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BR24-Datenanalyse: Ausbildung im Abwärtstrend | BR24

© picture alliance / Jens Kalaene/dpa

In manchen bayerischen Landkreisen bleibt fast ein Viertel der Lehrstellen unbesetzt.

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    BR24-Datenanalyse: Ausbildung im Abwärtstrend

    Seit 2008 ist in Bayern die Zahl der Auszubildenden um 12 Prozent gesunken. Doch nicht überall ist die Lage gleich: Die BR24-Datenanalyse zeigt, wo Lehrstellen frei bleiben, welche Branchen Stellen abbauen und wo es noch Chancen gibt.

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    Der Negativtrend ist nicht von der Hand zu weisen: Verglichen mit 2008 schlossen im Kalenderjahr 2019 rund 12 Prozent weniger junge Menschen in Bayern einen Ausbildungsvertrag ab. Dennoch könnten die Betriebe im Freistaat mit dieser Zahl noch zufrieden sein: Mecklenburg-Vorpommern verlor im gleichen Zeitraum 44 Prozent, Brandenburg und Sachsen-Anhalt um die 40.

    Rückgang der Ausbildungszahlen in Bayern schwächer

    Zudem geht der Trend in den vergangenen paar Jahren nicht mehr ganz so steil nach unten, die Anzahl neuer Azubis pro Jahr scheint sich auf einem gewissen Niveau einzupendeln. 2017 und 2018 stieg sie sogar wieder etwas an.

    Zwischen den bayerischen Regionen gibt es große Unterschiede: Im Landkreis Donau-Ries etwa wurden im Kalenderjahr 2019 insgesamt 1.134 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Im Landkreis Starnberg, der ähnlich viele Einwohner hat, waren es nur 642. Besonders viele neue Azubis, im Verhältnis zur Einwohnerzahl, gibt es in den kleineren und mittelgroßen Städten – das zeigt die folgende Karte. Wählen Sie einen Kreis aus, um mehr über die Gesamtzahl der Auszubildenden und die Verteilung auf die Ausbildungsbereiche zu erfahren:

    Einen wichtigen Indikator für den Zustand des Ausbildungsmarktes liefert die Frage: Wie viele der geplanten Ausbildungsplätze können tatsächlich besetzt werden? Die Bundesagentur für Arbeit listet diese Daten nach Berichtsjahren, welche jeweils am 1. Oktober beginnen. Im abgeschlossenen Berichtsjahr 2018/2019 konnten im bayernweiten Durchschnitt 14 Prozent der gemeldeten Berufsausbildungsstellen nicht besetzt werden.

    - Service: Diese Ausbildungsberufe haben Zukunft

    In Kulmbach und Bamberg fast ein Viertel der Lehrstellen frei

    Hier klafft die Lücke zwischen den Regionen ebenfalls weit auseinander: Während in Aschaffenburg und im Landkreis Dillingen gerade einmal 5,6 Prozent der Plätze frei blieben, waren es in den Landkreisen Bamberg und Kulmbach fast ein Viertel. Mit einem Klick auf die Karte erfahren Sie, wie es in Ihrer Region aussieht:

    Entsprechend hoch war die Erfolgsquote unter den jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung interessierten: In keinem Landkreis lag der Anteil der Bewerber, die im Berichtsjahr 2018/2019 als "unversorgt" eingestuft wurden, über 5,5 Prozent. Vielleicht ein Anreiz, sich doch für eine klassische Lehre zu entscheiden.

    - Ratgeber: Suche Ausbildungsplatz - wo wende ich mich hin?

    Zwei Drittel aller Azubis im Bereich "Industrie und Handel"

    Wer das tut, landet sehr wahrscheinlich im Ausbildungsbereich "Industrie und Handel". Bayernweit fallen zwei Drittel aller Stellen in diese Kategorie, darunter viele bekannte Lehrberufe wie Bankkauffrau, Verkäufer, Laborantin und Mechatroniker. Obwohl die Zahl der neuen Auszubildenden pro Jahr in diesem Bereich seit 2008 um rund 11 Prozent gesunken ist, hat sich der Anteil am Ausbildungsmarkt kaum verändert.

