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BR-Sternstunden: Haus der Kleinen Spatzen in Naila entsteht | BR24

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In Naila entsteht mit der Hilfe der BR-Sternstunden das "Haus der kleinen Spatzen".

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BR-Sternstunden: Haus der Kleinen Spatzen in Naila entsteht

In Naila entsteht gerade ein Haus, in dem kleine Kinder Schutz finden: das Haus der Spatzen. Es soll ein Ort werden, in dem Sicherheit, Geborgenheit und Hilfe geboten werden. Die BR-Sternstunden helfen mit 600.000 Euro.

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Von
  • Markus Feulner

Für Dieter Oelschlegel ist es ein Herzensprojekt. Angefangen hatte alles vor Jahren mit einem Buch. Darin beschrieb die Autorin ihre Kindheit, die von Gewalt und Mißbrauch geprägt war. Diese Lebensgeschichte ließ den Sozialpädagogen nicht mehr los. Es reifte in ihm der Gedanke einen Schutzraum für kleine Kinder zu bauen. Wo sie sicher und geborgen sein können und wo ihnen geholfen werden kann. Daraus wurde das "Sternstunden Haus der Kleinen Spatzen".

Haus soll Kindern Schutz bieten

Noch ist es nicht fertig. Doch Dieter Oelschlegel beschreibt es mit leuchtenden Augen. Es soll ein fröhliches, buntes Haus werden, im Grünen. Mit lichten Therapieräumen, eigenen Zimmern für jedes Kind und einem Spielplatz. Dabei geschützt und nicht für jeden zugänglich. Denn die Gefahr besteht, dass Eltern oder Angehörige die darin untergebrachten Kinder mit Gewalt wieder zu sich holen wollen.

Kinder und Eltern verbringen unter Aufsicht Zeit miteinander

Dabei ist die Grundidee, dass Kinder und Eltern tatsächlich wieder zusammenfinden sollen – wenn es möglich ist. Dafür sind verschiedene Programme vorgesehen bis hin zu begleitetem Umgang. Das heißt die Kinder und ihre Eltern verbringen Zeit miteinander unter Aufsicht eines Pädagogen aus dem Spatzenhaus.

"Natürlich sollen die Kinder im Idealfall wieder zu ihren Eltern zurückkehren. Doch das geht nicht immer. Dann suchen wir eine Pflegefamilie oder die Kinder bleiben unter Obhut." Dieter Oelschlegel, Diakonie Martinsberg

In das Haus einziehen sollen Kinder, die missbraucht worden sind – seelisch oder körperlich – oder vernachlässigt wurden. Im Alter zwischen Null und sechs Jahren. Kinder, die dann vom jeweils zuständigen Jugendamt in Obhut genommen worden sind. Im "Sternstunden Haus der kleinen Spatzen" werden sie dann betreut. Für sieben Kinder ist hier Platz, Pädagogen, Psychologinnen und Erzieher kümmern sich um die Kinder. Wichtig ist dabei, dass die Kinder feste Strukturen bekommen, wieder Vertrauen lernen.

Das soll die Betreuung gewährleisten. Aber auch im Haus sollen die Kinder optische Orientierung erhalten. Ihre Zimmer haben eine bestimmte Farbe ebenso wie ihre eigenen Möbel und Geräte: vom Stuhl bis zum Handtuch.

Fälle von Kindesmissbrauch sind gestiegen

Der Bedarf für Einrichtungen wie das "Sternstunden Haus der Kleinen Spatzen" in Naila ist da. Die Zahl der sogenannten Kindeswohlgefährdungen ist von 2018 auf 2019 um zehn Prozent auf 55.000 gestiegen. Jedes zweite Kind davon ist unter acht Jahren. Die Hauptursache ist dabei Überforderung der Eltern, oftmals sind es Alleinerziehende. Diese Überforderung wirkt sich unterschiedlich aus: Am häufigsten ist es Vernachlässigung gefolgt von psychologischem Missbrauch. In 27 Prozent der Fälle kommt es zu körperlicher, bei fünf Prozent sogar zu sexueller Gewalt.

"Die Kinder, die hier untergebracht werden, stammen nicht aus der Umgebung, sondern aus anderen Regionen. Das gebietet auch die Sicherheit der Kinder." Dieter Oelschlegel, Diakonie Martinsberg

Die Arbeit mit derart traumatisierten Kindern ist schwer, weiß Dieter Oelschlegel. Als Leiter der Diakonie Martinsberg mit dem Kinder- und Jugenddorf hat er darin viele Erfahrungen gesammelt. Umso mehr freut es ihn, dass für das "Sternstunden Haus der kleinen Spatzen" siebeneinhalb Vollzeitstellen geschaffen werden konnten. Er hat sogar schon Bewerbungen dafür, gutes Fachpersonal sei schwer zu bekommen.

Eröffnung im Frühsommer 2021

Im Frühsommer nächsten Jahres soll das "Sternstunden Haus der kleinen Spatzen" in Naila eröffnet werden. 900.000 Euro wird das Projekt kosten, 600.000 Euro hat Sternstunden dazu gegeben.

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Im Kinder- und Jugenddorf Martinsberg finden Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren ein neues Zuhause, wenn sie nicht mehr in ihrem eigenen bleiben können. In Zukunft soll es auch ein Haus für Kleinkinder geben.

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