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Borkenkäfer und Corona - Waldbauern fürchten verheerende Folgen | BR24

© BR/ Melanie Marks

Die Holzlager sind voll - wie hier in einem Sägewerk im Landkreis Miesbach

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Borkenkäfer und Corona - Waldbauern fürchten verheerende Folgen

Stürme, Borkenkäfer und jetzt auch noch Corona - die Waldbesitzer schlagen Alarm. Sie befürchten heuer massive Umsatzeinbußen. Derzeit bleiben sie und auch die Sägebetriebe auf ihrem Holz sitzen.

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Sie sind eine Einladung an den Borkenkäfer: Knapp einhundert Baumstämme, die am Straßenrand übereinander gestapelt sind. Seit zwei Wochen liegen sie da, bereit zum Transport. Nur abgeholt hat sie bislang keiner. Auch eine Folge der Coronakrise.

Die Furcht vor dem Borkenkäfer

Das Problem: Mitte April ist Flugsaison für den Schädling. Er gilt als einer der gefährlichsten Schädlinge innerhalb der Forstwirtschaft, kann auch gesunde Bäume befallen und ganze Bestände vernichten. Ziel der Waldbauern ist es deswegen, seine Ausbreitung zu verhindern. Schadholz, in dem sich der Käfer bevorzugt einnistet und vermehrt, tragen sie ab und bringen es in Sägewerke. Doch wegen der Corona-Pandemie stockt der Abtransport, denn die Grenze ist derzeit geschlossen, außerdem nehmen die Sägewerke keine Stämme mehr an. Die Folge ist, dass die Lager voll sind.

Österreich Hauptabnehmer für Rundholz

Ein Grund dafür sei der geschlossene Grenzübergang zu Österreich bei Bayrischzell, sagt Michael Lechner, der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen. Österreich ist einer der wichtigsten Abnehmer für bayerisches Rundholz. Mehr als 2 Millionen Festmeter hat der Freistaat im Jahr 2018 in das Nachbarland exportiert – so viel, wie in keinen anderen Staat. Das zeigen Daten des Bayerischen Forstministeriums. Viele bayerische Waldbauern liegen im direkten Einzugsgebiet der österreichischen Sägewerke.

Geschlossene Grenzübergänge verteuern den Transport

„Wenn jetzt so ein Grenzübergang wie Bayrischzell geschlossen ist“, sagt Lechner, „dann müssen die Frächter Umwege fahren.“ Und an den Übergängen, die noch geöffnet seien, stünden die Transporter im Stau. Das mache das Holz teurer. „Und dann“, so Lechner, „sagt der Sägewerker: ‚das ist mir zu teuer‘ und holt sein Holz woanders.“

Sägewerke stellen Produktion ein

Doch die erschwerten Transportbedingungen durch das Corona-Virus sind nicht das einzige Problem. Das wird 15 Kilometer weiter deutlich. Hier liegt das Sägewerk Pauls. Seit sieben Uhr morgens ist der Inhaber, Thomas Pauls, hier bei der Arbeit. Ein Stamm nach dem anderen wird durch die Schneidemaschine geschoben, die Bretter aufeinandergestapelt und zum Trocknen gebracht. Doch lange kann Pauls den Betrieb so nicht mehr aufrechterhalten, sagt er.

Vor allem bayerische Sägewerke bleiben auf Holz sitzen

Deutschlandweit macht die Corona-Pandemie den Sägewerken zu Schaffen. In einer Umfrage des Interessenverbands „Deutsche Säge- und Holzindustrie“ unter 110 Betrieben haben 70% angegeben, von den Maßnahmen gegen das Corona-Virus negativ betroffen zu sein. In Bayern lag der Anteil mit 80% besonders hoch. Das Sägewerk Pauls etwa liefert sein Schnittholz zu einem großen Teil nach Italien und an ein großes deutsches Möbelhaus. Doch beide nehmen aktuell keine Waren mehr an. Wenn sein Telefon gerade klingt, so Pauls, dann nur, weil jemand etwas loswerden möchte, nicht aber, weil er von ihm kaufen will. Pauls kann deswegen nur noch so lange produzieren, wie er noch Lagermöglichkeiten hat. Und die sind Ende der Woche wohl aufgebraucht. Neues Holz von Waldbauern – egal, ob Nadel- oder Laubholz – bestellt er da nicht.

Aufforderungen an die Politik

Mittlerweile haben deswegen verschiedene Stellen versucht, die Politik auf die Problematik aufmerksam zu machen. Die Waldbesitzervereinigung in Holzkirchen hat einen Brief an Landrat Wolfgang Rzehak und die Stimmkreisabgeordnete und Landtagspräsidentin Ilse Aigner gesendet. „Wirtschaftlich verheerende Folgen für unsere Waldbesitzer sind zu erwarten“, heißt es darin. Und in fett gedruckt: „Wir bitten sie daher eindringlich, alles zu unternehmen, dass unser Rundholz ohne Hindernisse bzw. Hemmnisse von Bayern nach Österreich fließen kann.“ Auch die „Deutsche Säge- und Holzindustrie“ hat ein Positionspapier herausgegeben. Sie fordert darin etwa, die Planungs- und Genehmigungsverfahren für Lagerkapazitäten zu vereinfachen. Und LKW sollen temporär mehr transportieren dürfen, um Fahrten zu reduzieren.

Reaktionen der Politik bislang spärlich

Angekommen sind diese Hilferufe. Das Bundesinnenministerium sagte auf die Forderung der Waldbauern, man prüfe das Anliegen. Doch jede Branche kämpfe aktuell mit den Transportbedingungen. Das Bayerische Forstministeriums betont, dass in Zukunft die Holz-Zwischenlagerung jenseits der anfälligen Fichtenwälder eine Rolle spiele. Man arbeite daran, Lösungen zu finden.

Doch fraglich bleibt, ob all das für die Waldbauern rechtzeitig greifen wird. Und so hoffen sie vor allem auf eines: Regen. Denn der könne den Borkenkäfer noch eine Weile länger in Schach halten.

© BR/ Melanie Marks

Überall in den Wäldern liegen derzeit Baumstämme - eine Einladung an den Borkenkäfer

© BR/ Melanie Marks

... doch weder Baumstämme noch Schnittholz können derzeit abtransportiert werden - die Grenzübergänge wie hier bei Bayrischzell sind geschlossen

© BR/ Melanie Marks

Sorgenvolle Miene beim Vorstand der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen, Michael Lechner

© BR/ Melanie Marks

... denn die Lager in den Sägewerken sind voll, sie können nichts mehr verarbeiten und weiter verkaufen