    Der Bereich "Handwerk" hat zwar "nur" 18 Prozent seiner Lehrstellen eingebüßt, allerdings macht sich das hier deutlicher im Anteil am Gesamtmarkt bemerkbar. Während 2008 noch 30 Prozent aller Ausbildungen in Berufe wie Tischlerin, Konditor und Bestattungsfachkraft führten, waren es 2019 nur noch 27 Prozent.

    Ausbildungsbereich "Hauswirtschaft" verschwindet langsam

    Den größten Schwund erlebte der Ausbildungsbereich "Hauswirtschaft". Hier gab es 2019 nur noch gut halb so viele neue Lehrlinge wie 2008. Allerdings war der Anteil dieses Bereiches am gesamten Ausbildungsmarkt auch damals schon gering. Setzt sich die Entwicklung fort, wird es Berufe wie "Dienstleistungshelfer Hauswirtschaft" wohl bald nicht mehr geben.

    Aber auch hier gibt es regionale Besonderheiten: Während der Anteil der hauswirtschaftlichen Berufe am Ausbildungsmarkt in Bayern 2019 nur rund 0,3 Prozent betrug, lag er in der Stadt Hof zum Beispiel bei 1,5 Prozent. Hier werden also noch ein paar junge Menschen mehr in diesem Berufsfeld ausgebildet.

    Ein Drittel weniger Azubis in der Landwirtschaft

    Auch den Bereich "Landwirtschaft" hat es schwer getroffen, hier waren es 2019 ein Drittel weniger neue Auszubildende als in 2008. Dabei haben in den vergangenen Jahren immer mehr junge Frauen die Ausbildung zu traditionsreichen Berufen wie Winzerin oder Land- und Forstwirtin angetreten. Besonders in den Landkreisen Rosenheim und Bayreuth machen diese Lehrstellen einen wesentlich höheren Anteil aus als im bayerischen Durchschnitt.

    Ausbildung im öffentlichen Dienst immer beliebter

    In zwei Feldern wurden 2019 tatsächlich mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als 2008: "Öffentlicher Dienst" und "freie Berufe". Im ersten wird man beispielsweise zur Geomatikerin oder zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen ausgebildet, im zweiten zur Notarfachangestellten oder zum zahnmedizinischen Fachangestellten. Gerade die Lehre im öffentliche Dienst scheint bei jungen Menschen immer beliebter zu werden: Die Anzahl neuer Lehrlinge hat sich seit 2008 um 50 Prozent erhöht.

    Über die Daten

    Dieser Analyse liegen drei Datensätze zugrunde: Die Berufsbildungsstatistiken, die das Statistische Bundesamt und das Bayerische Landesamt für Statistik zur Verfügung stellt. Und die Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Um zu berechnen, wie die Anzahl der Ausbildungsverträge im Verhältnis zur Größe eines Landkreises steht, wurde außerdem die Bevölkerungsstatistik des Bayerischen Landesamtes für Statistik herangezogen.

    Aus den Berufsbildungsstatistiken wurde die Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge pro Jahr als Kenngröße ausgewählt - die Daten werden nach Kalenderjahr angegeben. Aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit wurde die Anzahl gemeldeter Ausbildungsstellen entnommen und die Besetzungsquote berechnet – sie gibt die Daten nach Berichtsjahren an. Diese beginnen stets am 1. Oktober eines Jahres und enden am 30. September des Folgejahres. Da die Daten für das Berichtsjahr 2019/2020 zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht bereitgestellt waren, werden die Daten des Jahres 2018/2019 verwendet.

    Alle Statistiken beziehen sich auf die 325 nach dem Berufsbildungsgesetz anerkannten Ausbildungsberufe. Nicht dazu zählen viele Berufe im Gesundheitswesen oder im sozialen Bereich, etwa Sanitäterin, Altenpfleger, Hebamme und Erzieher.

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