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Bombennacht in Würzburg: Gedenken unter Corona-Bedingungen | BR24

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Am 16. März 1945 zerstörten Bomber der britischen Luftwaffe die Stadt Würzburg, über 3.500 Menschen wurden getötet. Zum 76. Jahrestag gedenkt Würzburg der Opfer und mahnt die Lebenden - mit einem Gedenkkonzert aus St. Stephan.

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Bombennacht in Würzburg: Gedenken unter Corona-Bedingungen

Am 16. März 1945 legten Bomber der britischen Luftwaffe die Stadt in Schutt und Asche, über 3.500 Menschen wurden getötet. Zum 76. Jahrestag gedenkt Würzburg der Opfer und mahnt die Lebenden - auch mit einem Gedenkkonzert.

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Von
  • Carolin Hasenauer

Mehr als 1.000 Brandbomben warf die Royal Air Force am 16. März 1945 um 21.20 Uhr über Würzburg ab. Nur 20 Minuten lang dauerte der Luftangriff - doch am Ende waren fast 90 Prozent der Innenstadt zerstört. Nur sieben Häuser überstanden die Nacht unversehrt. 3.500 Menschen starben. Seit Kriegsende gedenkt die Stadt Würzburg neben zahlreichen anderen Akteuren jährlich an diesem Tag der Opfer. Das offizielle Veranstaltungsprogramm zum 76. Jahrestag der Zerstörung Würzburgs ist wegen der Corona-Pandemie stark reduziert, vieles fand virtuell statt.

BR24: Gedenkkonzert wurde live übertragen

Ein Gedenkkonzert in der St. Stephan-Kirche in Würzburg fand ohne Publikum statt. Aufgrund der Pandemielage wurde es insbesondere auf dem Facebook-Kanal von BR Franken live übertragen. "Verleih uns Frieden gnädiglich" lautete das Thema des Abends. Veranstaltet wurde das Konzert mit Werken von Matthias Weckmann und Heinrich Schütz vom Kantorat der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Würzburg St. Stephan mit Unterstützung durch die Stadt.

Kranzniederlegung in Stille

Trotzdem legte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt am "Denkmal des 16. März" vor dem Hauptfriedhof wieder einen Kranz nieder. Wegen der Corona-Pandemie ohne Zuschauer. Das Denkmal befindet sich unmittelbar auf dem Massengrab, wo nach dem Angriff in aller Eile die Toten namenlos bestattet wurden. Seit einer Umgestaltung vor drei Jahren wird die 1954 errichtete Gedenkstätte von Glasstelen umrahmt, auf denen die 1.563 Namen eingraviert sind, die zu ermitteln waren.

Das "Lichtergedenken" findet nur alle fünf Jahre in den Straßen rund um den Kiliansdom in der Würzburger Innenstadt statt. Im vergangenen Jahr wurde es wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

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Bildrechte: BR - Björn Möller

Am 16. März 1945 zerstörten Bomber der britischen Luftwaffe die Stadt. Zum 76. Jahrestag gedenkt Würzburg der Opfer und mahnt die Lebenden.

Online-Veranstaltung und Podiumsdiskussion

Am Nachmittag hielt Stadtrat Willi Dürrnagel einen Online-Vortrag zur Bombennacht anhand historischer Aufnahmen und Dokumente aus seinem persönlichen Archiv. Zeitgleich um 17.30 Uhr ginge es in einer Podiumsdiskussion, die aus dem Würzburger Ratssaal übertragen wird, um Perspektiven für die Würzburger Erinnerungskultur. Auf dem Podium zu Gast waren Dr. Rotraud Ries, Leiterin des Johanna-Stahl-Zentrums für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken, Dr. Bettina Keß, Projektleiterin des Projekts "Dialog Erinnerungskultur" in Würzburg, Prof. Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ Gedenkstätte Flossenbürg sowie Gründungsdirektor des „Zentrums Erinnerungskultur“ an der Universität Regensburg und Dr. Ludwig Unger, Mitarbeiter bei der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit München.

Gedenktag gilt "allen Opfern von Krieg und Gewalt"

Das Würzburger Gedenken rund um das zentrale Datum des 16. März hat in den vergangenen Jahren neue Akzente bekommen. Statt ausschließlich die Zerstörung der Stadt und die Würzburger Opfer zu beklagen, gilt das Gedenken mittlerweile allen Opfern von Krieg und Gewalt – und es stellt sich der deutschen Verantwortung. So hat beispielsweise Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) beim 70. Jahrestag der Zerstörung deutlich gemacht, dass die Katastrophe des 16. März nicht von der Vorgeschichte des Nationalsozialismus zu isolieren sei.

"Die Zerstörung Würzburgs war keine schicksalhafte Fügung. Sie war das Ergebnis der menschenverachtenden Ideologie und verbrecherischen Politik des NS-Regimes, das nicht davor zurückgeschreckt hatte, über Millionen von Leichen zu gehen." Oberbürgermeister Christian Schuchardt in einer Ansprache am 16. März 2015.

Langzeitprojekt "Dialog Erinnerungskultur" in Würzburg

Für einen engagierten Umgang mit der Vergangenheit steht auch das Langzeitprojekt "Dialog Erinnerungskultur", das die Stadt Würzburg 2010 mit dem Ziel begonnen hatte, Formen und Orte des Erinnerns zu hinterfragen und zu erneuern. So wurde beispielsweise der Gedenkraum im Würzburger Rathaus umgestaltet, wo ein 3D-Modell der zerstörten Stadt das zentrale Ausstellungsstück ist.

2011 wurden neue Bild- und Texttafeln angebracht, die seitdem auch die Vorgeschichte der Zerstörung Würzburgs nicht mehr aussparen: das Treiben der Nationalsozialisten und die Bombenangriffe der deutschen Luftwaffe.

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