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Student Florian Gatzke im Klavierunterricht an der Würzburger Hochschule für Musik.

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Brahms hinter Plexiglas: Besuch der Musikhochschule Würzburg

Plexiglasscheibe, Mund-Nasen-Schutz und eine vorgeschriebene Personenanzahl pro Raum: Mit diesen Einschränkungen versucht die Würzburger Hochschule für Musik ihren Studierenden ein bisschen Normalität zu bieten. Ein Besuch.

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Von
  • Carolin Hasenauer

Übung macht den Meister – das gilt auch während einer Pandemie. Deshalb wäre es gerade für praktische Studiengänge fatal, den Unterricht ersatzlos zu streichen. Die Hochschule für Musik in Würzburg hat einen kleinteiligen Hygieneplan ausgearbeitet, damit zumindest der essentielle Einzelunterricht stattfinden kann.

Musizieren hinter Plexiglas in der Hochschule für Musik Würzburg

Zwei schwarze Konzertflügel stehen in dem hellen Raum in der Hochschule für Musik in Würzburg. An je einem sitzen Student Florian Gatzke und seine Klavierdozentin. Heute wird Brahms geübt - mit zwei Metern Plexiglas zwischen den beiden. "Klar, das ist eine Umstellung mit der Scheibe und auch die Masken sind ein Störfaktor. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Ich persönlich merke es beim Spielen gar nicht mehr", sagt Gatzke, auch wenn er die ein oder andere Anweisung seiner Dozentin dadurch überhöre.

Beim digitalen Unterricht geht viel verloren

Wäre digitaler Unterricht da nicht sinnvoller? "Da bräuchte ich zuhause ein gutes Instrument - das habe ich nicht. Außerdem ist das technisch schwer umsetzbar. Von daher bin ich froh, dass wir den Unterricht in Präsenz machen können." Denn einen eigenen Flügel haben wohl die wenigsten Studierenden in ihrem WG-Zimmer. Aber nicht nur technisch sind dem Unterricht per Video-Konferenz Grenzen gesetzt, sagt Klavierdozentin Silke-Thora Matthies: "Der persönliche, künstlerische Ausdruck lässt sich durch digitales Anschauen nicht ersetzen."

Verschiedene Vorgaben für verschiedene Instrumente

Deshalb ist sie froh, dass der Präsenzunterricht möglich ist. Grundlage dafür ist ein ausgefeiltes Hygienekonzept: Maskenpflicht während des Unterrichts, die Personen im Raum sind durch Plexiglas-Wände getrennt und es gibt für jede Instrumentengruppe eigene Vorschriften: Pro Person müssen mindestens 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen, für Blasmusik und Gesang sind es jeweils sogar 15 Quadratmeter.

Weniger Unterrichtsräume - gleicher logistischer Aufwand

Für die Musikhochschule ein logistischer Mehraufwand, sagt deren Veranstaltungsmanager Jürgen Scheller: "Klar, weil ich für jeden Unterricht genau definieren muss, von wann bis wann, die Lüftungspause einplane, welche Instrumente proben, wie viele Quadratmeter die brauchen." Immerhin: Den Theorieunterricht spart er sich. Harmonielehre, Analyse und andere Theorie-Fächer werden digital unterrichtet – wie eben in den meisten Studiengängen an der Uni auch. Da gibt es auch für die Musikhochschule keine Ausnahme.

Zuhören, voneinander lernen - all das fällt weg

Begegnungen sind aktuell Mangelware – das trifft den künstlerischen Bereich besonders. Denn normalerweise treffen sich die Studierenden zum gemeinsamen Üben, besuchen sich bei Vorspielen, hören zu, lernen voneinander. Das alles fällt jetzt weg. Musizieren ist Interaktion, ist Kommunikation. Streichquartette, Klaviertrios und andere Kammermusik-Ensembles können allein nicht proben.

Bewerberzahlen an der Hochschule für Musik bleiben gleich

Und der fehlende Gruppenunterricht ist für die Studierenden eine Belastung, sagt Hochschulpräsident Christoph Wünsch: "Gerade bei den Erstsemestern müssen wir ein besonderes Augenmerk drauf haben. Die sollen ja die Hochschule, die Personen und sich untereinander kennenlernen." Dennoch: Fürs Sommersemester haben sich genauso viele auf ein Musikstudium beworben wie die Jahre zuvor.

Wann in Würzburg wieder Konzerte stattfinden können ist unklar

Klavierdozentin Silke-Thora Matthies befürchtet, dass einige aus der Corona-Krise auch eine persönliche Krise mitnehmen werden. "Wenn die Ziele wegfallen, dann fehlt die Kraft, sich zum Üben zu motivieren. Die Älteren tun sich da oft leichter, weil die wissen, wo sie wieder hinwollen. Aber gerade bei den Jüngeren: Die wissen ja oft noch gar nicht, wo es eigentlich hingeht." Denn ob, wann und wie Konzerte wieder stattfinden können, dazu gibt es aktuell noch keine belastbare Prognose.

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