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Zu viele Unklarheiten: Der im Blutverdünner-Prozess angeklagte 47-Jährige wurde freigesprochen. Doch ganz aus dem Schneider ist er damit nicht - vorläufig wegen dem Prozess eingestellte Ermittlungen gegen den Mann könnten wieder aufgerollt werden.

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Blutverdünner-Prozess: Angeklagter Ehemann freigesprochen

Zu viele Unklarheiten: Der im Blutverdünner-Prozess angeklagte 47-Jährige wurde freigesprochen. Doch ganz aus dem Schneider ist er damit nicht - vorläufig wegen dem Prozess eingestellte Ermittlungen gegen den Mann könnten wieder aufgerollt werden.

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Andreas WenlederAndreas WenlederBR24  RedaktionBR24 Redaktion

Im sogenannten "Blutverdünner-Prozess" am Landgericht Regensburg ist der Angeklagte am Dienstag freigesprochen worden. Ihm wurde vorgeworfen, seiner Ehefrau den Blutverdünner Marcumar verabreicht zu haben. Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb eine Verurteilung wegen versuchten Mordes. Die Verteidigung hatte dagegen Freispruch gefordert, weil der genaue Tathergang nicht habe geklärt werden können. Das sahen am Ende auch die Richter so.

Gericht kann nicht klären, was passiert ist

Das Schwurgericht konnte letztendlich nicht klären, was genau vor gut einem Jahr passiert ist, als die Ehefrau den Blutverdünner Marcumar in irgendeiner Form zu sich genommen haben muss, sagte der Vorsitzende Richter Michael Hammer. Der Angeklagte habe zwar Zugang zu dem Medikament gehabt, letztendlich fehlen aber Belege, dass tatsächlich er es war, der den Blutverdünner seiner Frau verabreicht habe.

Stichhaltiges Motiv fehlt

Auch ein stichhaltiges Motiv konnte das Gericht letztendlich nicht zweifelsfrei feststellen, auch wenn die Frau eine Affäre hatte, sich vom Angeklagten trennen wollte und mit den beiden gemeinsamen Kindern wegziehen wollte.

Alternative Tathergänge nicht ausgeschlossen

In so einem Fall spreche man oft von einem Freispruch aus Mangel an Beweisen, das sei aber der falsche Ausdruck, so der Vorsitzende Richter. Denn es suggeriere, dass das Gericht den Angeklagten trotzdem für den Schuldigen halte. Das sei hier aber nicht der Fall. Andere, alternative Tathergänge konnten letztendlich nicht sicher ausgeschlossen werden. Der Angeklagte sei daher freizusprechen.

Hat ein unbekannter Dritter der Frau Blutverdünner verabreicht?

Zu den möglichen Alternativszenarien zähle etwa, dass ein unbekannter Dritter oder die Frau sich selbst das Medikament verabreicht haben könnte. Diese Alternativen seien zum Teil fernliegend, könnten letztendlich aber nicht mit Fakten widerlegt werden.

Dagegen schloss das Gericht einen Suizidversuch der Frau nahezu aus, ebenso, dass sie ihr Ehemann tatsächlich mit Marcumar töten wollte. Für beides sei die Menge des Blutverdünners zu gering gewesen.

Ermittlungen gegen Angeklagten in anderen Verfahren

Die Frau, die im Prozess Nebenklägerin war, nahm das Urteil mit Entsetzen zur Kenntnis und brach in Tränen aus. Wohl auch, weil gegen den Angeklagten zusätzlich in einem anderen Verfahren ermittelt wurde. Im Frühjahr dieses Jahres soll er seiner ehemaligen Partnerin nachgestellt und ihr Schrauben in ihre Autoreifen gedreht haben. Außerdem soll er unter anderem über ihre dienstliche E-Mail-Adresse heimlich eine Parteimitgliedschaft bei der AfD für sie beantragt haben.

Schrauben in Autoreifen gedreht - Angeklagter weiter tatverdächtig

Zwar hält die Kammer den Angeklagten hier für den wahrscheinlichen Täter, daraus könne aber nicht mit Sicherheit eine Täterschaft und ein Motiv im Fall des Blutverdünners abgeleitet werden. Die Ermittlungen im diesem zweiten Verfahren gegen den Mann waren wegen des laufenden Prozesses vorläufig eingestellt worden, könnte aber wiederaufgenommen werden, wenn der heutige Freispruch rechtskräftig wird.

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