Sternekoch Alexander Herrmann bei der Preisverleihung. Er hält die "Goldenen Kartoffel" in der Hand.

Überreicht von der Bayerischen Kartoffelkönigin: Alexander Herrmann (2.v.l.) mit der "Goldenen Kartoffel".

Bildrechte: BR/Lasse Berger
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    "Bodenständig": "Goldene Kartoffel" für Alexander Herrmann

    "Bodenständig": "Goldene Kartoffel" für Alexander Herrmann

    Sternekoch Alexander Herrmann ist mit der "Goldenen Kartoffel" ausgezeichnet worden. Verliehen wurde sie in Rehau, wo der Kartoffelanbau eine lange Tradition hat. Die Auszeichnung soll das Bewusstsein für das Grundnahrungsmittel stärken.

    Auf der Bühne bläst die Stadtkapelle aus allen Rohren, in der Luft kreuzen sich Popcornduft und Bratwurstgeruch und am Geländer entlang des Perlenbachs drängen sich die Besucher auf den Stehplätzen: Der Maxplatz in Rehau ist das Zentrum des diesjährigen Stadtfests. Und während Bürgermeister Michael Abraham händeschüttelnd durch die Bierbankreihen geht, wächst wenige Meter weiter eine Menschentraube immer weiter an. Denn kurz vor seinem Auftritt zeigt sich der "prominente Gast" schon einmal, als der er von der Stadt im Vorfeld angekündigt worden ist: Sternekoch Alexander Herrmann.

    Sternekoch beim Selfie bei der Autogrammstunde in Rehau

    "Den fotografier ich mal, den sieht man ja sonst immer nur im Fernsehen", heißt es von einer der Bierbänke. Neben dem Stand, auf dem seine Kochbücher zum Kauf angeboten werden, umringen ihn vor allem Frauen. Mit weißen Sneakern, schwarzem Jackett und silberweißem Haar grinst Herrmann zuverlässig in alle Kameras und signiert jedes Kochbuch, das ihm hingehalten wird.

    Eine Viertelstunde später wird dann auch dem letzten Besucher klar, was der Grund für Herrmanns Stippvisite auf dem Stadtfest ist: Unter lautem Applaus zeichnet Laudator Henry Schramm vom Bezirk Oberfranken Herrmann mit der "Goldenen Kartoffel" aus. "Was haben eine Kartoffel und ein Sternekoch gemein", fragt Schramm zunächst und liefert gleich die Antwort: "Ich finde Preis und Preisträger passen gut zusammen."

    Eine Kartoffel fürs Zwei-Sterne-Restaurant

    Seit 1998 wird die Auszeichnung alle fünf Jahre verliehen, die das Bewusstsein für die Kartoffel als Grundnahrungsmittel stärken soll. Gleichzeitig wird daran erinnert, dass im Rehauer Stadtteil Pilgramsreuth bereits um 1647 der erste feldmäßige Kartoffelanbau in Deutschland begonnen hat. In diesem Jahr habe der Stadtrat von Rehau einstimmig für Herrmann als Preisträger votiert, erklärt Bürgermeister Abraham im Anschluss an die Preisübergabe. Das sei naheliegend gewesen, weil der Sternekoch im Oktober vergangenen Jahres das oberfränkische Wort des Jahres bekanntgegeben hatte. Und das hieß "Erpfl", der mundartliche Begriff für die Kartoffel.

    Während Herrmann das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro nicht behalten darf – die Stadt Rehau hat festgelegt, dass die Summe der Flüchtlingsarbeit und einem Kindernotbetreuungsprogramm in der Region zugutekommt – darf der mit zwei Michelin-Sternen garnierte Koch jedoch die ihm überreichte "Goldene Kartoffel" mitnehmen. Aufstellen wird er sie in seinem Hotel in Wirsberg im Landkreis Kulmbach. Und zwar nicht im Gourmet-Restaurant, sondern in seinem Bistro. Dort, bei der "ganz anderen Herz- und Seelenküche" passe die Kartoffel nämlich viel besser hin.

    Alexander Herrmann: "Von der Bodenständigkeit in den Himmel"

    Für Herrmann hat die Auszeichnung aber nicht nur materiellen Wert. Spricht man den 51-Jährigen auf die aus Porzellan handgefertigte Kartoffel mit dem goldenen Überzug an, kommt er ins Philosophieren. Der Preis zeichne durch die Kartoffel extreme Bodenständigkeit aus und habe deshalb eine ganz hohe Ehrlichkeit, weil dort weniger Politik dahinterstehe, so Herrmann. "Und weil das ganze Ding noch golden ist, hebt mich die Auszeichnung von der Bodenständigkeit in den Himmel."

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