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Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel

"Jetzt reicht's", heißt es in einem Brandbrief des Lehrerverbands BLLV an den Ministerpräsidenten: Darin wird unter anderem ein Impfangebot für alle Lehrkräfte bis nach den Osterferien gefordert. Ansonsten drohten Konsequenzen.

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Brandbrief an Söder: Lehrerverband stellt Impf-Ultimatum

"Jetzt reicht's", heißt es in einem Brandbrief des Lehrerverbands BLLV an Ministerpräsident Söder. Darin wird unter anderem ein Impfangebot für alle Lehrkräfte bis nach den Osterferien gefordert. Ansonsten drohten Konsequenzen.

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Von
  • Matthias Stadelmann

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) stellt für die Zeit nach den Osterferien Forderungen an die Staatsregierung. In einem Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann unter anderem, dass Lehrkräfte, die nach den Osterferien in den Präsenzunterricht müssen, vorher ein Impfangebot erhalten müssten.

"Wenn Sie Ihr Mantra der Umsicht und Vorsicht in Bayern wirklich ernst meinen, muss Impfung vor Öffnung kommen", begründet Fleischmann die Forderung, die in einer Sitzung des BLLV-Landesverbands zuvor beschlossen wurde. Lehrkräfte, die kein Impfangebot erhielten, könnten demnach nur Distanzunterricht anbieten, heißt es in dem Schreiben, das BR24 vorliegt.

  • Kultusministerium und Staatskanzlei haben auf die Forderung reagiert: Dies lesen Sie hier.

Ärger über die Staatsregierung

Söders Äußerung nach der letzten Kabinettssitzung, es sei ja im Pandemie-Jahr auch zuvor Unterricht ohne Impfung möglich gewesen, lasse die Lehrerinnen und Lehrer "fassungslos zurück", schreibt Fleischmann weiter.

Unterstützung erhält der BLLV von der bayerischen SPD. Deren bildungspolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Margit Wild will so schnell wie möglich ein Impfangebot für Lehrpersonal in Bayern. Nur so könne der Präsenzunterricht weiter stattfinden. "Wir haben die Pflicht, unsere Lehrerinnen und Lehrer zu schützen", sagt Wild.

Mehr als nur Impfungen

Die BLLV-Präsidentin beklagt in dem Brief außerdem die Umstände, unter denen unterrichtet werden müsse. "Wir haben eine massive Überbelastung der Kolleginnen und Kollegen, die alles tun, um für die Kinder und Jugendlichen bestmögliche Bildungsangebote in diesen schwierigen Zeiten zu ermöglichen", kritisiert Fleischmann. Das Verständnis für den Umgang der Politik mit dieser dramatischen Situation habe jetzt allmählich ein Ende erreicht. Man lasse sich durch bloße Ankündigungen nicht mehr ruhig stellen, heißt es weiter.

Tests ja - aber von geschultem Personal

In dem Brief begrüßt der BLLV regelmäßige Tests für alle, "um die Sicherheit für die gesamte Schulfamilie gewährleisten zu können". Diese Tests müssten aber "zwingend durch Fachpersonal" durchgeführt werden oder zu Hause von den Eltern. Die Lehrkräfte könnten das nicht auch noch leisten. Zudem sei weder der Gesundheitsschutz der Lehrkräfte gewährleistet noch im Falle eines positiven Tests im Klassenzimmer die Persönlichkeitsrechte der Kinder und Jugendlichen.

Besonderes Augenmerk auf Viertklässler

Außerdem kritisiert der BLLV eine zunehmende "Bildungsungerechtigkeit durch unpädagogische Entscheidungen", insbesondere für die Viertklässler. Die Entscheidung Söders nach der Kabinettssitzung in der vorigen Woche, die vierten Klassen als Abschlussklassen zu deklarieren, sei "eine pädagogische Bankrotterklärung", kritisiert Fleischmann.

Stattdessen schlägt die BLLV-Präsidentin vor, "für Schülerinnen und Schüler, die es benötigen und wünschen, ein freiwilliges und individuelles Förderjahr" anzubieten. In Zeiten, in denen neben der Pandemie auch noch Lehrkräftemangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen bestehe, könne es "nicht gelingen, die Schwächen von Schülerinnen und Schülern auszugleichen".

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