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Schulgipfel: Die "Bayern-Cloud" als "Digital-Turbo" | BR24

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Bayerns Schulen wollen und sollen lernen aus dem Unterricht zu Hause in der Corona-Krise. Vertreter von Regierung, Schülern, Lehrern und den Landkreisen vereinbarten Maßnahmen, um Schulen dauerhaft ins digitale Zeitalter zu führen.

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Schulgipfel: Die "Bayern-Cloud" als "Digital-Turbo"

Unterricht daheim per Web-App und Videokonferenz - was lange Zukunftsmusik war, wurde in der Zeit des Lockdowns plötzlich aktuell. Der Schulgipfel der Staatsregierung soll aufzeigen, wie es weitergeht. Hier die Resultate und der Ticker zum Nachlesen.

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Die Staatsregierung hat am vorletzten Schultag zum "Schul-Digitalisierungsgipfel" geladen. Mit dabei waren neben Ministerpräsident Söder und den zuständigen Ministern auch Vertreter der Kommunalen Spitzenverbände, von Lehrer-, Eltern- und Schülerverbänden - freilich nicht alle: Simone Fleischmann vom BLLV etwa hatte den Gipfel schon im Vorfeld als "Show" gewertet.

Zumindest an Ankündigungen und griffigen Slogans ist kein Mangel. Die bayerische Staatsregierung will die Digitalisierung von Schule und Unterricht in der laufenden Legislaturperiode mit einer knappen halben Milliarde Euro pro Jahr zusätzlich beschleunigen. Ministerpräsident Markus Söder sprach davon, den "Digital-Turbo" anzuwerfen und eine "Bayern-Cloud" einzurichten.

Drei Säulen für digitalen Bildungsfortschritt

Zusammen mit Bildungsminister Michael Piazolo skizzierte er ein "Drei-Säulen-Konzept" aus Hardware, Software und Fortbildung: Es soll eine zentrale digitale Schulplattform, ein eigenes Schul-Rechenzentrum, zusätzliche digitale Leihgeräte für Schüler und Lehrer, neue IT-Systemadministratoren und neue Stellen für die Aus- und Fortbildung von Lehrern geben.

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Drei Punkte umfasst Söders Plan, der die Digitalierung rasch anschieben soll.

Lob vom Chef

Einer der interessantesten Momente in der Pressekonferenz: Söders Antwort in der Fragerunde, ob er als Regierungschef denn mit der Arbeit seines Bildungsministers Michael Piazolo (FW) zufrieden sei: "Ich bin ihm sehr dankbar. Auch (….) für Geschmeidigkeit und Flexibilität." Söder schätze am Schulministerium, dass nicht alles von oben aufgezwungen werde, sondern dass es "Beinfreiheit" gebe, Dinge vor Ort anders zu regeln. Trotzdem müsse man das Thema nochmal "mit mehr Wucht" versehen, er habe deshalb persönlich das nötige Geld beim Finanzminister locker gemacht. Söders Zwischenzeugnis für Piazolo:

"Ich finde er macht das sehr gut. – (Pause). - Aber: kann auch noch besser werden, bei uns allen."

Was genau besprochen und erarbeitet wurde, können Sie hier im Ticker nachlesen.

13.10 Uhr: Die Fragerunde: Lockdown-Chaos und die Sorge um die Schwächeren

Piazolo selbst hatte sich zuvor gegen den Vorwurf gewehrt, Bayerns Schulen seien unvorbereitet in den Lockdown gestolpert. "Das ist alles ein gesteuerter Prozess – alle sagen, dass es besser wurde." Am Anfang sei es nur darum gegangen zu wiederholen, nach Ostern seien neue Tools und neues Wissen vermittelt worden. Im September und Oktober werde alles noch besser funktionieren.

Walburga Krefting vom Berufsverband KEG formulierte hingegen die bei Eltern, Lehrerinnen und Lehrern verbreitete Sorge, beim Digitalunterricht könnten viele Schüler durchs Netz fallen. Dafür brauche man unter anderem mehr Förderlehrer. Söder beschwichtigte: die Digitalisierung solle kein Ersatz für den Schulunterricht sein, sondern eine Ergänzung. "Die Regelmäßigkeit von Schule muss gewähleistet werden."

12.50 Uhr: Bernreiter: Zu langsam? Wir sind in Deutschland!

Christian Bernreiter, der Deggendorfer Vorsitzende des Landkreistages, hebt hervor, dass der Vorschlag zur Unterrichtsplattform "Bayern-Cloud" auf Landkreisebene entstanden sei. Er freut sich über 78 Millionen Euro, die der Freistaat in die neue Schulplattform investieren will, und erhofft sich einheitliche Standards - "damit wir wissen, was wir besorgen müssen."

Gegen Kritik, das alles dauere schon zu lange, wehrt er sich so: "Da hat niemand geschlafen, wir sind in Deutschland – da müssen Vorschriften eingehalten werden." Es gebe Förderrichtlinien, Ausschreibungen ...

"Wir können nicht einfach in den Laden gehen und einkaufen."

Im Übrigen sei es schwierig, flächendeckend gutes Personal zu finden: "Im Landkreis Cham bekomme ich die Leute, aber sicher nicht in Freising."

