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Symphonieorchester des BR: Sir Simon Rattle wird Chefdirigent | BR24

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Bildrechte: BR/Astrid Ackermann

Die Nachfolge von Mariss Jansons als Chefdirigent des Symphonieorchesters und -Chors des BR steht fest: Sir Simon Rattle kommt ab der Konzertsaison 2023/24 nach München.

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Symphonieorchester des BR: Sir Simon Rattle wird Chefdirigent

Die Nachfolge von Mariss Jansons als Chefdirigent von Symphonieorchester und -Chor des BR steht fest: Sir Simon Rattle kommt ab der Konzertsaison 2023/24 nach München. Am 3. Januar unterschrieb er einen Fünf-Jahres-Vertrag mit dem BR.

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Von
  • Eckhart Querner

Seine immer noch jugendliche Erscheinung und seine Fähigkeit, ganz unterschiedliche Menschen für die klassische Musik zu begeistern – das sind Markenzeichen des gebürtigen Briten aus Liverpool. Der langjährige Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und derzeitige Chef des London Symphony Orchestra gilt als eine der herausragenden Dirigenten-Persönlichkeiten unserer Zeit, er steht für Offenheit, Erneuerung und Aufbruch innerhalb der klassischen Musikwelt. Für die Musiker des BR-Symphonieorchesters war Rattle schon lange der Wunschkandidat.

"Der Bayerische Rundfunk ist sehr glücklich, dass Sir Simon als neuer Chefdirigent nach München kommen wird. Mit seiner Leidenschaft, mit seiner künstlerischen Vielseitigkeit und mit seinem einnehmenden Charisma wird er ein überaus würdiger Nachfolger von Mariss Jansons sein." Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks

Rattle kennt und liebt das Orchester seit 50 Jahren

Gesucht war ein großer Künstler und begnadeter Kommunikator, der das Orchester in die Zukunft führen kann. Gefunden wurde mit Rattle ein charismatischer Dirigent, der das Symphonieorchester des BR schon seit 50 Jahren kennt und liebt. 1970 erlebte Rattle als Teenager das Orchester unter der Leitung von Rafael Kubelik während einer England-Tournee in Liverpool. Das Konzert hinterließ einen tiefen Eindruck auf den 15-Jährigen, der sich in den Kopf gesetzt hatte, Dirigent zu werden.

"Da war so eine starke Verbindung zwischen Dirigent und Musikern zu erleben: Nicht nur strahlten sie pure Freude beim Spielen aus, es schien als würden hier alle gleichgesinnt und mit derselben Philosophie musizieren. Dieses Konzert wurde für mich zu einer Art Maßstab für etwas, das man als Musiker erreichen möchte." Sir Simon Rattle, neuer Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters

BR-Intendant Wilhelm spricht von zukunftsweisendem Signal

Aber erst 40 Jahre später, im Jahr 2010, stand Rattle zum ersten Mal am Pult des Orchesters. Und erinnert sich heute, dass er wie 1970 genau diesen "Spirit" gespürt habe.

BR-Intendant Ulrich Wilhelm sieht in der Verpflichtung Rattles ein wichtiges, zukunftsweisendes Signal, "gerade in einer Zeit, in der die Kunst mit nicht für möglich gehaltenen Einschränkungen durch die Pandemie zu kämpfen hat". In der Rundschau im BR Fernsehen fügte Wilhelm hinzu: "Sir Simon Rattle ist sehr innovativ, er ist jung geblieben." Außerdem habe er ein sehr gutes, enges Verhältnis zum BR-Symphonieorchester. Man habe in den vergangenen Jahren Wert gelegt auf eine wiederholte Zusammenarbeit. Die Reaktion des Publikums sei jeweils "überwältigend" gewesen. "Der Pegel des Beifalls hat gezeigt, das wäre ein Match, für beide Seiten von glückhafter Art."

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Einer der renommiertesten Dirigenten der Welt übernimmt die Leitung des BR-Symphonieorchesters: Sir Simon Rattle. "Ein Match beglückender Art für beide Seiten", sagt BR-Intendant Ulrich Wilhelm im Interview mit dem Rundschau Magazin.

