BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Prozess gegen Augsburger Schläger: Angeklagte bedauern Tat | BR24

© BR

Vor dem Augsburger Landgericht beginnt heute der Strafprozess gegen einen Jugendlichen, der am Nikolaustag vergangenen Jahres einen Mann tödlich verletzt haben soll. Mitangeklagt sind zwei weitere junge Männer. Bei ihnen geht es um Körperverletzung.

33
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Prozess gegen Augsburger Schläger: Angeklagte bedauern Tat

Im Kö-Prozess vor dem Augsburger Landgericht haben die Angeklagten ihre Sicht der Tat geschildert. Alle drei beteuerten, die tödliche Attacke auf einen 49-Jährigen zu bereuen. Sie gaben außerdem an, zum Zeitpunkt der Tat betrunken gewesen zu sein.

33
Per Mail sharen
Von
  • Barbara Leinfelder
  • Beate Mangold

"Ich habe nicht glauben können, dass der eine Schlag tödlich gewesen sei." Diese Erklärung des Hauptangeklagten um die tödliche Attacke am Augsburger Königsplatz am Nikolaustag 2019 hat sein Anwalt im Prozess vor dem Augsburger Landgericht verlesen. Ihm sei es nie darum gegangen, einen Menschen zu töten, es tue ihm "sehr leid", verliest Verteidiger Marco Müller weiter.

Mutmaßliche Täter begannen Abend mit Alkohol

Alle drei Angeklagten haben am Vormittag vor Gericht ihre eigene Sicht auf die Tat geschildert. Der Hauptangeklagte Halid S. ließ über seinen Anwalt schildern, wie der Abend begann: Die Gruppe von Jugendlichen traf sich demnach an einer Bushaltestelle, dann seien sie zu siebt an eine Tankstelle gefahren und hätten sich mit Alkohol versorgt. Danach sei die Gruppe mit der Tram in die Innenstadt gefahren.

Hauptangeklagter wollte Freund zu Hilfe kommen

Auch Halid S. habe viel Schnaps getrunken, so sein Verteidiger. In der Nähe des Augsburger Königsplatzes habe sein Freund einen Passanten nach einer Zigarette gefragt. Dieser habe sinngemäß "Halt die Schnauze" gesagt. Der Angesprochene - der später getötete 49-Jährige - habe den Jugendlichen weggeschubst und zu Boden geworfen. Halid S. lässt seinen Verteidiger schildern, dass er Angst um seinen Freund gehabt habe. Dieser sei dem anderen körperlich unterlegen gewesen. Er habe ihm zu Hilfe kommen wollen. Ein einziges Mal habe er zugeschlagen, der 49-Jährige sei sofort zu Boden gegangen.

Jugendliche seien keine Gang gewesen

In der Haft habe Halid S. sehr unter der Trennung von seiner Familie gelitten. Im Vorfeld habe er sich um ein Anti-Aggressionstraining bemüht, aber nicht einmal eine Antwort auf seine Anfrage erhalten, so sein Anwalt. Dass die Gruppe von sieben Jugendlichen eine feste Gang gewesen sei, verneint Halid S. vor Gericht.

Mitangeklagte entschuldigen sich für Attacke

Gökalp A., einer der beiden Mitangeklagten verlas seine Erklärung vor Gericht selbst. Auch er sei an dem Abend sehr betrunken gewesen und habe seinem Freund zu Hilfe kommen wollen. Er bedauere sehr, den Freund des Getöteten verprügelt zu haben und wolle sich persönlich dafür entschuldigen. Auch der dritte Angeklagte, der 20-jährige Kevin C., äußerte sich selbst vor Gericht. Er bestätigt ebenfalls, dass an dem Abend viel Alkohol geflossen sei.

Mittäter erfuhr von Tötung des Feuerwehrmanns aus Radio

Kevin C. schildert den Tathergang als "ein ziemliches Durcheinander". Er habe die Auseinandersetzung erst aus einiger Entfernung gesehen und sei dann zurückgelaufen. Er wisse nicht, ob er selbst zugeschlagen habe. Am nächsten Tag habe er im Radio gehört, dass am Kö ein Mann erschlagen worden sei. Daraufhin habe er sich an einen Anwalt gewandt, dieser sei mit ihm zur Polizei gegangen. "Ich schleppe diese schwere Schuld nun schon fast ein Jahr mit mir herum", so Kevin C., es sei durch nichts zu entschuldigen.

Mutmaßliche Täter konsumierten viel Alkohol

Auf Nachfrage haben sich alle drei Angeklagten zu ihrem schulischen Werdegang und ihrem Alkoholkonsum geäußert. Alle drei gaben an, viel Alkohol zu konsumieren, meist Mischgetränke aus Schnaps mit Cola oder Orangensaft. Kevin C. gab an, zeitweise auch Cannabis konsumiert zu haben.

Er war zunächst auf eine Förderschule gegangen, konnte dann aber seinen Realschulabschluss machen. Der Hauptangeklagte Halid S. gab vor Gericht dagegen an, trotz mehrerer Versuche seinen Hauptschulabschluss nicht geschafft zu haben. Der dritte Angeklagte Gökalp A. geht derzeit auf eine private Wirtschaftsschule.

Angeklagte äußern sich nicht zu Videos der Attacke

Vor Gericht wurden am Vormittag auch die Videoaufnahmen verschiedener Überwachungskameras und der Dash-Cam eines Taxis gezeigt. Die Aufnahmen haben wesentlich zur Ermittlung des Tathergangs beigetragen und die Bewertung der Tat verändert. Die Videos verdeutlichen, dass die eigentliche Tat rasend schnell ablief.

Das Video, das die Tat selbst zeigt, ist schwarz-weiß und verschwommen. Mehrere Personen sind zu sehen, von denen einer einen anderen wegschubst. Dann erfolgt ein Schlag, der einen Mann sofort zu Boden gehen lässt. Zu den Videoaufnahmen wollen die Angeklagten vor Gericht keine Stellung nehmen.

Staatsanwaltschaft: Angeklagte konnten Unrecht ihrer Tat erkennen

Die Staatsanwaltschaft schätzt in ihrer Anklageschrift die Angeklagten als sittlich genügend gereift ein, um das Unrecht ihrer Tat einzusehen. Der Hauptangeklagte Halid S. hätte erkennen müssen, dass der 49-jährige Mann durch einen solchen Schlag zu Tode kommen könne. Die beiden Mitangeklagten hätten sich beim Angriff auf den Freund des 49-jährigen gegenseitig angestachelt und aus zahlenmäßiger Überlegenheit gehandelt.

Augsburger Feuerwehrmann starb an Hirnblutung

Halid S. muss sich vor Gericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die anderen beiden sind wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung angeklagt. Am Nikolaustag 2019 trafen die Jugendlichen auf den später getöteten 49-jährigen Feuerwehrmann. Nach einer verbalen Auseinandersetzung wurde der Mann mit einem Schlag am Kopf getroffen und ging zu Boden. Er starb an einer Gehirnblutung. Sein 51-jähriger Freund wurde durch die Attacke schwer verletzt und musste stationär im Krankenhaus behandelt werden.

BR24Live: So war der Prozessauftakt

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!