BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Krise: Mehr Unterstützung für Unternehmen und Familien | BR24

© BR

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will in der kommenden Woche die in der Corona-Krise zulässigen Besucherzahlen für Kunst- und Kulturveranstaltungen verdoppeln.

53
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Krise: Mehr Unterstützung für Unternehmen und Familien

Corona-Beschränkungen - Kurzarbeit: Die Krise hat die bayerische Wirtschaft schwer getroffen. Der Freistaat und die Bundesregierung haben Sofortprogramme aufgelegt. Doch: Welche langfristigen Folgen hat Corona für die Wirtschaft und das Sozialleben?

53
Per Mail sharen

Die EU verhandelt derzeit über einen 750 Milliarden Euro schweren Plan, der die schwer getroffene Wirtschaft in Europa ankurbeln soll. Die Bundesregierung hat heute ein weiteres Programm des Bundes mit Milliardenhilfen für angeschlagene kleine und mittelständische Unternehmen gestartet. Wird das Firmen vor der Insolvenz bewahren und Arbeitsplätze sichern? Wie hat sich unser Familienleben in Zeiten von Corona verändert und welche sozialen Folgen hat die Pandemie? Dazu gab es am Mittwochabend eine Sondersendung des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung des BR-Chefredakteurs Christian Nitsche.

Corona-Schock für die Familien

Ein dicker Themenkomplex musste abgearbeitet werden. Erster Schwerpunkt war dabei die Familie. Home-Office für die Mutter, Überstunden für den Vater und nebenbei noch die Kinder im Home-Schooling betreuen: Viele Familien kamen dabei an ihre Leistungsgrenze. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, fordert deshalb, so schnell wie möglich die Kindertagesstätten und die Schulen wieder zu öffnen, um für die Familien Entlastung zu bringen. Vor allem auch Alleinerziehende bräuchten jetzt eine besondere Unterstützung, so die Präsidentin des VdK Sozialverbandes.

"Ich glaube noch nicht, dass das alles vorbei ist", dämpft der bayerische Ministerpräsident die Hoffnungen. Die Belastung sei eine enorme Herausforderung, doch im Vergleich zu anderen Ländern habe Deutschland weniger Einschränkungen gehabt. Die derzeitigen Zahlen in Nachbarstaaten würden ein beunruhigendes Bild zeigen, viel käme jetzt auf den Herbst an, wie sich bis dahin die Zahlen entwickelten. "Wir werden versuchen, es so sensibel wie möglich zu machen, den Regelbetrieb für Schulen und Kitas zu ermöglichen mit höchster Vorsicht", so Söder weiter. Zudem gebe es viele Hilfsangebote. Ob die jedoch reichen werden, werde man sehen. Wichtig sei, die Arbeitsplätze zu sichern und deshalb müsse nun das Konjunkturpaket so schnell wie möglich umgesetzt werden. Damit kämen auch schnell Hilfen für Familien.

Gleichzeitig dürfe aber die Frau nicht wieder in ihre traditionelle Rolle von Hausfrau und Mutter gedrängt werden, warnte Bentele. Einen Rückschritt könne sich ein Land wie Deutschland nicht erlauben, hier die weibliche Expertise zu verlieren und auch den weiblichen Blickwinkel, sagte die VdK-Präsidentin. Man müsse jetzt darüber nachdenken, wie Frauen in der Kindererziehung oder in der Pflege gut unterstützt werden könnten, damit sie Karriere und Familie vereinbaren könnten.

Pflege muss besser bezahlt werden

Den vielzitierten Kritikpunkt, dass Klatschen für Pflegekräfte alleine nicht reiche, unterstrich Ministerpräsident Söder. Neben dem Pflegebonus der Bundesregierung und dem Pflegebonus des Freistaates müsse nun generell eine bessere Ausbildung und Bezahlung von Beschäftigten in der Pflege folgen. Die Akademisierung sei ein Punkt, um den Beruf einen besseren Stellenwert zu geben.

"Es muss eine große Pflegereform im Herbst geben und da muss auch mehr Geld kommen. Der Beruf braucht nicht nur die verbale Anerkennung, sondern das muss nun auch mit Fakten unterlegt werden. Da ist Geld ein zentraler Bestandteil." Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

"Generation Corona"

Was passiert mit den Jugendlichen, die in diesem Jahr ihren Abschluss gemacht haben? Kann es sein, dass sie jetzt auf der Straße stehen ohne Perspektive? Schon jetzt wird davon gesprochen, dass aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage ein Zehntel aller Lehrstellen wegfallen könnte. Im Hinblick darauf fordert Verena Bentele Solidarität unter den Unternehmen. Die "Generation Corona" jetzt nicht zu verlieren, sei eine riesige Aufgabe. Große Firmen, wie beispielsweise BMW, müssten in einer solchen Situation einspringen und Angebote für junge Leute bieten, wenn es mittelständische Firmen derzeit nicht in dem Maße könnten wie noch im vergangenem Jahr.

Weitere Öffnungen für Kulturstätten

Volker Heißmann, ebenfalls Gast der Diskussionssendung und bekannt als ein Part des Komikerduos "Waltraud und Mariechen", aber auch als Theaterdirektor in Fürth, machte eindringlich auf die schwierige Situation von kulturellen Einrichtungen aufmerksam. Allein in seinem Theater sei die Situation der 90 Angestellten unsicher. Die streng begrenzte Zahl an Publikum mache es unmöglich, Vorstellungen rentabel aufzuführen. Es sei ungerecht, dass Künstler vor 200 Besuchern im Freien spielen dürften, in einem Biergarten in München aber 4.000 sitzen dürften. "Wir wollen spielen, wir wollen arbeiten", so der Appell von Volker Heißmann.

