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Das Bayerische Kultusministerium ruft Schulen auf pragmatisch mit den Herausforderungen durch Corona umzugehen. Das Ministerium reagierte auf einen Brief des Bayerischen Schulleitungsverbands das mangelndes Krisenmanagement vorgeworfen hat.

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Brandbrief bayerischer Schulleiter an Kultusminister Piazolo

Am Montag kehren zur Freude vieler Eltern und Schüler die Grundschulen zum Wechselunterricht zurück. Doch der Bayerische Schulleitungsverband kritisiert, dass die Vorgaben des Kultusministeriums in der Kürze der Zeit schlicht "nicht umsetzbar" seien.

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Von
  • Irene Esmann

Seit einem Jahr würden die Schulleitungen als "Feuerwehrleute eines Dauerfeuers" fungieren. Nun aber gehe "das Löschwasser" langsam zur Neige, schreibt der Bayerische Schulleitungsverband in seinem Brandbrief an Kultusminister Michael Piazolo (FW).

Neue Stundenpläne, Raum- und Hygienekonzepte, Reihentestungen und Fortbildungen für die Lehrkräfte: die To-do-Liste der Schulleitungen ist seit Monaten lang - all das zu organisieren sei "anstrengend, zermürbend und ein unhaltbarer Zustand", heißt es in dem offenen Brief, der am Freitag im Kultusministerium einging. Besonders scharf kritisiert wird darin der mangelnde zeitliche Vorlauf, um die neuesten Vorgaben für den Wechselunterricht zu realisieren.

Umsetzungsvorgaben erst drei Werktage vor dem Schulstart

Erst am vergangenen Mittwoch, also drei Werktage vor Beginn des Wechselunterrichts an vielen bayerischen Grundschulen, sei ein detaillierter Umsetzungsplan des Kultusministeriums bei den Schulen eingetroffen, statt wie ursprünglich angekündigt am 12. Februar. Unverständnis dafür äußert der Schulleiterverband, schließlich habe doch der Kultusminister selbst bereits Anfang Februar betont, die Pläne für alle möglichen Öffnungsszenarien würden "in der Schublade" liegen.

Eine Umsetzbarkeit der Vorgaben sei "innerhalb von drei Tagen unmöglich und wenn es überhaupt gelingen sollte, dann nur mit einem extremen Aufwand an Mehrarbeit, unzähligen Nachtschichten und einer Durcharbeit über das Wochenende".

Diesen Vorwurf kommentierte das Bayerische Kultusministerium in einem schriftlichen Statement gegenüber dem Bayerischen Rundfunk folgendermaßen:

"Der von Ihnen erwähnte Brief ist im Kultusministerium eingegangen. Das Schreiben wird zeitnah beantwortet werden. Kultusminister Michael Piazolo steht in regelmäßigen Austausch mit der Schulfamilie und den Vertreterinnen und Vertretern der Schulleitungen. Wichtig ist es, den Herausforderungen der Pandemie flexibel und pragmatisch zu begegnen und gemeinsam bestmögliche Lösungen zu finden. Zum Unterrichtsbetrieb ab kommenden Montag, 22.02.2021 wurden die Schulen nach dem Ministerratsbeschluss vom 11.02.2021 mit Schreiben vom 11.02.2021 informiert. Weitere Detailinformationen erhielten die Schulen durch schulartspezifische Schreiben vom 16.02.2021." Statement des Bayerischen Kultusministeriums

Wechselunterricht und Notbetreuung nur schwer zu leisten

Ein Beispiel für die Schwierigkeiten bei der Umsetzung: In den Vorgaben des Kultusministeriums steht, dass neben dem Wechselunterricht auch eine vollumfängliche Notbetreuung für Kinder, deren Eltern sie nicht betreuen können, angeboten werden soll. Konkret heißt das: eine Lehrkraft unterrichtet einen Teil der Kinder, für die Schülerinnen und Schüler der anderen Klassenhälfte, die Notbetreuung in Anspruch nehmen, brauchen die Schulen Räumlichkeiten und Personal. Das innerhalb von drei Tagen zu organisieren sei unrealistisch, sagen die Schulleitungen.

Gesucht: passendes Personal innerhalb von drei Tagen

Die Anregung des Kultusministeriums, doch schulfremdes Personal einzustellen, sei in der Kürze der Zeit "keinesfalls realisierbar", schreibt der Schulleitungsverband. "Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Piazolo, mit Verlaub, haben Sie schon einmal innerhalb von drei Tagen passendes Personal gesucht", fragt die Vorsitzende des Schulleitungsverbands, Cäcilia Mischko, den Bayerischen Kultusminister in dem offenen Brief, um dann nachzuschieben, dass alleine die Beantragung eines polizeilichen Führungszeugnisses mindestens zwei Wochen in Anspruch nehme. Zudem müssten Vorstellungsgespräche geführt, Entscheidungen getroffen und Formalitäten geklärt werden.

Ärger über abgesagte Ferienwoche

Verärgert zeigten sich die Schulleitungen auch über das Verhalten des Ministeriums bezüglich der abgesagten Ferienwoche. Viele Schulleitungen hätten das Tempo gedrosselt, um eine Überlastung der Schulfamilie zu vermeiden. Eigentlich hätte das der Kultusminister tun müssen, um seiner Fürsorgepflicht nachzukommen, so der Bayerische Schulleitungsverband. Stattdessen habe er mit Überprüfung und Kontrolle gedroht. "Wertschätzung und Anerkennung für die bereits geleistete und aktuell zu leistende Arbeit sieht anders aus", heißt es in dem Brief vom 19. Februar.

Autonomie, Planbarkeit und Wertschätzung

Konkret fordert der Bayerische Schulleitungsverband den Kultusminister dazu auf, die Schulleitungen vom Unterrichten freizustellen, um Zeit für die Bewältigung der anderen Aufgaben zu gewinnen. Außerdem wünschen sie sich mehr Autonomie und Handlungsspielraum bei Entscheidungen, um diese dann auch an die Gegebenheiten vor Ort anpassen zu können. Ziel müsse eine verlässliche Kommunikation sowie Planbarkeit mit entsprechendem zeitlichen Vorlauf sein. Vor allem aber gehe es um Anerkennung, Wertschätzung und Rückendeckung, heißt es in dem an den Kultusminister adressierten Brief, der mit dem Appell schließt: "Schützen Sie ihre Feuerwehrleute an vorderster Front".

Seit dem 1. Februar sind Abiturklassen von Gymnasien, Fachoberschulen (FOS) und Berufsoberschulen (BOS) sowie Abschlussklassen beruflicher Schulen, die bald ihre Abschlussprüfungen schreiben, zurück an den Schulen. Am Montag folgen Grundschüler sowie die Abschlussjahrgänge aller anderen allgemeinbildenden Schulen wie Real-, Mittel- und Wirtschaftsschulen. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche, die entsprechende Stufen an Förderschulen besuchen. In Corona-Hotspots müssen die Schüler allerdings weiter von zu Hause aus lernen.

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