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Werden die Alpen mit E-Bikes überrollt? | BR24

© BR/Georg Bayerle

Kampf um die Berge: Der neue Boom der E-Mountainbikes

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Werden die Alpen mit E-Bikes überrollt?

"Kein Weg ist zu steil; der Gipfel ist das Ziel" – so der Slogan eines Motorenherstellers für E-Mountainbikes. Hatte sich der Konflikt zwischen Bergradlern und Wanderern in den vergangenen Jahren beruhigt, so ist er jetzt wieder offen ausgebrochen.

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Innerhalb von zwei Jahren hat sich das E-Mountainbiken in einem ungeahnten Ausmaß entwickelt. Allein im vergangenen Jahr wurden 250.000 elektrisch unterstützte Mountainbikes in Deutschland verkauft - das waren mehr Bergfahrräder mit Motor als ohne. Die Diskussionen über diesen Boom sind jetzt voll entbrannt.

Leihfahrräder gehen weg wie warme Semmeln

Vormittags um 10 Uhr kriegt man derzeit kaum mehr ein E-Mountainbike in den Verleihgeschäften in Garmisch-Partenkirchen. Der Chef des "Bikecenters", Gerald Pickert, ist schon lange im Geschäft – eine solche Woge wie jetzt mit den E-Mountainbikes hat er noch nie erlebt.

Zwischen 2.000 und 4.000 Euro muss man bezahlen für so ein Gefährt, wenn man es kauft, rund 40 Euro beträgt die Leihgebühr für den Tag. Wurden 2017 etwas mehr als 100.000 E-Mountainbikes in Deutschland verkauft, so waren es 2018 weit mehr als doppelt so viele.

Das Geschäft brummt und die Hersteller entwickeln am laufenden Band neue Modelle. Aktuelle Modelle, mit einer Leistung von 500 Wattstunden, bewältigen eine 20%-ige Steigung mit 25 km/h. Mehr ist auch nicht erlaubt.

Neue Mobilität verändert Bergsport

Dass die Alpen überrollt werden, ist die Befürchtung von Friedl Krönauer, dem Mountainbike-Experten des Bund Naturschutz. Die neue Spezies "mit dem mobilen Lift unterm Hintern" verdrängt die "gstandenen" Bergradler in immer entlegenere Bereiche.

Dank des Motors sind natürlich immer größere Reichweiten möglich und die Nutzungsintensität steigt massiv. Der tödliche Unfall eines E-Mountainbikers abends um halb neun am Rabenkopf bei Kochel zeigt außerdem, wie die neue Mobilität den Bergsport auch zeitlich ausdehnt.

Bayern verfügt dabei über eine der freizügigsten Regelungen für die Nutzung der Natur: Die E-Bikes gelten als Fahrräder, die auf geeigneten Wegen fahren dürfen.

Der Deutsche Alpenverein druckst herum

Der Alpenverein versucht bisher, um eine klare Positionierung herumzukommen. Eine eigene Position in der Debatte hat allerdings die Sektion München des DAV: keine Ladestationen auf den Hütten und keine Tourenangebote für E-Bikes. Weitere Sektionen haben angekündigt, dem Beispiel zu folgen.

Allerdings sind auch rund 600.000 DAV-Mitglieder auf Mountainbikes unterwegs. Das Alpenvereins-Credo, den Bergsport nur aus eigener Kraft zu betreiben, führt inzwischen zu lebhaften Debatten innerhalb der größten Bergsteigervereinigung der Welt.

Tourismusorte in anderen Alpenländern fördern den Boom

In Tourismushochburgen, etwa in Tirol oder in der Schweiz, sind an vielen Orten spezielle Trails entstanden. Die Tourismuswirtschaft greift dort jeden gewinnbringenden Trend begeistert auf, bis hin zum Heli-Biking in Zermatt.

Die Koexistenz von Wanderern, Radler und E-Bikern auf entsprechend ausgewiesenen Wegen ist dort leichter zu haben, als in den bayerischen Alpen. Hier werden allein durch den Freizeitanspruch aus dem Großraum München und die Attraktivität als zweitbeliebteste deutsche Tourismusdestination die Berge immer voller.

Gibt es Lösungen für Bayern?

Eine naturverträgliche Besucherlenkung und vor allem der Respekt im Umgang miteinander und mit der Natur sind der einzige Weg, wenn es nicht zu drastischeren Maßnahmen wie Verboten kommen soll, erwarten Experten deswegen etwa im Deutschen Alpenverein.

Die oberbayerische CSU hat kürzlich die Einrichtung von Sperrzonen vorgeschlagen. Nach jetziger Sachlage würde das die "Bio-Biker", also die, die noch mit eigener Kraft fahren, genauso treffen wie die mit Elektromotor.

Ansätze für zukunftsfähige Lösungen erhofft sich der DAV von zwei Modellprojekten im Landkreis Bad Tölz und im Allgäu, wo die Entwicklung von speziell geschulten Bike-Experten begleitet wird.