12.40 Uhr: Was der Landesschülersprecher sagt

Landesschülersprecher Joshua Grasmüller kommt zu Wort und findet zunächst mal gut, "dass nicht nur über sondern auch mit uns gesprochen wird." Ihm ist zweierlei wichtig: dass der Prozess zentral gesteuert wird - "wir können nicht 96 kommunale Systeme brauchen" - und dass auf die schönen Worte Taten folgen.

Die Bayerncloud müsse diverse Einschränkungen des alten Mebis-Systems in der Praxis ausbügeln, die Versorgung bedürftiger Schüler mit mobilen Endgeräten müsse schnell vonstatten gehen.

"Ein Computer zwei Jahre nach Antragstellung reicht nicht - wir brauchen das Material zum Schuljahresbeginn!"

12.35 Uhr: Piazolo: Regelunterricht als Ziel

Bildungsminister Michael Piazolos Fazit: es war kein normales Schuljahr, aber auch kein verlorenes. Auch das nächste Schuljahr werde kein normales sein. Das Ziel: "Regelunterricht unter besonderen Hygieneregeln." Digitale Ausspielwege seien dabei unverzichtbar.

Dann hebt Piazolo den Beitrag der Freien Wähler in der Regierung hervor. Was er in der Opposititon gefordert habe, mache er jetzt im Amt: den Schulunterricht insgesamt auf eine neue Stufe heben. Zugleich betont er, dass moderne Technik allein in der Schule nicht alles sei.

"Bei aller Euphorie: die Technik hat immer der Pädagogik zu folgen."

12.20 Uhr: Söders Drei-Säulen-Konzept

2,2 Milliarden Euro sollen in die Digitalisierung der bayerischen Schulen fließen, davon 1,1 Milliarden an bayerischen Geldern. Das Konzept der Staatsregierung: ein Drei-Säulen-Modell mit den Säulen Software, Hardware und Weiterbildung.

Unter Software versteht Söder die Inhalte. "Bayern-Cloud" ist sein Schlagwort, eine Weiterentwicklung der bisher verwendeten Bildungsplattform Mebis. Hier kann interaktiv gearbeitet, können Videokonferenzen abgehalten und Podcasts angeboten werden. Söder: "Das ist eine Art Schul-Youtube, innerhalb der Schule als auch nach außen, abrufbar für den Unterricht und jederzeit, um Wissensvermittlung voranzubringen."

Die Hardware: Das sind Lehrer und Material. Mit den kommunalen Spitzenverbänden hat sich Söder unter anderem auf ein neues Schulrechenzentrum mit 200 Beschäftigten zusätzlich geeinigt, dessen Ort noch nicht feststeht. Insgesamt bis zu 600 Systemadministratoren, 50/50 finanziert von Staat und Kommunen, sollen die Infrastruktur am Laufen halten. Dazu sollen 250.000 Leihgeräte für Schüler bereitgestellt werden, für Lehrer weitere 20.000. Ein "digitaler Schulatlas" soll feststellen, wo es an Breitbandanschlüssen fehlt und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Schließlich die Fortbildung: Söder: "Wir erleben großartige Initiativen, Lehrer schulen Lehrer mit Webinaren." Was mit heißer Nadel gestrickt war, soll jetzt bewertet, verbessert und verstetigt werden.

12.15 Uhr: Söder dankt

Alle Überlegungen zur Zukunft der Schulen, so der Ministerpräsident in seiner Bilanz des Schulgipfels, hätten sich durch Corona beschleunigt. "Der Unterricht war anders als früher – Schüler aber wünschen sich einen geregelten Unterricht." Ausdrücklich dankt Söder allen, die mitgeholfen haben. Im Herbst soll es mit einem neuen Konzept losgehen - mit einem neuen Hygienekonzept und der verbesserten Digitalisierung, die er im folgenden vorstellt.

11.45 Uhr: Vor dem Gipfel: Alles gut - oder alles bloß Show?

In Sachen Digitalisierung auch in Zeiten von Corona Erlerntes nicht zu verlernen - das gibt Ministerpräsident Markus Söder als sein Ziel aus. Schon im Juni hat das Kabinett ein "digitales Gesamtpaket" beschlossen, dass im Herbst zur Verfügung stehen soll. Alle Schülerinnen und Schüler sollen demnach die Möglichkeit haben, zu Hause mit digitalen Medien zu lernen. Wer kein Tablet und keinen Computer zu Hause hat, soll an der Schule ein solches Gerät leihen können.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes Simone Fleischmann steht dem Digitalgipfel skeptisch gegenüber. Sie habe große Angst, dass der Digitalgipfel "eine Show" sei, die vorgaukeln soll, alles sei gut. Das ist es aber nicht, findet Fleischmann ebenso wie viele Lehrerinnen und Lehrer. Und auch unter den Eltern ist nur eine knappe Mehrheit mit dem Schul-Krisenmanagement der Staatsregierung zufrieden.

Später, als Reaktion auf den Gipfel, appelliert Fleischmann, die "ganzheitliche Bildung mit Herz, Kopf und Hand" nicht zu vergessen: "Wir Lehrerinnen und Lehrer wollen nicht unter dem Tisch irgendwelche Kabel zusammenstöpseln, für uns stehen immer die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt!"

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