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BR-Interview: Huml zufrieden mit Corona-Impfstart in Bayern | BR24

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Bayerns Gesundheitsministerin Huml hat eine knappe Woche nach Beginn der Corona-Impfungen eine insgesamt positive Bilanz gezogen. Sie nannte es positiv, dass in Bayern eine so hohe Bereitschaft herrsche, sich impfen zu lassen.

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BR-Interview: Huml zufrieden mit Corona-Impfstart in Bayern

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat eine knappe Woche nach Beginn der Corona-Impfungen im Freistaat eine insgesamt positive Bilanz gezogen. Derweil wächst die Kritik an der Impfstrategie der Bundesregierung.

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  • Andreas Agler

Knapp eine Woche nach Beginn der Corona-Impfungen im Freistaat hat Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml eine eine insgesamt positive Bilanz gezogen. Die CSU-Politikerin bedauert, dass Termine wegen fehlenden Corona-Impfstoffes abgesagt werden mussten. Das sei sehr, sehr schade und habe die Menschen verunsichert, so die Minsterin. "Es ist eine große Impfbereitschaft da und die müssen wir wirklich nutzen", so Huml im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Neue Impfdosen erwartet

Huml begrüßte es, dass am 8. Januar neue Impfdosen nach Bayern geliefert werden sollen. Es sei enorm wichtig, "dass wir hier noch mehr und das vor allem regelmäßig bekommen", so die Ministerin, denn die bayerischen Impfzentren mit ihren Teams stünden bereit.

Tausende bereits geimpft

Zu dem Vorwurf der Leopoldina, es seien nicht genug Impfdosen bestellt worden, verwies Huml hinsichtlich der Impfstoff-Beschaffung auf die Zuständigkeit des Bundes. Außerdem würden Impfstoffe von anderen Herstellern nachkommen, so Huml.

Die Ministerin betonte zudem den großen logistischen Aufwand. Bereits bis zum Silvesterabend seien mehr als 43.000 Menschen in Bayern gegen Corona geimpft worden. Hier seien die Zahlen der Impfzentren aber noch gar nicht enthalten. Insgesamt sei der Impfauftakt in Bayern aber "gut gelaufen" - auch wenn es mancherorts Probleme bei der Kühlung gegeben habe.

Hälfte des Impfstoffes in Reserve

Huml erklärt, dass die Hälfte des Impfstoffes momentan zurückgestellt werde, damit auch die zweite Impfung zuverlässig durchgeführt werden könne, auch wenn es wieder zu Lieferschwierigkeiten kommen sollte.

Die Ministerin betonte, dass zuerst alte und kranke Menschen in den Heimen geimpft würden. Höchste Priorität hätten jetzt die mobilen Teams. Aber auch über 80-Jährige, die zuhause leben, würden schon in einzelnen Landkreisen per Brief angeschrieben.

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Im Schaltgespräch mit Rundschau-Moderator Stefan Scheider zeigt sich die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml mit dem bisherigen Verlauf der Corona-Impfungen trotz kleinerer Probleme insgesamt zufrieden.

Kritik an Impfstrategie der Bundesregierung wächst

Es mehren sich aber auch die Stimmen, die Kritik an der Strategie der Regierung üben. Ein Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina warf der großen Koalition schwere Versäumnisse bei der Beschaffung des Impfstoffs vor. Die Leopoldina-Neurologin Frauke Zipp betonte: "Ich halte die derzeitige Situation für grobes Versagen der Verantwortlichen." Es habe im Sommer Angebote für mehr Impfstoff gegeben, sagte sie der "Welt". "Wir hätten sie jetzt zur Verfügung." So habe etwa Biontech im Spätsommer wesentlich mehr Impfdosen angeboten. Die Leopoldina gehört zu den wichtigsten Beratern der Regierung in der Pandemie.

SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese griff Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) scharf an: "Ich bin derzeit schon entsetzt über Jens Spahn", sagte er t-online. "Er muss als zuständiger Minister endlich seinen Aufgaben nachkommen und die offensichtlichen Probleme unverzüglich in den Griff bekommen."

Die Linksfraktion fordert eine Regierungserklärung des Gesundheitsministers im Bundestag. "Es muss aufgearbeitet werden, warum der Impfstoff zu knapp ist und wo geschlampt wurde", sagte der parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte der Deutschen Presse-Agentur. Spahn müsse auch erklären, wie die Kapazitäten schnellstens erhöht werden könnten.

Spahn weist Kritik zurück - und wirbt für Verlängerung des Lockdowns

Spahn wies die Kritik an der Corona-Impfkampagne in Deutschland zurück. "Es läuft genauso, wie es geplant war", sagte er in der Nachrichtensendung "RTL Aktuell". 1,3 Millionen Dosen Impfstoff seien bis Jahresende an die Bundesländer ausgeliefert worden. Bis Ende Januar würden weitere vier Millionen Dosen des Biontech-Pfizer-Impfstoffs hinzukommen. In der Debatte über eine Verlängerung des bundesweiten Lockdowns sprach sich Spahn für eine Beibehaltung der Maßnahmen über den 10. Januar hinaus aus. Auch Schulen und Kitas sollen dem Minister zufolge weiter geschlossen bleiben. Die Ministerpräsidenten der Länder beraten am Dienstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weiter Vorgehen.

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War es ein gelungener Impfstart oder hat die Bundesregierung schwere Fehler gemacht? Ein Mitglied der Leopoldina wirft den Verantwortlichen grobes Versagen vor, weil sie nicht mehr Impfstoff auf Risiko bestellt hätten.

Virologin: Mehr Impfdosen aus Impfstoff-Konzentrat gewinnen

Die Münchner Virologin Ulrike Protzer hat sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie dafür stark gemacht, den vorhandenen Impfstoff besser auszunutzen. "Was man vielleicht noch machen könnte: Man kann aus einer Ampulle dieses Impfstoffes nicht nur fünf, sondern sechs Dosen gewinnen. Das wären schon mal 20 Prozent mehr", sagte die Professorin von der Technischen Universität München am Samstag dem Bayerischen Rundfunk.

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Die Kritik an dem Bestellmodell der EU und vor allem Deutschlands an Impfdosen mehren sich. Dem tritt die Virologin Ulrike Protzer von der TU München entgegen.

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