Der bayerische Ministerpräsident kündigte weitere Lockerungen in diesem Bereich an.

"Wir haben in dieser Woche entschieden, dass wir generell die Besucherzahlen von Veranstaltungen erhöhen. Wir werden nächste Woche vorschlagen, dass für die Kultur noch einmal zu verdoppeln: 200 innen und 400 außen." Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

Vernunft und Lebensfreude seien definitiv kein Widerspruch. Aber manche Menschen würden dies nicht ernst nehmen. Söder betonte, er sei dankbar, dass Städte wie Nürnberg am Wochenende erste Maßnahmen ergreifen würden, um die Partyszene zu entzerren.

Mehr sozialversicherungspflichtige Jobs schaffen

Angesichts der vor allem für Soloselbständige schweren Situation würde sich jetzt auch die Chance bieten, mehr sozialversicherungspflichtige Jobs zu schaffen, so Verena Bentele. Noch immer sei es vor allem für diese Menschen eine Hürde, die staatlichen Mittel anzunehmen. Söder machte noch einmal auf das neu gestartete Hilfsprogramm für die Wirtschaft und speziell auch für Kulturschaffende und Soloselbstständige aufmerksam. Hier kämen weitere Hilfen, die in Anspruch genommen werden könnten.

Schockwelle für die bayerische Autoindustrie

BMW-Chef Oliver Zipse sprach in der BR-Sondersendung am Mittwochabend von einer schwierigen Zeit, durch die sein Unternehmen relativ gut gekommen sei. Er persönlich sei sich der Verantwortung bewusst, was dies für die Zukunft, für das Unternehmen, das Geschäftsmodell und für die Mitarbeiter heiße.

"BMW hat zehn sehr gute Jahre hinter sich, wir haben zehn Jahre Wachstum in Deutschland und weltweit gehabt und es konnte vielleicht auch nicht immer so weitergehen." Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender BMW AG

Jetzt sei dieser heftige Einschlag gekommen und in einer solchen Situation denke man darüber nach, ob man wirklich alles richtig gemacht und sich richtig positioniert habe, so Zipse.

Doch schon vor der Krise hätte die Automobilbranche ein Problem gehabt, den Übergang vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität zu schaffen, meint die Wirtschaftsweise Prof. Monika Schnitzer in der Sendung. Hier müsse man zugegeben, dass dies nicht mit letzter Konsequenz verfolgt worden sei.

"Die Tatsache, dass Tesla heutzutage mehr wert ist als Daimler, BMW und VW zusammen, zeigt, wohin die Reise geht und wie der Markt das einschätzt." Prof. Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise

Die Automobilbranche sei bereits mit einem Handicap in die Krise gegangen. In der Krise hätten dann die Unternehmen einbrechende Exporte erlebt und das sei nun die Kehrseite der Medaille gewesen, denn davor gingen 60 Prozent aller Fahrzeuge in den Export. Der nötige Wandel sei bei der Automobilbranche angekommen. Nachhaltiges Fahren könnte nun den Sprung aus der Krise sein. Bayern wolle sich jedoch auch verstärkt um die Zulieferbranche kümmern, denn die sei derzeit am stärksten von der Krise betroffen, erklärte Söder.

Söder sichert Hilfe für Zulieferbetriebe zu

Vor allem die Zulieferbetriebe seien nach Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten stark betroffen. Demnächst soll ein Krisenteam mit Beteiligten aus allen Ministerien zusammenkommen, um jeden Betrieb zu analysieren. Große Sorgen bereiteten Söder vor allem auch die Banken, die Mittelständlern trotz zugesicherten Hilfsgeldern keine Kredite gewähren würden. Zudem müsse noch einmal darüber nachgedacht werden, die Insolvenzordnung zu verlängern.

Licht am Ende des Tunnels

Der Vorstandsvorsitzende der BMW AG betonte noch einmal, dass eine Kaufprämie nicht nötig sei.

"BMW hat 25 Prozent des Volumens verloren, aber wir glauben auch, dass da Licht am Ende des Tunnels ist." Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender BMW AG

Das bedeute noch nicht, dass die Krise vorüber sei, so Zipse, aber der Juni sei schon bedeutend besser gewesen und gleichzeitig sei im ersten Halbjahr der Umsatz mit der Elektromobilität gewachsen, und zwar gegen die Krise. Der BMW-Chef äußerte seine Sorge über mögliche Folgen, wenn der Aufschwung nicht deutlich in den nächsten ein bis zwei Jahren käme. Dann, so Zipse, werde dass der eine oder andere Lieferant aufgrund der dünnen Kapitaldecke nicht überstehen.

Zeit für die High-Tech-Agenda

Die bayerische Regierung werde jetzt darüber diskutieren, die langfristig angelegte High-Tech-Agenda schneller umzusetzen. Im September werde bereits darüber entschieden. Viele Länder hätten den Austausch oder die Einreise von Wissenschaftlern und High-Potentials beschränkt. Das sei eine Gelegenheit, kluge Köpfe in den Freistaat zu holen. "Jetzt muss der Forschungsmotor mit unglaublicher Wucht gefördert werden", so der bayerische Ministerpräsident.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!