BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

BrauBeviale: Verhaltene Stimmung zum Start der Digital-Messe | BR24

© BR

Auch der wichtigste Branchentreff für die Brau- und Getränkewirtschaft muss sich wegen Corona umstellen: Die Messe BrauBeviale findet erstmals virtuell statt. Zum Start gibt es eine online-Diskussion zur prekären Lage der Branche.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

BrauBeviale: Verhaltene Stimmung zum Start der Digital-Messe

Die BrauBeviale muss in diesem Jahr virtuell stattfinden. Gestartet haben die Brauer die Bier-Messe mit einer Online-Diskussion zur prekären Lage der Branche. Kritik üben sie auch an den Staatshilfen und dem aktuellen Teil-Lockdown.

Per Mail sharen
Von
  • Jörg Hertle

Wegen der Corona-Pandemie muss auch die Brauer-Messe BrauBeviale virtuell stattfinden. Die Leistungsschau, auf der normalerweise in der Messe Nürnberg Abfüllanlagen, Getränkelogistik und Getränke-Trends präsentiert werden, startete als "Special Edition" mit einer Online-Diskussion zur wirtschaftlich angeschlagenen Lage der Branche.

Die Verkäufe sind laut Angaben aus der Branche drastisch zurückgegangen. "Der Fassbierverkauf ist um 30 Prozent eingebrochen", stellt Stefan Stretz dabei nüchtern fest, während er an den blankpolierten Tanks in der blitzsauberen Brauerei "Schanzenbräu" im Nürnberger Südwesten vorbeiläuft. Die Brauerei, die 2004 als Newcomer der Nürnberger Brauerei-Szene mit durchschlagendem Erfolg gestartet ist, versucht, durch die Corona-Krise zu kommen.

Das aber sei bei abgesagten Bierfesten und geschlossenen Gaststätten schwierig. Es fehlen die durstigen Kehlen, die das Rotbier oder das Helle der früheren Badewannen-Brauerei trinken würden.

Kein Verständnis für Teil-Lockdown

Insgesamt steckt die Branche in der Corona-Krise in einer Grundmisere: Es fehlt an geselligen Anlässen, auch Kirchweihen und Stadtfeste wurden abgesagt. Und nun der zweite Teil-Lockdown, in dem die Gastronomie geschlossen bleiben muss.

Kein Schäufele mit krachender Kruste, kein Karpfen, keine deftigen Käsespätzle, zu denen ein Bier so richtig schmecken würde. Verstehen kann Georg Rittmayer, Vorsitzender des Verbands Privater Brauer in Bayern, den Lockdown noch immer nicht. "Wir haben doch alle Hygienekonzepte erarbeitet, die auch funktioniert haben", meint der Brauer aus Hallerndorf in Oberfranken.

Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent

Auch Michael "Mike" Schmitt hat in der kleinen Gaststube seines Brauereigasthofes gut die Hälfte der Tische in einer Ecke aufgestapelt. Auf einem Tisch, der quer vor dem Fenster zu seinem Sudhaus steht, präsentiert Schmitt edle Bier-Whiskeys und Süßen Senf mit Bier der "Nickl Bräu". Im Hof des Gasthofs in Pretzfeld zu Füßen des fränkischen Sehnsuchtsbergs Walberla hat Mike Schmitt ein Bewirtungszelt aufgebaut. Das aber steht nun leer.

Laut Verband der Privaten Brauer in Bayern stehen viele der 450 hier organisierten Brauereien mit dem Rücken zur Wand. "Bis zu 50 Prozent Umsatzeinbuße werden gemeldet", meint Verbands-Chef Georg Rittmayer. "Einige mussten bereits Mitarbeiter entlassen." Im Freistaat gibt es rund 600 Brauereien.

Einige, wie "Mike" Schmitt und Stefan Stretz, haben das Bier aus den Gastro-Containern in Fünf-Liter-Partyfässer umgefüllt. Diese werden jetzt an Privatkunden verkauft. Der private Bierkonsum, das merken alle Brauer, hat im zweiten Halbjahr zugenommen. Allerdings rettet das den Umsatz nicht, da sind sich die privaten Brauer einig.

Staatshilfen kommen bei Brauereien nicht an

Die von der Bundesregierung versprochene Staatshilfe von 75 Prozent des Umsatzes vom vergangenen November kommt bei den Brauern nicht an. "Da musst du schonen eine Gastwirtschaft haben", meint Brauer Michael Schmitt. Das aber würde die Kosten für eine Brauerei nicht tragen. Kreative Ansätze wie Online-Bierverkostungen, wie sie einige Getränkehändler oder auch der Nürnberger Szene-Treff "Bieramt" am Tiergärtnertorplatz anbieten, halten die Brauer für richtig.

"Man muss in die Zukunft schauen", meint Verbands-Chef Rittmayer. "Solche Online-Verkostungen helfen ja auch , die Marke bekannter zu machen, beziehungsweise das Bier an den Verbraucher zu bringen.

"Mensch, wenn die Gastronomie wieder aufmacht, dann probiere ich das Bier auch mal. Ich hatte ja nur eine Flasche in der Online-Verkostung." Georg Rittmayer, Vorsitzender des Verband Private Brauereien in Bayern

Dies helfe, die Vielfalt der kleinen Brauereien zu erhalten. Immerhin gibt es noch rund 200 Klein- und Kleinstbrauereien in Oberfranken, die häufig nur für den Hausgebrauch und ihre Schankwirtschaft brauen. Und diese Vielfalt gelte es zu erhalten, meint Rittmayer.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!