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Braten aus dem Fenster: Sportverein Deiningen trotzt Corona | BR24

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Seit Corona wird im Sportverein Deiningen nicht mehr geturnt, dafür aber gekocht: Alle paar Wochen gibt es frische bayerische Schmankerln-to-go, und die Deiniger stehen Schlange - natürlich mit Abstand. Eine Erfolgsstory.

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Braten aus dem Fenster: Sportverein Deiningen trotzt Corona

Seit einigen Monaten wird im Sportverein Deiningen nicht mehr geturnt, dafür aber gekocht: Alle paar Wochen gibt es frische bayerische Schmankerln-to-go, und die Deininger stehen Schlange - natürlich mit Abstand. Eine Erfolgsstory.

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Von
  • Tobias Hildebrandt
  • Susanne Hofmann

In Deiningen im Nördlinger Ries kann man ein kurioses Phänomen beobachten: Alle paar Wochen umrunden zahlreiche Deininger Bürger ihr Sportheim, bepackt mit Töpfen und Schüsseln. Die füllt das ehrenamtliche Küchenteam mit allerlei deftigen Schmankerln. Und die Menschen ziehen zufrieden mit den dampfenden Speisen wieder ab. Sie sparen sich das Kochen und tun dem Verein etwas Gutes.

Mal ein Braten? Das Küchenteam liefert

Die Spielvereinigung Deiningen hat ein Hygienekonzept ausgeklügelt und verkauft seit Beginn der Corona-Pandemie im Vereinsheim Essen „to go“ – mit durchschlagendem Erfolg. Es kocht das ehrenamtliche Küchenteam, das die Fans und Spieler bei Fußballspielen sonst mit Schnitzelsemmeln und Pommes versorgt. Heute ist Braten-Tag, es gibt Sauerbraten, Kalbsrahmbraten, aber auch Käsespätzle und Salat. Essen to go auf Vorbestellung – die Einnahmen sind für die Vereinskasse.

Die Bestellungen laufen bei Rita Bengesser in der Küche ein. Auf dem Herd in der Mitte stehen riesige Großküchen-Töpfe, aus denen es dampft, zwei Meter weiter brät eine Kollegin Spätzle an, in gleich drei Pfannen gleichzeitig. Pünktlich zum Ende des Gottesdienstes soll alles fertig sein.

Ausgeklügeltes Hygienekonzept

Schon eine Stunde vorher war Mattis aus der Jugend des Vereins aktiv. Er trotzt dem eisigen Wind und zeichnet mit roter Kreide rund um das Sportheim Linien auf den Asphalt. Sie markieren die Abstände, die einzuhalten sind. Am ersten Fenster wird bezahlt. Ein paar Meter weiter, an Fenster Nummer zwei, stellen die Leute ihre mitgebrachten Töpfe in eine rote Plastik-Kiste. Dann geht es einmal ums Sportheim herum, und am dritten Fenster kommen die gefüllten Töpfe wieder heraus.

Kein Kunde betritt das Sportheim, Kasse und Essensausgabe sind an Fenstern in separaten Räumen untergebracht. Auch die Helfer haben untereinander kaum Kontakt. Das steht auch so im Hygienkonzept, das Vereinsvorstand Georg Bayr in einem Schnellhefter herzeigt: „Wir haben Kontakt mit dem Landratsamt aufgenommen, es wurde geprüft und dann kam das Go!“

Und jetzt wird immer wieder an den Wochenenden gekocht. Mittlerweile zum vierten Mal.

Rush-Hour an der Braten-Straße

Inzwischen ist es 12 Uhr – Rush-Hour an der Deininger Braten-Straße. An den roten Kreidelinien stehen die Essensabholer Schlange. Viele von ihnen kommen, weil sie ihrem Verein so die Stange halten und mit der Bestellung dafür sorgen wollen, dass etwas Geld in die Vereinskasse kommt. Für den Vereinsvorsitzenden Georg Bayr ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben, wenn Fußballtraining und Turnstunden ausfallen. Selbst wenn derzeit kein Sport möglich ist, möchte er, dass der Verein aktiv bleibt.

Mitglieder bleiben ihrem Verein verbunden

Am Schluss sind es rund 120 Mahlzeiten, die das Deininger Sportheim durchs Fenster verlassen haben. Küchenteam und Vereinsvorsitzender Bayr sind zufrieden. Ein paar Hundert Euro hat die Aktion in die Kasse gespült, und, noch wichtiger, den Deiningern wieder einmal in Erinnerung gerufen: Es gibt sie noch, die Spielvereinigung Deiningen. Und der Erfolg gibt den Machern recht: Bislang sind keine Mitglieder ausgetreten.