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Bayern startet neues Forschungsprojekt zur Corona-Epidemie | BR24

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Die Ansteckungskurve mit Corona hat sich leicht abgeflacht, wohl auch wegen der Ausgangsbeschränkungen. Wie lange diese bleiben müssen, hängt davon ab, die Verbreitung des Virus zu verstehen. Das soll in einer Studie in Bayern untersucht werden.

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Bayern startet neues Forschungsprojekt zur Corona-Epidemie

Bayern startet ein neues Forschungsprojekt zur Corona-Epidemie und gründet einen Expertenrat. Das hat Ministerpräsident Söder in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Bei der Entwicklung der Fallzahlen sieht Söder eine Verbesserung.

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Fast zwei Wochen nach Ausgangsbeschränkungen sieht Ministerpräsident Markus Söder Licht am Horizont. Bei einer Pressekonferenz mit Virologen und Tropenmedizinern erklärte der Bayerische Ministerpräsident, Bayern sei weiter im Katastrophenmodus, aber es sei ein leicht positiver Trend erkennbar. "Der Trend ist positiv, die Kurve flacht leicht ab, die Maßnahmen beginnen zu wirken", sagte Söder.

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Neuinfektionen mit Coronavirus bei 9,4 Prozent

Er verwies auf die Neuinfektionen, die jetzt unter 10 Prozent auf 9,4 Prozent gesunken seien und führte das auf die getroffenen Maßnahmen zurück. Ohne diese wäre die Situation vielleicht eskaliert, meinte Söder. Er verwies auf die Verdoppelungsrate, die jetzt bei über sechs Tage läge. "Das reicht noch nicht, aber der Trend ist erkennbar", meinte der Ministerpräsident, sah aber dennoch keinen Grund zur Entwarnung. "Durchhalten lohnt sich", sagte er. Nach den Worten des Ministerpräsidenten ist Bayern gut vorbereitet, dies gelte auch für die vorhandene medizinische Expertise. Es gehe darum neue Erkenntnisse zu gewinnen, Beratung für politische Entscheidungen zu liefern, aber auch Teil eines internationalen Netzwerks zu sein.

Söder ruft zum Durchhalten auf

Söder stellte zusammen mit der Virologin an der TU München, Prof. Ulrike Protzer, und dem Tropenmediziner an der LMU, Professor Michael Hölscher, ein neues Corona-Forschungsprojekt und die Einsetzung eines Expertenrates vor. Söder verglich das Forschungsprojekt mit einem bereits laufenden Projekt im nordrhein-westfälischen Heinsberg, wobei das bayerische größer und spezifisch auf ganz Bayern ausgerichtet sei. Das ganze Projekt wird in Kürze anlaufen und ist auf ein Jahr angelegt. Der neue Expertenrat, dem Virologen, Epidemiologen und praktische Mediziner angehören, sollen mit Expertise einen Ratschlag geben, wie es weitergehen kann. "Ich bin sehr dankbar, dass sich unsere Wissenschaft in den gemeinschaftlichen Dienst dieser Aufgabe stellt", sagte Söder und appellierte an die Bevölkerung: "Durchhalten lohnt sich. Mitmachen ist weiter gefragt".

Neues Forschungsprojekt soll Erkenntnisse für ganz Bayern liefern

Der Tropenmediziner der LMU München, Prof. Michael Hölscher, der das Forschungsprojekt leiten wird, erwartet sich von dem Vorhaben mehr Klarheit über die tatsächliche Ausbreitung der Epidemie. "Es ist wichtig, dass wir mit solch einer Untersuchung frühzeitig beginnen", sagte Hölscher. In den nächsten vier Wochen werden darum in der Landeshauptstadt München 3.000 Haushalte nach einem wissenschaftlichen System ausgewählt und die Bewohner um eine kleine Blutspende gebeten. Dies soll sich in den darauffolgenden Wochen wiederholen. Damit, so Hölscher, könne man stellvertretend die Dynamik des Geschehens abbilden. Dies sei nur durch regelmäßige und sich wiederholende Tests bei den beteiligten Haushalten möglich. "Es ist essentiell, dass wir jetzt mit dieser Studie beginnen", sagte der Tropenmediziner.

Das Projekt, an dem sich die ausgewählten Bürger freiwillig beteiligen können, soll konkret am Sonntag beginnen. Die Wissenschaftler werden dabei als Vorsichtsmaßnahme gegen Betrugsversuche beim Erstbesuch von uniformierten Polizeibeamten begleitet. In Bayern wurden in den letzten Wochen vereinzelt Fälle angezeigt, bei denen sich räuberische Betrüger in Schutzkleidung als Mitarbeiter des örtlichen Gesundheitsamtes ausgegeben haben, um so Zugang zur Wohnung und dort vermuteten Wertgegenständen zu bekommen.

Expertenteam soll Politik beraten

Die Virologin Ulrike Protzer begrüßte daneben die Einrichtung eines Expertenteams, dass der Politik Ratschläge und Erkenntnisse liefern soll. Die Professorin an der TU München nannte das Gremium "extrem wichtig". Sie verwies auf die Situation in Italien, wo alle erschrocken seien über die Entwicklung. Zur aktuellen Entwicklung sagte Protzer, die Fallzahlen verdoppeln sich weiter, aber sie verdoppeln sich langsamer. Man sei aber noch nicht aus der Wachstumskurve heraus und außerdem müssten in den Intensivstationen immer mehr unter 60-Jährige versorgt werden. Man wolle sich darum jetzt konkret auf Bayern konzentrieren, aber sich auch mit internationalen Wissenschaftlern auszutauschen.

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Bayern startet ein neues Forschungsprojekt zur Corona-Epidemie und gründet einen Expertenrat. Das hat Ministerpräsident Söder in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Bei der Entwicklung der Fallzahlen sieht Söder eine Verbesserung.

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Bayern startet ein neues Forschungsprojekt zur Corona-Epidemie und gründet einen Expertenrat. Das hat Ministerpräsident Söder in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Bei der Entwicklung der Fallzahlen sieht Söder eine Verbesserung.

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