Ein Dach mit Solarmodulen.
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Die Firma Ikratos aus Weißenohe führt Wärmepumpen und Solaranlagen. Aktuell boomt die Branche. Es kommen viele Anfragen von Kunden herein.

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Wie der Boom von Solaranlagen einen Betrieb herausfordert

Vor mehr als 20 Jahren wurden sie belächelt – nun sind Betriebe für Solartechnik, Stromspeicher und Wärmepumpen gefragter denn je. Viele haben Wartelisten von mehr als einem Jahr: so wie die Firma Ikratos im oberfränkischen Weißenohe.

Bis zu 50 Mal am Tag bekommt die Firma Ikratos Anfragen für eine Solaranlage mit Stromspeicher oder auch eine Wärmepumpe. Auf diese Zukunftstechniken hat sich das Unternehmen spezialisiert. "Das ist gut das Vierfache von dem, was wir normalerweise bearbeiten", erklärt Firmengründer Willi Harhammer. Diese Wartezeiten muss er aber an die Kunden weitergeben. Vor einem Jahr hatte es drei Monate gedauert, bis die Monteure anrückten. Die Zeit hat sich nun ebenfalls vervierfacht.

Spezialisten fürs Dach und für die Technik

Das Warten liegt weniger an der Verfügbarkeit von Bauteilen oder Materialien. In diesem Bereich haben die Oberfranken gute Kontakte zu ausgewählten Zulieferern. Es liegt an den Fachkräften. Von solchen Pionieren wie Willi Harhammer, der gleich zwei Meistertitel trägt – als Heizungsbauer und im Elektrohandwerk – gibt es nämlich nicht mehr so viele. Fest steht allerdings auch: Solch "eierlegende Wollmilchsäue", wie Harhammer selber über sich sagt, brauche es gar nicht mehr. Denn in der Firma arbeiten jeweils Teams fürs Dach, für die Installation und für den Vertrieb.

"Ein Anfang ist gemacht"

Harhammer hat sogar eigene Berater im Betrieb, die sich um Fördermittel, Anmeldung bei den Energieversorgern oder Netzbetreibern und anderen bürokratischen Tücken auskennen. "Hier gibt es noch große Hürden, die die Politik aus dem Weg räumen könnte", erklärt Harhammer. Ein Anfang ist gemacht, die Signale der neuen Bundesregierung für Anfang 2023 gehen aus seiner Sicht in die richtige Richtung.

Etwa 600 Anlagen werden sie bei Ikratos in diesem und im nächsten Jahr installieren – mehr gehe mit dem gut 50-köpfigen Team nicht. Und das wollen sie auch nicht, sonst wird das Geschäft für den Handwerksbetrieb unüberschaubar und damit unkalkulierbar. Zudem sind die Weißenoher auch nur in der umliegenden Region unterwegs – auch das sei letztendlich ein Beitrag zum Klimaschutz.

Kunden sind vor allem private Haushalte

Bisher sind 80 Prozent der Kunden private Haushalte oder Bauherren, so wie zum Beispiel Werner Hirmke. Der hat auf seinem neuen Haus nun eine entsprechende Photovoltaik-Anlage mit Speichermodul. "Kein Heizöl, kein Gas mehr, nicht einmal Hackschnitzel brauche ich – gerade bei der momentanen Lage bin ich richtig froh, so entschieden zu haben", freut sich der Hausbesitzer, der im Alter von 82 Jahren noch einmal neu gebaut hat – und lange kein Freund der Solartechnik war. Doch viele Kunden rüsten eine Anlage nach, um autarker und unabhängiger von Energieversorgern zu sein. Auch Wärmepumpen werden hier immer interessanter, auch wenn das in jedem Einzelfall genau geprüft werden muss, ob das sinnvoll ist, erklären die Heizungsexperten.

Energiegesetze müssen flexibler werden

Auch Gewerbekunden schauen immer mehr auf ihre eigene Wärme- und Energieversorgung. "Da werden noch deutlich mehr Anfragen auf uns zukommen", ist sich Willi Harhammer sicher. Dafür müssten aber flexiblere Rahmenbedingungen vom Gesetzgeber geschaffen werden, etwa dass der Strom vom Dach einer großen Werkshalle auch vom Nachbarn genutzt werden darf. Das verhindern die derzeitigen Energiegesetze noch, auch bei großen Wohnanlagen. Zum Teil verpufft der Solarstrom aber noch im Nirvana. Da sei noch viel aufzuholen.

Die kurzfristige Lösung der Wärme- und Energieversorgungen für den kommenden Winter können Solartechnik und Co. nicht bieten. Aber auf dem Weg der Energiewende sind sie ein wichtiger Baustein.

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Vor mehr als 20 Jahren wurden sie belächelt – nun sind Betriebe für Solartechnik und Wärmepumpen gefragter denn je.

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