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Darum werden Minarette bei Moscheen errichtet | BR24

© dpa/Armin Weigel

Türkisch-islamisches Gemeindezentrum mit einem Minarett in Deggendorf.

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Darum werden Minarette bei Moscheen errichtet

Die AfD fordert ein Gesetz, das Minarette in Bayern verbietet. Vom Minarett, dem Turm einer Moschee, rief früher der Muezzin die Gläubigen zum Gebet. Kann man im digitalen Zeitalter darauf verzichten? Oder hat das Minarett eine religiöse Bedeutung?

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Der Bau von Moscheen löst in Bayern immer wieder Ängste in der Bevölkerung aus. Zuletzt gab es Proteste gegen geplante Bauten in Kaufbeuren, Regensburg und Deggendorf. Ein besonders sensibles Thema dabei stellen die Minarette dar, die Türme bei bzw. an den islamischen Gebetsräumen.

Leucht- und Kirchtürme als Vorbilder von Minaretten

Minarette, aus dem Arabischen von "mana'ir" - "Orte des Lichts", waren in vorislamischer Zeit als Leuchttürme für Karawanen über das asiatische Steppengebiet verbreitet. Als sich mit dem Islam die Moscheen ausbreiteten, wurden die Türme, mit ihrer Funktion als Leuchtturm, häufig an diese angegliedert. So entwickelte sich allmählich der architektonische Stil der Moscheen heraus.

Doch auch Kirchtürme in den christlich besiedelten Gebieten von Byzanz und Syrien gelten als Vorbilder für Minarette. So wurde eine der ältesten Moscheen überhaupt, die Große Moschee von Damaskus (707–715), an der Stelle der Johanneskirche gebaut, und laut Überlieferung wurde der Kirchturm als Minarett übernommen. Später übernahmen auch die Türken häufig die Architektur der byzantinischen Kirchen.

Minarett: spirituelles und praktisches Zeichen

Wie viele andere Bauelemente erfüllt das Minarett verschiedene Funktionen: In der Spiritualität wird es als ein Symbol für die Gotteserinnerung gesehen; eine Art zum Himmel deutender Finger. Gleichzeitig wird es in seiner Vertikalität als Bindeglied zwischen der Erde und der göttlichen Sphäre des Himmels betrachtet. Andere wiederum sehen im Minarett das "Alif", den ersten Buchstaben des arabischen Alphabets, und somit eine Anspielung auf "Allah".

Ganz praktisch weist das Minarett - wie der Kirchturm - auf das Gebäude der Moschee hin und zeigt den Muslimen den Gebetsort an. Für Muslime bedeutet das Minarett als weithin sichtbares Zeichen einer Moschee außerdem die Repräsentanz der Moschee als Gebäude im öffentlichen Raum.

Bis ins 20. Jahrhundert rief der Muezzin, der Gebetsrufer, die Muslime von einer Plattform auf dem Minarett fünfmal am Tag zum Gebet. Heute sind am Minarett oder der Moschee meist Lautsprecher angebracht, so dass niemand mehr auf den Turm steigen muss. In vielen westlichen Ländern wird auf den Gebetsruf aus Rücksicht auf die Nachbarn gänzlich verzichtet. Hier erinnert zum Beispiel eine App die Gläubigen an die Gebetszeiten.

Moscheen und Minarette in Bayern

© BR / Ernst Eisenbichler

1973 entsteht in München-Freimann der erste Moschee-Bau Bayerns ...

© BR / Ernst Eisenbichler

... mit einem Minarett, das aus der dicht bewaldeten Fläche am Stadtrand von München hervorragt.

© Stadt Lauingen

Auch im schwäbischen Lauingen haben die Muslime an ihrer Moschee ein Minarett.

© picture-alliance/dpa

Hoch hinaus streckt sich das Minarett der fränkischen Moschee in Karlstadt am Main.

© picture-alliance/dpa

Sie konnte relativ reibungsfrei gebaut werden, hat aber einen typischen Moschee-Standort: ein Industriegebiet.

© BR / Christian Hohenacker

In Nürnberg deutet von außen nur wenig darauf hin, dass hier eine Moschee ist.

© BR / Christian Hohenacker

Das Gebäude ist eine Ex-Maschinenfabrik in einem Gewerbegebiet - ohne Minarett.

© picture alliance/Geisler-Fotopress

Die 2005 erbaute Penzberger Moschee mit ihrem modernen Kubus-Bau ohne Kuppel ...

© picture-alliance/dpa

... und ihrem künstlerisch gestalteten Minarett, gilt als wegweisend in der neuen Moschee-Architektur.

© picture-alliance/dpa

2008 entsteht in Lindau die Fatih-Moschee mit Kuppel, aber ohne Minarette.

© Stadt Ingolstadt

Ebenfalls 2008 öffnet in Ingolstadt die bislang größte Moschee Bayerns ...

© Stadt Ingolstadt

... ihre Türen - und ihre zwei Minarette.

Keine religiösen Vorschriften für Minarette

Da es keine religiösen Vorschriften für die Form von Minaretten gibt, entwickelten sich in verschiedenen Regionen der Welt unterschiedliche Baustile. Alen Jasarevic, der Architekt der für ihren Baustil gefeierten Penzberger Moschee, schreibt in einem Essay des Buches "Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung" (C. H. Beck), dass aktuell noch die osmanische Interpretation mit Zentralkuppel und spitzem Minarett als einzig legitimer Typ für einen Moscheebau gelte. Dabei sei dieser Typ nur ein Element im weiten Spektrum der islamischen Architekturvielfalt.

"Eine mitteleuropäische Moschee mit eigenen Gestaltungsmerkmalen ist daher genauso legitim wie etwa die Hallenmoschee im Maghreb." Alen Jasarevic in seinem Essay, erschienen im Beck-Verlag

Auch bei den Minaretten gebe es daher die Möglichkeit, sie an die deutschen Verhältnisse anzupassen. Stolz verweist der Architekt im BR-Interview auf das Minarett der Penzberger Moschee, dass von Nachbarn zuerst mit Sorge erwartet wurde und mittlerweile als künstlerisches Highlight der Stadt angesehen wird.

Sichtbarkeit von Moscheen als Zeichen der Anerkennung von Muslimen

Politikum Minarett: Für die Ausübung des Glaubens ist der Turm an der Moschee also nicht zwingend erforderlich. Empirische Studien in der Schweiz zeigen aber, dass die sichtbare Präsenz des Gebetshauses von Muslimen - unter anderem durch ein Minarett - auch als Zeichen der Anerkennung im öffentlichen Raum wahrgenommen wird. Somit zeigen die Türme auch den Fortschritt an, in wieweit Einwanderer schon in die Gesellschaft eingegliedert sind.

Architekt spricht über Minarett der Penzberger Moschee:

© BR

Im Interview erzählt Architekt Alen Jasarevic vom Bau der Moschee im oberbayerischen Penzberg und die Reaktionen auf das Minarett.