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BR24Live: Billigfleisch - Was sind uns Lebensmittel wert? | BR24

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BR24Live: Billigfleisch - Was sind uns Lebensmittel wert?

Eine Tierwohlabgabe und Mindestpreise sollen die Probleme in der Fleischindustrie richten. Opposition, Industrie und Landwirte bezweifeln das. Über den Wert guten Essens reden wir heute mit Fernsehkoch Alexander Herrmann im BR24Live.

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Den Tieren soll es in Zukunft besser gehen, von der Aufzucht bis zur Schlachtung. Auf dem "Fleischgipfel" vom vergangenen Freitag hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) mit ihren Kolleginnen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammen mit Branchenvertretern ihre Forderung nach einer Tierwohlabgabe wiederholt: 40 Cent mehr je Kilo Fleisch im Handel. Außerdem sollen besonders günstige Sonderangebote auf Fleisch verboten werden – eine moderate Form von Mindestpreisen.

Die Grünen drängen derweil auf schnellere Reformen und fordern verbindliche Tierhaltungskennzeichnungen sowie einen "Tierschutzcent". Die FDP dagegen bezeichnete es als "falschen Weg", Landwirten noch mehr Vorgaben zu machen.

In der Praxis wird es schwierig – und kompliziert

Das sieht die Ernährungsindustrie ähnlich. Ein Mindestpreis sei nicht nur verfassungsrechtlich schwierig umzusetzen, sondern auch schwierig zu berechnen, warnt etwa Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels: Der Markt in Niedersachsen sei ein völlig anderer als in Bayern, wo viele Landwirte kleinere Betriebe bewirtschaften. Die ganze Diskussion um billige Lebensmittel selbst sei billig, fügt Christoph Minhoff vom Lebensmittelverband Deutschland hinzu: Die ganze Branche sei komplexer als vier große Supermarktketten oder ein paar Schlachtbetriebe, die Preise diktieren könnten.

Bauern gegen Billigfleisch: Was ist uns Landwirtschaft noch wert? Darüber diskutiert die Münchner Runde am Mittwochabend um 20:15 Uhr.

Und die Landwirte?

Die historische Entwicklung zeigt, dass bei den Erzeugern selbst immer weniger Geld übrig bleibt: Verdienten die Landwirte in den 1970er-Jahren noch im Schnitt 47 Cent pro Euro, den die Verbraucher ausgaben, sind es heute nur noch 23 Cent, rechnet der Deutsche Bauernverband.

Über den Wert von Lebensmitteln, wie man gutes Fleisch, Obst und Gemüse erkennt sowie die Fragen der BR24-Community sprechen wir heute Nachmittag ab 17 Uhr mit Fernsehkoch Alexander Herrmann im BR24Live.

Einem Mindestpreis sind viele Landwirte deshalb nicht abgeneigt. Gleichzeitig zeigen sie sich aber zurückhaltend, ob das Geld auch wirklich bei ihnen landet. Ein Cent mehr pro Liter Milch aber würde auch bei einem kleinen Betrieb mehrere Tausend Euro im Monat ausmachen, erklärt Andreas Wolfrum, der einen Milchviehbetrieb in der Nähe von Hof in Oberfranken betreibt.

Die Marktwirtschaft macht‘s

Das Problem: Deutsche Bauern produzieren mehr Milch und Fleisch, als in Deutschland gegessen oder getrunken wird. Gleichzeitig sind die Produkte verderblich – und die Produktion könne man nicht einfach mal so stoppen, erklärt Wolfrum: "Ich kann meiner Kuh nicht sagen: 'Elsa, mach morgen 10 Prozent weniger!'"

Gleichzeitig wird der Preis auf dem Weltmarkt bestimmt. Wenn dann Corona-bedingt die Nachfrage nach Schweinefleisch in China zusammenbricht, sinkt der Preis auch mal auf 1,30 Euro pro Kilo. Bei der Milch gibt es immer wieder ähnliche Entwicklungen.

Über Wert und Wertschätzung

Am Ende landet man in der Debatte immer wieder beim Thema Wertschätzung. Die geht einerseits über Worte und Anerkennung – was Landwirte bei ihren Protesten noch Anfang dieses Jahres einforderten – und andererseits über den Preis. "Die Tierwohlabgabe oder ein Fleischmindestpreis wäre ein erster Schritt", sagt Fernsehkoch Alexander Herrmann im Interview mit der Münchner Runde. "Wenn der Verbraucher entscheidet, dauert es zu lange."

Mit der Ansicht ist Herrmann nicht allein. Landwirte, Opposition, Verbände, sogar der Lebensmittelhandel fordern von der Regierung Vorgaben, nur eben unterschiedlich weitreichende.

Wären die Verbraucher bereit, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, wäre das ein wichtiger Schritt Richtung mehr Tierwohl, sagen die Verfechter. Laut Umfragen seien viele Deutsche dazu bereit. In der Praxis sieht es aber anders aus, wie zuletzt eine Studie der Hochschule Osnabrück festgestellt hat: Im Supermarkt haben tatsächlich nur 16 Prozent der Kunden wirklich teureres Fleisch mit Tierwohl-Label gekauft. Der Preisunterschied: 30 Cent mehr für eine Packung Schweinefleisch.

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