Rattle hat Pläne für das neue Konzerthaus

Am 19. Januar wird Simon Rattle 66 Jahre alt. Ist er zu alt für den neuen Job, den er obendrein erst in zweieinhalb Jahren antreten wird? Mitnichten, der Mann aus Liverpool hat Pläne, unter anderem für das geplante neue Konzerthaus in München. Dem Freistaat Bayern will er seine Unterstützung anbieten, um dieses Projekt zu verwirklichen.

"Es wird dem Symphonieorchester des BR das Arbeitsumfeld bieten, das es verdient, und für viele andere Musikerinnen und Musikern aus München, Bayern und darüber hinaus eine 'Heimat' sein. In der Zwischenzeit werden wir die Vermittlungsarbeit des Orchesters weiter ausbauen, sowohl im Werksviertel Mitte, wo der Saal entstehen wird, als auch in vielen anderen Gemeinden in ganz Bayern." Sir Simon Rattle, neuer Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters

Gemeinsame Proben im Sommer 2020

Dass Rattle schon lange als absoluter Wunschkandidat des Orchesters galt, entging aufmerksamen Beobachtern nicht. Denn gleich zweimal innerhalb weniger Wochen im Sommer 2020 kam der britische Dirigent für Proben und Konzerte nach München. Simon Rattle und das BR-Symphonieorchester – Beziehungsstatus "verliebt".

"Die Menschlichkeit macht dieses Orchester so besonders. Die Wärme und Zärtlichkeit – es fasziniert mich total, zu einem so anderen großen Orchester zu kommen als die Berliner Philharmoniker sind und zu begreifen, wie viele verschiedene Deutschlands es gibt." Sir Simon Rattle, neuer Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters

Ein Chefdirigent mit Charisma und Leidenschaft

Mit 16 Jahren begann Rattle in London Klavier, Schlagzeug und Dirigieren zu studieren. Das City of Birmingham Symphony Orchestra entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem international gefragten Klangkörper. Von 2002 bis 2018 war Rattle Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, seit 2017 leitet er das London Symphony Orchestra.

"Es ist uns ein Herzensanliegen, gemeinsam auf dem musikalischen Vermächtnis unseres verstorbenen Chefdirigenten Mariss Jansons aufzubauen und sein Lebensprojekt, das neue Konzerthaus München, zu realisieren und mit Leben zu füllen." Vorstand Symphonieorchester des BR

Schließlich ist der Wahl-Berliner nicht nur ein Weltklasse-Dirigent, er kann auch (kultur-)politisch Dinge bewegen. So wird wohl sein Name selbst jenen bayerischen Politikern etwas sagen, die sich kaum oder gar nicht für Kultur interessieren. Sein Charisma und seine Leidenschaft dürfte Rattle nun in Bayern einsetzen, für die klassische Musik und für ein Konzerthaus für ganz Bayern. Wer Rattle mit dem BR-Symphonieorchester erleben will, muss übrigens nicht bis zur Saison 2023/24 warten: Zu seinen nächsten Proben und Konzerten, die nur per Livestream zu sehen sind, kommt Rattle bereits im März wieder an die Isar.

BR Klassik-Redaktionsleiter Neuhoff: "Die Chemie stimmt für beide Seiten"

BR-Musikkritiker Bernhard Neuhoff sieht in der Verpflichtung Rattles einen Gewinn für beide Seiten. Rattle sei einer der ganz großen Stars und künstlerisch in dieser Preisklasse der Beste, sagte er im Gespräch mit B5 aktuell. Er habe in München aber auch schon 2010 sofort das Gefühl gehabt, verstanden zu werden - das habe er in Berlin nicht immer gehabt. In München habe die Chemie für beide Seiten wunderbar gestimmt.

Im Unterschied zu vielen anderen sehr teuren internationalen Spitzendirigenten spiele Rattle nicht immer nur klassisches, romantisches Standardrepertoire, sondern sei unglaublich neugierig und habe einen breiten Horizont.

Außerdem sei Rattle jemand, der Brücken baue und die Menschen begeistern könne. Das sei auch politisch ganz wichtig - auch in Hinblick auf den Bau des neuen Konzerthauses in diesen schwierigen Zeiten.

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BR Musikkritiker Bernhard Neuhoff im Gespräch mit Linda Sundmäker

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