in Immenstadt nichts passiert, keine Anzeige und kein juristisches Nachspiel. Damit das so bleibt, gibt es strikte Regeln für alle, die als Bärbele oder Klausen unterwegs sind.

  1. Alkoholverbot: Wer über die Stränge schlägt, muss nach Hause.
  2. Hörner über Augenhöhe, damit keine Verletzungsgefahr für die Augen besteht.
  3. Keine älteren Leute, Kinder und Familien schlagen.
  4. Ein separater Zuschauerbereich ist tabu für Klausen.

Doch das ist nicht alles: 25 Ordner sorgen am Rand des Treibens für Ruhe. Sollte es trotzdem zu einem Zwischenfall kommen, muss auch die Identität der vermummten Bärbele und Klausen zweifelsfrei geklärt werden können: Dafür haben alle Klausen eine sichtbare Nummer, mit der ihre Kontaktdaten bei der Polizei hinterlegt sind.

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Anna Klein
Katharina Reichart

Sendung

Mittags in Schwaben vom 04.12.2018 - 12:00 Uhr