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BR-Intendant Ulrich Wilhelm: "Zehn Jahre waren eine gute Zeit" | BR24

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BR-Intendant Ulrich Wilhelm wird nach zehn Jahren im Amt nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Im Interview mit BR24 erläutert er seine Beweggründe. Und verspricht, dass der BR seinem Auftrag auch unter einem Nachfolger treu bleibt.

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BR-Intendant Ulrich Wilhelm: "Zehn Jahre waren eine gute Zeit"

Ulrich Wilhelm hört 2021 als Intendant auf. Er hat vor allem den Umbau des BR zu einem multimedialen Medienhaus und die Regionalisierung vorangetrieben. Kunst, Kultur und Brauchtum bleibe als Schwerpunkt erhalten: "Das macht den BR aus", so Wilhelm.

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Die Frage stand seit einiger Zeit im Raum: Kandidiert Ulrich Wilhelm für eine dritte Amtszeit als Intendant bei dem Sender, bei dem er vor über 30 Jahren - während seines Jura-Studiums und vor seiner Zeit in der Politik - als freier Mitarbeiter begonnen hatte? Lange hat der gebürtige Münchner - immer mit einem Lächeln im Gesicht - eine Antwort vermieden. Zwei Tage nach seinem 59. Geburtstag ging er von sich aus in die Öffentlichkeit: Mit dem Ende seiner Amtszeit im Februar 2021 schließt er das Kapitel Bayerischer Rundfunk.

"Was mich bewogen hat, jetzt doch aufzuhören, ist das Thema: Was ist das rechte Zeitmaß in einem öffentlichen Amt? Ich glaube, 15 Jahre ist zu lang. Es ist Zeit, gerade in dieser schnelllebigen digitalen Welt für frische und neue Ideen. Dass ich zehn Jahre arbeiten durfte für dieses Haus, ist eine tolle Zeit gewesen. Ich bin dankbar dafür", Ulrich Wilhelm, BR-Intendant

Trimedialer Umbau des BR

2011 war Ulrich Wilhelm erstmals zum Intendanten gewählt worden. Nach einer halbjährigen Karenzzeit, die er seiner fünfjährigen Tätigkeit als Sprecher der Bundesregierung unter Angela Merkel folgen ließ. Trotzdem wurde der Wechsel vom Regierungssprecher zum Chef einer öffentlich-rechtlichen Anstalt medial kritisch begleitet. Allerdings gab Wilhelm dieser Kritik keine Nahrung. Wiedergewählt wurde er 2015 ohne Gegenkandidaten. Von Anfang an betrieb Wilhelm den trimedialen Umbau des BR. Hörfunk, Online und Fernsehen arbeiten jetzt gemeinsam miteinander und nicht mehr getrennt voneinander.

Mit Ulrich Wilhelms Ausscheiden fragen sich viele, ob sich die Themen des Bayerischen Rundfunks ändern könnten. Diese Befürchtungen entkräftete Wilhelm. Der Schwerpunkt für Kunst, Kultur und Brauchtum im BR werde auf jeden Fall erhalten bleiben. "Das macht den BR aus", sagte Wilhelm.

"Der BR steht hervorragend da. Gerade in Zeiten von Corona haben wir unsere Aufgabe hervorragend erfüllen können mit enormen Zuwächsen. Wir erreichen neue Publika als vor zehn Jahren. Wir haben neue Produkte, u.a. BR24, BR Heimat. Viele Ideen sind am Glühen. Was mich besonders freut, das war keine einsame Idee von mir, sondern wir haben das gemeinsam ausgearbeitet in einem Prozess, wo sich wirklich tausend Mitarbeiter und mehr auch in ihrer Freizeit engagiert haben im Nachdenken über die Zukunft und das wird dauerhaft sein." Ulrich Wilhelm, BR-Intendant

Neubau in Freimann

Abgeschlossen wird der Wandel zu einem multimedialen Sender mit dem Umzug in den gerade entstehenden Neubau im Münchner Norden. Auch die noch stärkere Regionalisierung in der Berichterstattung des BR fällt in Wilhelms Amtszeit. Während der er auch turnusgemäß zwei Jahre als ARD-Vorsitzender fungierte und sich in dieser Position vehement für eine Beitragserhöhung einsetzte. Mit Erfolg. Nachdem die Landesrundfunkanstalten seit 2009 mit gleichbleibenden und sogar gesunkenen Einnahmen und damit automatisch verbundenen Sparmaßnahmen Programm gestalten müssen, soll der Beitrag im nächsten Jahr um 86 Cent steigen. Notwendig dafür ist noch die Zustimmung aller Landesparlamente.

Über seine eigene Zukunft macht Wilhelm derzeit noch keine Angaben.

"Das werde ich mir erst im kommenden Frühjahr überlegen. Ein Intendant hat neutral zu sein gegenüber allen Anliegen in der Gesellschaft. Würde ich jetzt schon eine Verpflichtung eingehen, wäre ich befangen gegenüber einem bestimmten Anliegen, für das ich vielleicht später tätig werde. Das darf nicht sein." Ulrich Wilhelm, BR-Intendant

Über Nachfolge entscheidet Rundfunkrat im Herbst

Noch bleiben Wilhelm rund sieben Monate im Amt. In denen er sich mit ganzer Leidenschaft für den BR einsetzen werde, wie er betont. In denen aber auch über seine Nachfolge diskutiert werden wird. Entscheiden wird darüber der Rundfunkrat – wahrscheinlich im späten Herbst dieses Jahres. Und eine Frage drängt sich hier schon jetzt auf: Nämlich die, ob auch der BR, die viertgrößte ARD-Anstalt, erstmals eine Frau an der Spitze haben wird. Im Moment werden drei der neun Landesrundfunkanstalten von Frauen geführt. Wilhelm selbst betont diese Option ausdrücklich. Für ihn stehe es außer Frage, so Wilhelm, dass der BR im März nächsten Jahres eine erstrangige Persönlichkeit als Intendantin oder Intendant haben werde.